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92. Jahrgang, 2012, Heft 6 | S. 360-361

Eurozone: Der Geuro ist keine Lösung

Carsten Hefeker

Vorschläge, wie man Griechenland helfen kann, reichen vom von der Mehrheit der Deutschen bevorzugten Austritt aus der Eurozone bis hin zur von der Mehrheit der Griechen bevorzugten Aufgabe der Sparziele. Die neueste Idee, lanciert vom ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank Thomas Mayer, ist die Einführung einer Parallelwährung in Griechenland. Der sogenannte Geuro, so Mayer, gebe der griechischen Regierung die Möglichkeit, weiter Ausgaben zu tätigen, ohne auf Kredite aus dem Euroraum angewiesen zu sein, und so die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes wiederherzustellen. Leider ist diese Idee nicht so erfolgversprechend, wie viele Kommentatoren glauben.

Der Geuro, also Schuldverschreibungen der griechischen Regierung, die damit ihre Verbindlichkeiten bezahlt, funktioniert nur, wenn die Mehrheit der Griechen auch bereit ist, ihn als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Das ist unwahrscheinlich; vielmehr kann man davon ausgehen, dass die meisten zwar gerne mit Geuro bezahlen, ihn aber nicht so gerne annehmen. Denn solange man nicht sicher sein kann, ihn auch wieder loszuwerden, wird ihn auch niemand akzeptieren wollen. Die Alternative wäre, den Geuro per Gesetz zum Zahlungsmittel zu machen; das aber verbieten die Statuten der EWU, die eine Parallelwährung nicht vorsehen.

Zwar hat es immer wieder einmal Experimente mit Parallelwährungen gegeben, die regional funktionieren, aber eben auch nur deshalb, weil man davon ausgehen kann, dass jeder im Dorf oder der engeren Region die Währung akzeptiert. Die Basis einer Währung ist das Vertrauen, diese auch weitergeben zu können, und das ist in einem überschaubaren Bereich leichter herzustellen. Wo aber das Vertrauen in die spätere Zahlungsfähigkeit der griechischen Regierung herkommen soll, ist unklar. Vermutlich erwartet jeder stattdessen eine massive Überemission des Geuro mit folgender Inflation, was weiter die Bereitschaft zur Akzeptanz verringert. Sicher ist allerdings, dass die alleinige Ankündigung einer Parallelwährung dazu führt, dass der befürchtete Bankensturm eintritt, die Banken kollabieren und die Griechen die Euronoten horten werden. Das kommt de facto dem Austritt aus der Eurozone gleich.

Die immer wieder zu lesenden Vergleiche mit Parallelwährungen in anderen Ländern hinken hier, weil dort oft parallel eine "bessere" Währung umlief: also z.B. US-Dollar neben Peso. Die in Argentinien nach dem Kollaps 2001 verwendeten Lecops hingegen konnten nicht vollumfänglich benutzt werden, um Schulden gegenüber dem Staat zu decken. Der Staat bezahlte mit Lecops, erwartete seine Steuern oder sonstige Gebühren aber mindestens zum Teil in Peso. Man kann sich vorstellen, wie die Griechen reagieren, wenn sie ihre Löhne in Geuro erhalten, ihre Steuern aber in Euro bezahlen müssen. Schließlich ist auch die Idee, der Geuro (oder eine neue Drachme) würde abwerten und damit Wettbewerbsvorteile schaffen, kaum haltbar. Zwar ist eine Abwertung sicher, fraglich ist nur, ob das helfen würde. In einer Situation, in der Griechenland ohnehin durch soziale Spannungen gekennzeichnet ist, würde das wohl vor allem die Revolte weiter anfachen und zu massiven Lohnforderungen der Gewerkschaften führen. Streiks, Unruhen und Lohn- und Preissteigerungen sind aber kaum geeignet, Exporte, Tourismus und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Der Geuro ist keine magische Lösung. Griechenland bleibt vielmehr nichts anderes übrig als ein langer und schmerzvoller Anpassungsprozess. Den sollte Europa im eigenen Interesse unterstützen.

Carsten Hefeker

Universität Siegen

carsten.hefeker@uni-siegen.de


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