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94. Jahrgang, 2014, Heft 2 | S. 151-152

Konjunkturschlaglicht

Keine größeren Preisanstiege bei Rohstoffen

Leon Leschus

2013 sind die Rohstoffpreise zum Teil sehr stark gesunken. Zwar ist der HWWI-Rohstoffpreisindex insgesamt 2013 auf US-Dollarbasis nur um 0,7% gesunken, aber einzelne Teilindizes sind stark zurückgegangen. So verbilligte sich Getreide um 32,6% und die NE-Metalle um 12,3%. Dagegen blieb der Index für Öl weitestgehend unverändert und stieg leicht um etwa 1%. Auch der Index für Genussmittel gab mit 12,1% stark nach. Wobei in dem Index ansteigende Kakaopreise durch sinkende Kaffee- und Zuckerpreise überkompensiert wurden. Auch 2014 sind keine großen Preisschübe bei den Rohstoffen zu erwarten. Das weltweite Wirtschaftswachstum bleibt weiterhin fragil und in manchen Regionen der Welt stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit des Wachstums, das durch staatliche Konjunkturmaßnahmen induziert wurde. Zudem sind einige Schwellenländer wie Argentinien, Indien oder Indonesien zurzeit von einer schweren Devisenkrise betroffen. Für die Entwicklung der Rohstoffpreise wird es neben der weltweiten Konjunkturentwicklung von Bedeutung sein, wie die Notenbanken agieren und ob und in welchem Maße sie ihre expansive Geldpolitik zurückfahren. Wird Liquidität aus den Märkten genommen, so kann dies Inflationsrisiken senken und die Anleger dazu bewegen aus Sachwerten wie Rohstoffen auszusteigen. Dies dürfte dann einen weiteren preisdämpfenden Effekt auf die Rohstoffpreise haben.

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 2005 bis 2015

Quartalswerte, 2010 = 100

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1 HWWI-Index auf US-$-Basis. Ab 1. Quartal 2014 Prognose.

Quellen: AIECE-Rohstoffgruppe, HWWI.

 

Beim Rohöl kommt noch hinzu, dass das Ölangebot außerhalb der OPEC stark zunimmt und dies den Ölpreis zusätzlich unter Abwärtsdruck setzten könnte. Während in Kanada vermehrt Ölsande gefördert werden, hat in den USA der Schieferöl-Boom eingesetzt. Diese erhöhte Ölförderung in Nordamerika führte dazu, dass der Preisunterschied zwischen der US-amerikanischen Ölsorte WTI und dem europäischen Brent weiter zugenommen hat. In Cushing, der Umschlagsplatz für Öl, an dem sich der Preis für WTI-Öl bildet, sind die Lagerbestände kräftig angestiegen. Mit Hilfe einer neuen Pipeline soll vermehrt Öl von Cushing zum Golf von Mexiko transportiert werden. Dies dürfte zu einer Reduzierung der Ölmengen in Cushing führen und damit zu einem Sinken der Preisspanne zwischen Brent und WTI beitragen.

Der Ölpreis dürfte auch wie im Jahr zuvor von Preisschwankungen betroffen sein. Krisen in Ölförderländern können immer wieder Preisausschläge beim Öl auslösen. Hoffnungen, dass das europäische Ölembargo gegen den Iran nach einer Frist von sechs Monaten gelockert oder sogar beendet werden könnte, erhielten Nahrung, als der iranischen Ölminister Bidschan Sanganeh mit westlichen Ölkonzernen Gespräche über ihre mögliche Rückkehr in das Land führte. Um seine Ölförderung voranzubringen, benötigt der Iran dringend technisches Know-how von westlichen Konzernen. Neuste technische Verfahren sind auch für die Förderung des Rohöls tief im Meer vor der Küste Brasiliens erforderlich. Für die Ausbeutung dieser Ölfelder hat sich ein Konsortium aus mehreren Ölkonzernen gefunden, darunter auch der zum Teil staatliche brasilianische Ölkonzern Petrobas. Aus den zukünftigen Einnahmen aus den Ölverkäufen müssen sich die erforderlichen hohen Investitionen wieder amortisieren. Einzelne OPEC-Staaten warnen vor stark sinkenden Ölpreisen, weil sich dann ihre Investitionen in Ölförderanlagen, so ihre Schlussfolgerung, nicht mehr lohnen würden. Mit der Folge, dass es auf kurzer bis mittlerer Sicht aufgrund eines reduzierten Ölangebots zu Preisspitzen beim Öl kommen würde.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 Januar 2012 bis Januar 2014

Tageswerte, 2. Januar 2012 = 100

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1 HWWI-Index auf US-$-Basis.

Quellen: HWWI.

 

Die Preise für NE-Metalle sind 2013 durchweg gefallen. Während sich die Nachfrage schwach entwickelte, kamen zusätzliche Angebotsmengen durch neue Produktionsstätten auf den Markt. Rohstoffbooms in den vergangenen Jahren hatten den Anreiz gegeben, in zusätzliche Kapazitäten zu investieren. Sowohl für die Preisentwicklung bei den NE-Metallen als auch beim Eisenerz, das besonders für die Stahlproduktion verwendet wird, ist das weitere Wirtschaftswachstum des größten Verbrauchers Chinas von zentraler Bedeutung. Auf den Nickelpreis hat sich ein Exportverbot von Indonesien auf Nickelerze preissteigernd ausgewirkt. Ob sich diese Preissteigerungen fortsetzen ist aber noch offen, da ein großer Teil des Effektes dieser Exportbeschränkungen des weltweit größten Exporteurs von Nickelerzen schon eingepreist wurden. Nickel hatte sich Mitte Januar innerhalb von neun Handelstagen um fast 10% verteuert.

Aufgrund guter Ernten haben sich die Rohstoffe im Index "Nahrungs- und Genussmittel" im Verlaufe des Jahres 2013 überwiegend verbilligt. Aktuell bestehen Befürchtungen, dass die Kältewelle in den USA den Winterweizen schädigt, was zu Preisbewegungen nach oben führen könnte. Im letzten Jahr und auch in den ersten Wochen des Jahres 2014 stellte Kakao eine Ausnahme im Index für Nahrungs- und Genussmittel dar. Der Kakaopreis stieg kräftig an. Für die Erntesaison 2013/2014 geht die Internationale Kokaoorganisation (ICCO) von einem Defizit auf dem Kakaomarkt aus. Das immer wieder durch schlechte Wetterbedingungen beeinträchtigte Angebot in Westafrika – die Elfenbeinküste und Ghana produzieren zusammen etwa 70% des weltweiten Kakaoangebots – kam der Nachfrage nicht hinterher.

Leon Leschus

leschus@hwwi.org


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