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97. Jahrgang, 2017, Heft 3 | S. 157-158

Digitale Infrastruktur: Glasfaser dringend erforderlich!

Rafael Aigner, Lars Handrich

Auf der CeBIT präsentieren sich deutsche Unternehmen als Technologieführer auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft. In Sachen Breitband hinkt Deutschland aber hinterher: bei der Downloadgeschwindigkeit im weltweiten Vergleich abgeschlagen auf Platz 26, hinter den meisten Industrienationen, sogar hinter Bulgarien und Rumänien. Die DSL-Verfügbarkeit ist zwar hervorragend, aber nur 7,1% der deutschen Haushalte haben Zugang zu echten Glasfaseranschlüssen (FTTH/B: Fiber to the Home/Building). Die Deutsche Telekom, Marktführer und größter Betreiber von Breitbandinfrastruktur, setzt derzeit auf FTTC (Fiber to the Curb) mit Vectoring. Dabei wird Glasfaser bis zum Kabelverzweiger verlegt. Zwischen Kabelverzweiger und Endkunden bleibt es bei Kupferkabeln. Die Bundesnetzagentur genehmigte den Einsatz der Vectoring-Technologie trotz heftiger Kritik der Wettbewerber. Vectoring erfordert einen exklusiven Zugang zum Nahbereich der Hauptverteiler. Für Wettbewerber wird es schwieriger, regionale Infrastrukturmonopole der Telekom aufzubrechen und Haushalte mit eigener FTTH/B-Infrastruktur zu versorgen.

Die Vectoring-Technik ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s und steht im Einklang mit dem Ziel der Bundesregierung von flächendeckend 50 Mbit/s bis Ende 2018. Zukünftig werden aber weit größere Bandbreiten (1000 Mbit/s) benötigt, um den Wandel zur digitalen Gesellschaft vollziehen zu können – man denke an Industrie 4.0, Internet der Dinge, Smart Homes, autonomes Fahren oder E-Medizin. Auch für die konsequente Umsetzung der Energiewende werden hochwertige Breitbandnetze notwendig sein. Fraglich ist, wie lange die bestehende Kupferinfrastruktur ausgereizt werden soll. Um die steigenden Ansprüche an (symmetrischen) Übertragungsraten, Latenzzeiten und Zuverlässigkeit erfüllen zu können, müssen langfristig echte Glasfaseranschlüsse (FTTH/B) flächendeckend vorhanden sein. Kurz- und mittelfristig könnten Bandbreiten jenseits der 500 Mbit/s auch kostengünstig durch weiterentwickelte kupferbasierte Zugangstechnologien erreicht werden. Durch solche Zwischenlösungen sinken aber die Anreize für einen raschen Ausbau von FTTH/B; zumal auch die Übergangstechnologien Ressourcen binden, die alternativ direkt in FTTH/B investiert werden könnten.

In jedem Fall ist ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt notwendig, um den Ausbau voranzutreiben. Die Politik muss die entscheidenden Impulse setzen, nicht zuletzt um klare Signale an Wirtschaft und Investoren zu senden.Das DigiNetz-Gesetz von 2016 ist ein später, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es vergünstigt den Ausbau dahingehend, dass Synergien besser genutzt werden können. Ausgeschöpft sind die Kostensenkungspotenziale allerdings noch nicht. Beispielsweise könnte zukünftig verstärkt die wesentlich günstigere oberirdische Verlegtechnik eingesetzt werden. Klar ist auch: Um seine Stellung als Hochtechnologienation zu halten, sollte die Bundesregierung rasch neue Ausbauziele setzen, die den Zeitraum bis 2025 in den Blick nehmen und auf die Erfordernisse eines flächendeckend bedarfsgerechten Glasfaserausbaus ausgerichtet sind. Inspiration bietet Nachbar Österreich: Dort wird bis 2020 eine flächendeckende Anbindung mit 100 Mbit/s angestrebt, bis 2025 sollen gar 10 Gbit/s (= 10 000 Mbit/s) erreicht werden. Sollte der rasche Aufbau gigabitfähiger Netze nicht gelingen, droht Deutschland international abgehängt zu werden. Für digital agierende Unternehmen würde Deutschland sowohl als Standort als auch als Absatzmarkt zunehmend unattraktiver.

Rafael Aigner, Lars Handrich

DIW Econ

LHandrich@diw-econ.de


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