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97. Jahrgang, 2017, Heft 4 | S. 237-238

Peugeot-Citroën/Opel: Harte Synergie-Implementierung

Ferdinand Dudenhöffer

Für General Motors (GM) ist der Opel-Verkauf nachvollziehbar. 1999 hatten die US-Amerikaner mit 423 Mio. US-$ zum letzten Mal Gewinn in Europa gemacht. In den letzten fünf Jahren betrugen die Verluste 5,2 Mrd. US-$. 1999 hatte GM 2 Mio. Autos in Europa verkauft, 2016 waren es 1,2 Mio. GM hatte vermutlich schon länger 2016 als Jahr der Entscheidung bestimmt. Wenn erneut Verluste anfallen, wird reagiert. Ganz nach der Regel "Fix it, Sell it, Close it" des viel gerühmten früheren General-Electric-Managers Jack Welch. GM hat Stufe zwei der Jack-Welch-Regeln umgesetzt. Das ist kein Ausgangspunkt einer neuen Konsolidierungswelle der Autoindustrie. Es verkauft lediglich ein großer Autobauer eine Sparte, Opel, an einen kleineren, Peugeot-Citroën (PSA). Verkauft ist nicht ganz das richtige Wort. Mit einer hohen Mitgift wird die Braut Opel in neue Hände gegeben. GM verbucht Aufwendungen von gut 7 Mrd. US-$ für den "Deal" und erhält 2,2 Mrd. Euro. Der Kaufpreis ist negativ.

PSA ging in den letzten Jahren durch eine existenzielle Krise. Mit der Eurokrise ist der südeuropäische Automarkt zusammengebrochen und mit ihm PSA, das zu mehr als 70% seiner Verkäufe europaabhängig war. Es wurde hart saniert. Die Autosparte von PSA schreibt seit zwei Jahren wieder Gewinne. Trotzdem geht die Optimierung weiter, d.h. die Aufwendungen für Löhne und Gehälter sind auch 2016 gesunken. Mit 3,15 Mio. Fahrzeugverkäufen hat PSA weltweit einen Marktanteil von 3,8%. Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Die wichtigen Scale Economies im Massenmarkt liegen bei 10 Mio. Verkäufen, etwa bei VW, Toyota, GM oder Renault-Nissan-Mitsubishi. PSA steht unter hohem Wachstumsdruck und konnte daher bei der Braut nicht widerstehen. Freilich kauft sich PSA damit zwei Risiken ein: die Opel-Verluste und ein hohes Länderrisiko. Mehr als 70% der PSA-Opel-Verkäufe entfallen auf Europa und Europa ist mit 15% Weltmarktanteil eine Insel mit wenig Wachstum. Wachstum findet in Asien statt.

Das Zauberwort bei PSA heißt Synergien. Klar, man ist jetzt bei 4,2 Mio. statt 3,1 Mio. Neuwagen. Aber größere Rabatte beim Zuliefereinkauf sind in den nächsten drei Jahren kaum möglich. Die Opel-Fahrzeuge werden mit den Opel-Teilen und die PSA-Neuwagen mit den PSA-Einkaufsteilen weitergebaut. Man hat zwar Gemeinschaftsprojekte, aber die waren schon vorher vorhanden. Bis alle Fahrzeuge der neuen Gruppe auf gemeinsamen – französischen – Plattformen stehen, dauert es. Für die Zulieferbranche ändert sich daher zunächst wenig. Und auch in fünf Jahren entsteht kein neues Monopson in der europäischen Zulieferwelt. Dazu ist PSA-Opel einfach zu klein. Also Superspar-Runden, so wie unter dem berüchtigten VW-Einkaufschef Lopez, sind kaum zu erwarten.

Das Zauberwort Synergien reduziert sich auf Effizienzsteigerung, also auf den Abbau von Überkapazitäten sowie Doppelfunktionen in Einkauf, Produktion, im Sales & Marketing, in der Verwaltung. Das Center-Automotive-Research-Institut rechnet bei Opel mit einem Personalabbau von gut 6500 Mitarbeitern, so wie PSA über die letzten Jahre "optimiert" hat. Kaum wahrnehmbar erscheint der Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Nachdem immer stärker gefragt wurde, warum er so schweigsam sei, hat er plötzlich mit Arbeitsniederlegung gedroht. Nächstes Jahr wird es ernst werden, dann ist der Heiratsvertrag wirksam. Kein einfacher Vertrag, aber nach den Regeln des Jack Welch besser als Stufe drei "Close it". Der Zusammenschluss ist nicht der Aufbruch zur "Neuordnung der Autowelt". Er ist der Beginn einer harten Synergie-Implementierung. PSA braucht schnell Gewinne, um seine Internationalisierung voranzubringen. Das Risiko, zu lange auf 70% Europa zu sitzen, ist nicht tragbar.

Ferdinand Dudenhöffer

Universität Duisburg-Essen

Ferdinand.dudenhoeffer@uni-due.de


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