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90. Jahrgang, 2010, Heft 11 · S. 708-710

Ausbildungsmarkt: Fachkräftenachwuchs sichern

Günter Walden

Bereits heute klagen Betriebe - konzentriert auf bestimmte Branchen und Berufe - über Fachkräftemangel. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden diese Probleme in der Zukunft erheblich zunehmen. In der Debatte über geeignete Strategien zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses stehen sich scheinbar Vertreter zweier Positionen gegenüber: Zum einen wird eine verstärkte Zuwanderung von Fachkräften aus anderen Ländern gefordert. Zum anderen wird darauf hingewiesen, dass in Deutschland noch ein erhebliches Potenzial von jungen Menschen zur Verfügung steht, das qualifiziert werden sollte. Es handelt sich hierbei nicht um sich komplett ausschließende Alternativen, sondern um Wege zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses, die sich ergänzen können.

Im Vordergrund der Überlegungen sollte aber zunächst die Qualifizierung junger Menschen stehen, die eine berufliche Ausbildung aufnehmen und abschließen wollen. In den vergangenen Jahren war die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt von einem Mangel an Ausbildungsplätzen geprägt und vielen Jugendlichen gelang die Einmündung in eine betriebliche Ausbildung nicht. Hierzu gehörten insbesondere Jugendliche mit besonderem Förderbedarf, zu denen überproportional auch junge Migranten zählen.

In der Zukunft muss es verstärkt darum gehen, auch Jugendlichen mit schlechteren Voraussetzungen den Übergang in eine betriebliche Berufsausbildung zu ermöglichen. Um dies umzusetzen, sind sowohl auf der Seite der Jugendlichen als auch auf der Seite der Betriebe Veränderungen notwendig. Für eine Verbesserung der "Passung" zwischen Anforderungen der Betriebe und den Voraussetzungen der Jugendlichen ist es erforderlich, die schulischen Leistungen schwächerer Jugendlicher zu verbessern. Ebenso ist die Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen zu stärken. Wichtig ist vor allem, dass Jugendliche mit schlechteren Voraussetzungen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung durch eine gezielte Förderung und Betreuung wirksam unterstützt werden. Hier sind von der Politik bereits eine Reihe geeigneter Förderprogramme aufgelegt worden.

Auf der Angebotsseite muss den Betrieben klar werden, dass eine eigene Ausbildung die beste Möglichkeit ist, um künftigem Fachkräftemangel vorzubeugen. So wäre ja auch eine Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte mit einem erheblichen Investitionsaufwand verbunden. Staat und Wirtschaft sollten versuchen, mehr Betriebe als bisher für eine Ausbildungsbeteiligung zu gewinnen. Die Rahmenbedingungen für die Ausbildung wären dabei so zu verändern, dass Anreize für eine Ausbildungsbeteiligung der Betriebe wirksam erhöht werden (z.B. über eine optimierte Unterstützung durch Berufsschulen und überbetriebliche Bildungsstätten).

Allerdings wird sich auch über die Ausschöpfung des eigenen Fachkräftepotenzials eine vollständige Lösung des Fachkräftemangels nicht realisieren lassen. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird ein Rückgang an Fachkräften längerfristig nicht zu verhindern sein. Deshalb ist auch ein Zuzug entsprechend qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland nötig. Dies gilt insbesondere für Spezialisten (z.B. Ingenieure), die schon heute sehr nachgefragt werden. Vorteilhaft könnte auch die von der Politik angestrebte Erleichterung der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen sein.

Günter Walden

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Walden@bibb.de


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