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90. Jahrgang, 2010, Heft 11 · S. 775-776

Konjunkturschlaglicht

Rohstoffe haben sich weiter verteuert

Leon Leschus

In diesem Jahr haben sich die Weltmarktpreise für Rohstoffe weiter erhöht. So ist der HWWI-Index in US-Dollar seit Anfang des Jahres um 10,6% und in Euro um 13,6% angestiegen. Der Anstieg führte dazu, dass sich die Preisdifferenz zu den Rekordständen von 2008 verringerte. Im Oktober 2010 war der HWWI-Rohstoffpreisindex vom Rekordniveau von Mitte 2008 in US-Dollar noch knapp 31% entfernt, in Euro gut 21%. Deutlich angestiegen sind vor allem die Preise der nicht-energiebezogenen Rohstoffe. Im Herbst 2010 erreichten die durchschnittlichen Dollar-Preise der nicht-energiebezogenen Rohstoffe wieder ihre Höchstwerte vom Juli 2008, nachdem sie zwischenzeitlich stark gefallen waren. Zu den ausgeprägten Preisschwankungen haben zwar spekulative Anlagen von Finanzmarktinvestoren beigetragen, sie sind aber nicht Auslöser der Preissteigerungen bei Rohstoffen. Der starke Preisanstieg spiegelt vielmehr fundamentale Faktoren, insbesondere das rasche Wachstum der rohstoffintensiven Wirtschaft Chinas und auch Angebotsverknappungen bei bestimmten Rohstoffen, wie zum Beispiel Zinn und Weizen, wider.

Die Energiepreise erholten sich schnell von den Tiefständen in der Rezession, blieben jedoch deutlich unter ihren Rekordwerten von Mitte Juli 2008. Die Preise für Rohöl schwankten seit Herbst 2009 im Durchschnitt in einer Spanne von 70-85 US-$ pro Barrel. Die Unsicherheit über die Stärke des weltweiten Wirtschaftswachstums, verhältnismäßig große Ölvorräte sowie eine überraschend starke Ausweitung der Produktion der Nicht-OPEC-Länder drückten auf die Ölpreise. Andererseits wirkten robuste Nachfrageerwartungen in Asien, geopolitische Risiken sowie die Aussicht auf Produktionseinschnitte in den OPEC-Ländern preissteigernd. 2010 werden die Energierohstoffpreise im Jahresdurchschnitt um 27% zulegen, nachdem sie im vergangenen Jahr um 37% gefallen waren.

Die Weltmarktpreise für Metalle haben sich deutlich verteuert. So lag der HWWI-Index für NE-Metalle auf US-Dollarbasis im Oktober um 28,6% über dem Vorjahresniveau, wobei sich die Preise für Zinn mit 67% und Kupfer mit 29% am stärksten erhöhten. Die Vertragspreise für Eisenerz für die Stahlindustrie wurden im zweiten Quartal für Feinerz um 85% angehoben. Eine geringere chinesische Stahlnachfrage im Sommer führte jedoch dazu, dass im vierten Quartal 2010 niedrigere Vertragspreise für Eisenerz ausgehandelt wurden. Die Preise für Agrarrohstoffe werden dieses Jahr im Durchschnitt um 35% steigen. Der Preis für Naturkautschuk erreichte im Oktober ein Rekordhoch aufgrund von Angebotsausfällen sowie einer besonders in Asien weiter steigenden Nachfrage nach Fahrzeugreifen. Bisher ist in diesem Jahr der HWWI-Index für Nahrungs- und Genussmittel in US-Dollar um 15% angestiegen. Im Juli 2010 zogen die Weltmarktpreise für Getreide aufgrund der Erwartung massiv zurückgehender Produktion stark an. Ursprünglich war der Anstieg auf Weizen begrenzt, doch folgten die Maispreise im September und Oktober, weil sich das Angebot auf den Weltmärkten verknappt hat.

Die Arbeitsgruppe Rohstoffe der Europäischen Konjunkturinstitute rechnet in ihrer Herbstprognose damit, dass sich auch im nächsten Jahr die Rohstoffpreise erhöhen werden. Die starke Nachfrage der Schwellenländer, insbesondere Chinas, wird den Preisanstieg bei Rohstoffen weiter stützen. Ein Risiko für die Prognose könnte jedoch ein schwächer als erwartet ausfallendes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten sein. Für 2011 ist angesichts des reichlichen Angebots nur ein geringer Preisanstieg bei Öl zu erwarten. Die Preise von NE-Metallen werden sich voraussichtlich auf einem Niveau stabilisieren, das 7% oberhalb des Durchschnitts im laufenden Jahr liegt. Neue Kapazitäten bei den Metallen werden den Preisanstieg dämpfen. Leicht sinken werden dagegen die Preise für Agrarrohstoffe, nachdem sie in diesem Jahr im Durchschnitt insgesamt um 35% ansteigen werden. In den kommenden Quartalen wird die Kautschuknachfrage aufgrund des Auslaufens von subventionierten Autokäufen in den meisten Ländern wieder nachlassen und die Kautschukpreise dürften sich stabilisieren. Die Preise für Zellstoff, die aufgrund von Angebotsengpässen und der asiatischen Nachfrage erheblich gestiegen sind, werden zwar aller Voraussicht nach etwas zurückgehen, aber nach wie vor hoch bleiben.

Die Nahrungsmittel- und Getränkepreise werden dieses Jahr um etwa 10% und nächstes Jahr etwas stärker zulegen. Im Fall von Weizen haben Exportrestriktionen und Ernteausfälle in Russland den Preisanstieg verstärkt. Derzeit bewegen sich die Preise zwar noch deutlich unterhalb des Stands von 2008, doch bestehen zunehmend Risiken, dass einkommensschwache Staaten wieder Probleme bekommen könnten, notwendige Getreideimporte zu finanzieren. Stark steigende Preise für Grundnahrungsmittel könnten schließlich zu einer erneuten Nahrungsmittelkrise in Entwicklungsländern führen.

Leon Leschus
leschus@hwwi-consult.com

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 2009/2010

Tageswerte, 1. Oktober 2009 = 100

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1 HWWI-Index auf US-$-Basis.

Quelle: HWWI.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 2004-2012

Quartalswerte, 2000 = 100

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1 HWWI-Index auf US-$-Basis. Ab 4. Quartal 2010 Prognose.

Quelle: AIECE-Rohstoffgruppe, Oktober 2010.


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