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90. Jahrgang, 2010, Heft 12 · S. 851-852

Konjunkturschlaglicht

Fragile Konjunktur in den USA

Michael Bräuninger

Die USA haben 2009 eine tiefe, über vier Quartale andauernde Rezession überstanden. In der zweiten Jahreshälfte 2009 stieg das BIP wieder deutlich an. Die annualisierten Wachstumsraten im vierten Quartal 2009 und im ersten Quartal 2010 lagen bei 5% bzw. 3,7%. Im zweiten und dritten Quartal lagen die Wachstumsraten etwas niedriger, aber mit etwa 2% deutlich im positiven Bereich. In dem Erholungsprozess hat sich die Bedeutung der Nachfrageaggregate verschoben. 2009 trugen nur Staatsverbrauch und Außenhandel zum Wachstum bei und dabei resultierten die positiven Beiträge des Außenhandels im Wesentlichen aus einem Rückgang der Importe. 2010 ergaben sich positive Beiträge der Exporte die aber durch die steigenden Importe kompensiert wurden, so dass vom Außenhandel ein negativer Wachstumsbeitrag ausging. Im Gegensatz dazu haben auch die Ausrüstungsinvestitionen und der private Konsum zu Wachstum beigetragen. Diese Beiträge haben deutlich zugenommen, so dass sich ein selbsttragender Aufschwung andeutet. Dem stehen jedoch die sehr schwachen Entwicklungen am Arbeits- und am Wohnungsmarkt gegenüber. Diese zeigen, dass die Krise noch nicht überstanden ist und lassen vermuten, dass es auch im Jahr 2011 noch nicht zu einer so deutlichen Erholung kommt, dass damit ein Beschäftigungsaufbau verbunden wäre.

Auslöser für die Krise in den USA war der Zusammenbruch des Immobilienmarkts. Hier hat sich im Jahr 2010 eine Stabilisierung ergeben. Dies zeigt sich an den Preisen für Einfamilienhäuser, die stabil blieben, nachdem sie über etwa drei Jahre gefallen waren. Mit dem Stopp des Preisverfalls blieb auch die Zahl der Baubeginne auf niedrigem Niveau konstant. Dennoch sind die Wohnungsbauinvestitionen 2010 weiter zurückgegangen und betrugen zuletzt nur noch 40% des Vorkrisenniveaus. 2010 hat sich im gewerblichen Bau der Investitionsrückgang aus dem Jahr 2009 leicht verlangsamt fortgesetzt. Nur bei den Ausrüstungsinvestitionen deutet sich eine konjunkturelle Wende an: Sie steigen seit Beginn des Jahres 2010 von Quartal zu Quartal. Dies hat auch dazu geführt, dass die Investitionen insgesamt gestiegen sind. Bei wieder steigenden Einkommen und einer konstanten Sparquote hat sich auch der private Konsum erholt und lag zuletzt leicht unter dem Vorkrisenniveau. Noch deutlicher darunter waren die Umsätze im Groß- und Einzelhandel. 2008/09 sind sowohl die Exporte als auch die Importe drastisch zurückgegangen. Vor allem der starke Einbruch der Importe hat zu einer Verbesserung der Handelsbilanz geführt. Seit dem dritten Quartal 2009 haben sich Ex- und Importe wieder stabilisiert und folgen einem positiven Wachstumstrend, wodurch das Handelsbilanzdefizit wieder zugenommen hat.

Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich bei der verbesserten konjunkturellen Situation stabilisiert. Das Wachstum reicht jedoch nicht für eine deutliche Erholung aus der sehr angespannten Lage. So haben sich die Beschäftigung und die Arbeitslosigkeit auf dem Niveau, das zur Mitte des Jahres 2009 herrschte, stabilisiert. Die Arbeitslosenquote liegt bei knapp 10% und die mittlere Dauer der Arbeitslosigkeit beträgt weiter über 20 Wochen. Das Produktionswachstum bei einer auf niedrigem Niveau konstanten Beschäftigung hat dazu geführt, dass die Produktivität deutlich nach oben gegangen ist. Trotz steigender durchschnittlicher Stundenlöhne sind deshalb die Stückkosten gesunken.

Die konjunkturellen Aussichten für 2011 sind weiterhin verhalten. Zwar haben sich die Frühindikatoren zum Teil deutlich verbessert. Dies gilt besonders für den Einkaufsmanagerindex, der von der Mitte des Jahres 2009 bis zum Frühjahr 2010 anstieg. Dagegen stagnieren das Verbrauchervertrauen und die Auftragseingänge auf niedrigem Niveau. Die Kapazitätsauslastung hat sich seit der Krise verbessert, liegt aber weiterhin nur auf einem sehr niedrigen Niveau. Dabei ist ein Teil der Verbesserung auf das geringere Kapazitätswachstum in der Krise zurückzuführen. Dies erhöht bei niedrigen Zinsen die Investitionsbereitschaft. Insofern dürften die Ausrüstungsinvestitionen im Jahr 2011 weiter steigen.

Auch die Einkommen und der Konsum werden 2011 weiter wachsen. Damit dürfte das BIP zunächst mit annualisierten Raten von etwa 2,5% zunehmen. Allmählich wird sich damit die Lage am Arbeitsmarkt bessern. Damit kann sich ein selbsttragender Aufschwung durchsetzen und auch der Konsum wird wieder stärker zunehmen. Dies führt zu steigender Kapazitätsauslastung, die wiederum die Investitionen anregt. Dämpfende Wirkungen könnten von der einsetzenden Budgetkonsolidierung ausgehen. Aber die staatlichen Investitionen für Infrastruktur werden über das gesamte nächste Jahr auf einem hohen Niveau bleiben. Da aber weitere Steigerungen ausbleiben, werden sich aus dieser Entwicklung keine weiteren positiven Impulse ergeben. Gegen Ende des Jahres 2011 dürfte dann die Konsolidierung des Budgets in Angriff genommen werden.


Michael Bräuninger

braeuninger@hwwi.org

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Wachstumsbeiträge der Verwendungskomponenten zum Bruttoinlandsprodukt
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Quellen: Datastream (2010); HWWI.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Reales Bruttoinlandsprodukt in den USA
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1 Veränderung gegenüber dem Vorquartal in %, auf Jahresrate hochgerechnet.
2
Zahlenangaben: Veränderung der Ursprungswerte gegenüber dem Vorjahr in %.

Quellen: Bureau of Economic Analysis; Berechnungen des HWWI; ab 3. Quartal 2009: Prognose des HWWI.


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