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90. Jahrgang, 2010, Heft 3 · S. 207-208

Konjunkturschlaglicht

Indische Wirtschaft erholt sich schnell

Jana Stöver

Die indische Konjunktur hat sich insgesamt gesehen nach der Wirtschaftskrise relativ rasch erholt. Im Fiskaljahr 2009-101 wird voraussichtlich ein BIP-Wachstum von 7,2% erreicht werden, für das Kalenderjahr 2009 ergibt sich ein Wachstum von 6,5%. Die indische Ökonomie hat 2009 positiv auf die Politikmaßnahmen der Regierung nach der Wirtschaftskrise reagiert. Die Erholung wird besonders vom überproportionalen Wachstum des Industrieoutputs und des Dienstleistungssektors gestützt.

Im vierten Quartal 2009 wiesen die meisten Sektoren positive reale Wachstumsraten auf; so betrug das Wachstum der Industrieproduktion 14,3% und das des Bausektors 8,7%. Auch der Index der Industrieproduktion hat zum Ende des Jahres noch einmal kräftig angezogen. Daher kann hier von einer stabilen und breit angelegten Erholung ausgegangen werden. Allerdings ist die landwirtschaftliche Produktion auf Grund des außergewöhnlich schwachen Monsuns im letzten Quartal um 2,8% im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die große Bedeutung des Landwirtschaftssektors, der anteilig zwar rückläufig ist, aber auch aktuell noch über 15% des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, hat sich auf die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal ausgewirkt: So stieg das BIP zu Faktorkosten im vierten Quartal lediglich um 6,0% im Vergleich zum Vorjahr und damit weniger, als nach dem starken dritten Quartal (7,9%) erwartet worden war.

Die Inflation ist im Verlauf des Jahres 2009 kontinuierlich angestiegen und betrug für das Kalenderjahr 10,9% und für Januar 2010 über 16%. Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf den Anstieg der Nahrungsmittelpreise in Folge der wegen des Wetters niedrigeren landwirtschaftlichen Produktion zurückzuführen. Besonders in den vergangenen zwei Quartalen hat die zweistellige Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln für Unsicherheit gesorgt. So waren im Dezember 2009 fast 67% der Inflation des Großhandelspreisindexes auf Nahrungsmittel zurückzuführen, nur 12% auf Kraftstoffe und Energie und die verbleibenden 21% auf andere Güter. Der Verbraucherpreisindex stieg wegen des hier noch größeren Gewichts der Nahrungsmittelpreise stärker. Ein Großteil der Inflation kann nach Angaben der Regierung auf Engpässe einiger essentieller Güter auf der Angebotsseite zurückgeführt werden, die in Folge des schwachen Monsuns aufgetreten sind. Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich im Laufe des Jahres normalisieren.

Die fiskalische Expansion, die als Teil der Reaktion auf die Wirtschaftskrise zu sehen ist, hat zu einer Erhöhung des Haushaltsdefizits von einem Vorkrisenniveau von 2,6% des BIP (2007/08) über 5,9% (2008/09) auf nunmehr 6,5% im Fiskaljahr 2009/10 geführt. Die Erhöhung kam hierbei überwiegend durch Steuererleichterungen zustande, mit dem Ziel die Nachfrage zu stimulieren. Expansiv wirkten auch erhöhte Ausgaben für öffentliche Projekte mit den Zielsetzungen, Arbeitsplätze zu schaffen und öffentliches Vermögen zu bilden.

In der ersten Hälfte des Fiskaljahrs 2009/10 hat sich der Rückgang der Exporte erst stark verlangsamt, um dann im November 2009, nach einer 13-monatigen Schrumpfung, erstmals im Vergleich zum Vorjahr wieder anzusteigen. Die hohe Dynamik des Umschwungs (18,2% im Vergleich zum Vorjahr) dürfte allerdings teilweise auf die Schwäche der Exporte im Vorjahr zurückzuführen sein. Die Entwicklung blieb aber auch im Dezember 2009 positiv, sowohl im Jahresvergleich (9,3%) als auch im Vergleich zum Vormonat (10,7%).

Das Handelsbilanzdefizit ist im Zeitraum April bis Dezember 2009 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 28,2% gefallen. Zusätzlich hat sich sowohl die Zusammensetzung als auch die Richtung sowohl der Exporte als auch der Importe signifikant verändert. Seit dem Frühjahr hat zudem die Rupie kräftig an Wert gewonnen.

Für 2010 kann von positiven Impulsen aus einem wachsenden weltwirtschaftlichen Umfeld und zusätzlich von einer Normalisierung der landwirtschaftlichen Produktion ausgegangen werden. Aufgrund dieser Aufholentwicklung ist für das indische BIP 2010 ein Wachstum von gut 8% zu erwarten. In diesem Licht scheint auch das Ziel der indischen Regierung, auf einen Wachstumspfad von 9% zurückzukehren, in naher Zukunft durchaus realistisch zu sein.

Jana Stöver

stoever@hwwi.org

Sektorale Wachstumsraten
 

2008

2009

  Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
Landwirtschaft etc. 2,1 3,2 2,4 -1,4 3,3 2,4 0,9 -2,8
Bergbau 5,1 2,6 1,6 2,8 -0,3 7,9 9,5 9,6
Industrie 8,3 5,9 5,5 1,3 0,6 3,4 9,2 14,3
Energie- und Wasserversorgung 7,8 3,3 4,3 4 4,1 6,2 7,4 4,9
Bau 7,1 7,1 8 3 5,6 7,1 6,5 8,7
Handel und Telekommunikation 10,9 10,8 10 4,4 5,7 8,1 8,5 10
Banken und Versicherungen 11,9 9,1 8,5 10,2 12,3 8,1 7,7 7,8
Öffentliche Dienstleistungen 9,8 8,7 10,4 28,7 8,8 6,8 12,7 -2,2

Quelle: Central Statistical Organisation India.

Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts1
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1 Quartalsweise im Vergleich zum Vorjahr (zu 2004-05 Preisen, BIP zu Faktorkosten).

Quellen: Central Statistical Organisation India; eigene Darstellung.

  • 1 Das Fiskaljahr beginnt in Indien am 1. April.


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