Ein Service der

Inhalt

90. Jahrgang, 2010, Heft 9 · S. 572-573

Flexiblere Arbeitszeiten: Königsweg für Beruf und Familie?

Notburga Ott

Familienministerin Schröder fordert flexible Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familienaufgaben und startet hierzu verschiedene Aktivitäten. Das Projekt "Familienpflegezeit" gehört genauso dazu wie die Initiative "familienbewusste Arbeitszeitmodelle", die zusammen mit dem DIHK durchgeführt wird. Nicht alle Vorstöße ernten ein positives Echo - vor allem von Unternehmensseite. Doch der neueste Familienmonitor gibt der Ministerin recht. Mehrheitlich wünschen sich Eltern vollzeitnahe und flexible Arbeitszeiten für beide Elternteile. Mütter - unabhängig davon, ob sie derzeit vollzeit-, teilzeit- oder gar nicht beschäftigt sind - präferieren eine Wochenarbeitszeit von deutlich mehr als 20 Stunden, Väter eine Verkürzung auf 35 bis 40 Stunden.

Entgegen der immer noch weit verbreiteten Ansicht ist die Hausfrauenehe oder das Vollzeit-Teilzeit-Modell als lebenslanges Arrangement ökonomisch schon lange nicht mehr sinnvoll, da der Nutzen der rein hauswirtschaftlichen Tätigkeiten den Verlust an Einkommen bei weitem nicht mehr kompensieren können. Phasen der Unterbrechung oder Einschränkung der Berufstätigkeit zugunsten von Familienaufgaben sollten daher nicht so umfangreich sein, dass der Verlust an Berufserfahrung sich nachhaltig auf das spätere Einkommen auswirkt. Zudem gewinnt mit steigendem Wohlstand auch das Interesse an gemeinsam verbrachter Zeit mit den Kindern auch bei Vätern eine immer höhere Bedeutung. Dass sich Paare symmetrischere Arrangements wünschen als früher, ist daher nicht erstaunlich.

Bislang sind solche Arrangements in Deutschland kaum zu realisieren. Teilzeit bedeutet meist "halbe Arbeitszeit", d.h. 20 Wochenstunden, und wird Männern kaum angeboten, die überwiegend mehr als 40 Wochenstunden arbeiten. Zudem würde das Familieneinkommen bei zwei "halben Jobs" im Allgemeinen nicht ausreichen. Mit Arbeitszeiten zwischen 30 und 40 Wochenstunden, die zudem teilweise flexibel gelegt werden können, ließen sich jedoch Modelle realisieren, bei denen sich beide Eltern zusammen mit angemessener außerfamilialer Betreuung um ihre Kinder kümmern, ohne dass diese bis zu zehn Stunden am Tag in externen Einrichtungen verbringen müssen.

Das gesellschaftliche Klima für solche Modelle wird langsam besser. Der anhaltende Geburtenrückgang seit den 70er Jahren kommt nun in den Unternehmen an, die über den künftigen Facharbeitermangel klagen. Arbeitgeber werden daher in Zukunft auf die Bedürfnisse von jungen Eltern vermehrt Rücksicht nehmen müssen, wollen sie nicht qualifiziertes Personal verlieren. Allein mit flexiblen Arbeitszeitmodellen ist es jedoch nicht getan. Ergänzend müssen auch die Kinderbetreuungsangebote flexibler werden, damit Familien die ihren Bedürfnissen entsprechenden Arrangements wählen können. Nur ein flächendeckender Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung - wie er mittlerweile auch für unter Dreijährige angestrebt wird - genügt hier nicht, wenn die Betreuungszeiten hinsichtlich Dauer und Lage nicht zu den Arbeitszeiten der Eltern passen. Notwendig ist ein ausdifferenziertes Angebot an Betreuungsplätzen, das auch Randzeiten oder wechselnde Arbeitszeiten abdeckt und damit für Eltern wie auch Arbeitgeber Planungssicherheit schafft. Nur dann werden die flexiblen Arbeitszeitmodelle Erfolg haben.

Mit vollzeitnahen flexiblen Arbeitszeitmodellen und verlässlichen, aber ebenfalls flexiblen Kindebetreuungsangeboten lassen sich dann Arrangements verwirklichen, bei denen beide Eltern keine allzu großen Einbußen in ihrer beruflichen Laufbahn hinnehmen müssen, das Familieneinkommen für einen angemessenen Lebensstandard ausreicht und eine den Kindern förderliche Betreuung durch beide Eltern im Verbund mit externen Betreuungseinrichtungen stattfindet.

Notburga Ott

Ruhr-Universität Bochum

notburga.ott@ruhr-uni-bochum.de


Kommentare zu diesem Artikel

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Ihr Kommentar

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.
Die Redaktion behält sich vor Beiträge, die diffamierende Äußerungen enthalten oder sich eines unangemessenen Sprachstils bedienen, nicht zu veröffentlichen.

SPAM-Schutz * Welcher Buchstabe fehlt im folgenden Wort?