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91. Jahrgang, 2011, Heft 10 · S. 656-657

Erneuerbare Energien: Mehr Wettbewerb nötig

Justus Haucap

Im Zuge der Energiewende soll die Stromerzeugung in Deutschland radikal umgestellt werden. Bis 2020 soll 35% des Stroms durch erneuerbare Energien erzeugt werden, d.h. der Anteil an "grünem Strom" von momentan etwa 18% soll sich in den nächsten zehn Jahren fast verdoppeln.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wird in Deutschland vor allem über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) gefördert. Für Strom aus erneuerbaren Energien gilt ein Einspeisevorrang; Netzbetreiber sind verpflichtet, EEG-Strom prioritär abzunehmen. Für den EEG-Strom haben die Netzbetreiber eine gesetzlich festgelegte Vergütung pro kwh zu zahlen. Die Vergütungssätze sind (abgesehen von wenigen Ausnahmen) für 20 Jahre festgeschrieben, und sie variieren zwischen den unterschiedlichen Energieträgern, d.h. Strom aus Biomasse wird mit einem anderen Satz vergütet als Solarstrom, der sich in der Vergütung wiederum von Windenergie unterscheidet. Bei der Windenergie wird noch zwischen On-Shore- und Off-Shore-Windparks unterschieden, und bei Photovoltaik wird unterschieden zwischen Dachflächen, Freiflächen und Ackerflächen, und zwischen Anlagengrößen wird auch noch minutiös differenziert.

Es gelten also staatlich detailliert festgelegte Preise - Markt und Wettbewerb spielen im Bereich des EEG-Stroms keine Rolle. 2010 haben diese EEG-Einspeisevergütungen die Verbraucher 12,6 Mrd. Euro gekostet, die in Form der EEG-Umlage von den Stromverbrauchern eingetrieben werden. Davon fließen über 30% in die Photovoltaik, die aber nur 10% des grünen Stroms ausmacht. Die fehlende Rückkopplung des EEG-Stroms an den Markt führt dazu, dass die Energiewende viel teurer wird, als eigentlich nötig wäre. Fast die Hälfte der weltweit installierten Solaranlagen steht in Deutschland - ein äußerst zweifelhafter Erfolg, bedenkt man, dass Deutschland ein relativ sonnenarmes Land ist. Würde die Hälfte der weltweiten Bananenproduktion subventionsbedingt auf eine Bananenrepublik Deutschland entfallen, wäre dies volkswirtschaftlich (abgesehen von der dann sicher bestehenden Bananenlobby) kaum als Erfolg zu werten. Der Kosten-Tsunami der EEG-Förderung führt dazu, dass immer mehr Industrien von der EEG-Umlage befreit werden, damit ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben kann. Zugleich wird bereits der Ruf nach (staatlich administrierten) Sozialtarifen für Energie laut, damit sich auch sozial schwache Haushalte den immer teurer werdenden Strom leisten können. Immer weniger Nachfrager müssen dann die gewaltigen EEG-Kosten tragen.

Je stärker die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien forciert werden soll, desto dringender wird die Frage, wie ein solches Ziel möglichst günstig erreicht werden kann. Eine Möglichkeit wäre, die Netzbetreiber zu verpflichten, über das gesamte Jahr gesehen einen Prozentsatz x an "grünem Strom" aufzunehmen und für jede MWh ein grünes Zertifikat auszugeben. Diese Zertifikate sollten handelbar sein. Netzbetreiber, die mehr grünen Strom aufnehmen als x, können dann die Zertifikate weiter verkaufen. So würde wenigstens im grünen Stromsektor Wettbewerb zwischen Photovoltaik, On- und Off-Shore-Windenergie, Strom aus Biomasse, etc. geschaffen. Die Ausbau-Menge ließe sich durch eine klare Mengenvorgabe auch viel effektiver steuern und auch die Kosten ließen sich besser eindämmen. Noch besser wäre es allerdings, nicht die Netzbetreiber, sondern die Energieversorger mit der Pflicht zu belegen, x% grünen Strom zu vertreiben. Im Gegensatz zu den Netzbetreibern stehen die Energieversorger nämlich im Wettbewerb und haben daher noch stärkere Anreize, möglichst günstig grünen Strom zu beziehen. Selbst wenn die Investoren für heute errichtete Anlagen Vertrauensschutz genießen, könnte z.B. ab einem Schwellenwert von 20% für die nächsten 15%, die bis 2020 hinzukommen sollen, der Regimewechsel zu mehr Markt und Wettbewerb vollzogen werden.

Justus Haucap

Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE)

justus.haucap@uni-duesseldorf.de


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