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91. Jahrgang, 2011, Heft 11 · S. 803-804

Konjunkturschlaglicht

Schwächere Weltkonjunktur dämpft Rohstoffpreise

Leon Leschus

Die Rohstoffpreise gingen im Herbst 2011 überwiegend zurück. Nach starker und lang andauernder Erholung hatten sie noch im April ihren zwischenzeitlichen Höchststand seit den rezessionsbedingten Tiefständen Anfang 2009 erreicht. Die Preisrückgänge Anfang Oktober sind auf die sich weltweit eintrübenden Konjunkturaussichten zurückzuführen. Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der Abkühlung der Weltkonjunktur die Nachfrage nach Rohstoffen gedämpft wird und damit die Rohstoffpreise tendenziell bis in das nächste Jahr hinein sinken werden. Im Verlauf des Jahres 2012 ist aber zu erwarten, dass die weltweite Konjunktur wieder anzieht. Dies erhöht wiederum die Rohstoffnachfrage, was sich auf den Rohstoffmärkten preissteigernd auswirken dürfte. Die Preise für Metalle und Öl werden insbesondere durch die starke Nachfrage in den Schwellenländern getragen; vor allem China wird für seine kräftig wachsende Wirtschaft weiter viele Rohstoffe benötigen.

Der Ölpreis (Brent) notierte Anfang 2011 bei 95 US-$ pro Barrel, um dann im Zuge der Unruhen in Nordafrika und im Mittleren Osten stark anzusteigen. Ende April notierten die Ölpreise bei über 126 US-$ pro Barrel als sich die Krise in Libyen zu einem Bürgerkrieg ausweitete. Dort kam die Ölförderung in Höhe von 1,6 Mio. Barrel pro Tag vollständig zum Erliegen. Zudem befürchteten die Marktteilnehmer, dass sich die Unruhen in Nordafrika und im Mittleren Osten ausbreiten und sogar große Ölförderländer wie Saudi Arabien erfassen könnten. Als sich ein Ende der Krise in Libyen abzeichnete, sank der Ölpreis der Sorte Brent Anfang Oktober auf unter 100 US-$. Dennoch besteht weiterhin eine große Unsicherheit darüber, wie schnell Libyen wieder das vor Ausbruch der Unruhen bestehende Ölförderniveau erreichen kann. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass dies noch bis 2015 dauern könnte. Seit Anfang Oktober hat sich der Ölpreis insgesamt wieder nach oben bewegt, wobei starke Schwankungen zu beobachten waren. Die Sorge über eine schwächere Weltkonjunktur führte zu nachlassenden Preisen, während Unsicherheiten bezüglich der Ölversorgung zu Preissteigerungen führten. So wurde befürchtet, die Ölförderung im Golf von Mexiko könne aufgrund des Tropensturms Rina zum Erliegen kommen.

Die Preise für Eisenerz und Kokskohle profitierten in der ersten Jahreshälfte von dem starken Anstieg der globalen Stahlproduktion. Auf die erhöhte Nachfrage konnte die Produktion erst mit einer gewissen Zeitverzögerung reagieren, was sich preissteigernd auswirkte. Die Kokskohlepreise stiegen Anfang des Jahres 2011 auch wegen der Überschwemmungen in Australien und der daraus resultierenden Exportrückgänge. Gegen Ende Oktober begann ein besonders starker Preisverfall bei Eisenerz. Es verbilligte sich, bewertet in US-Dollar, im Vergleich zum ersten Handelstag im Oktober um 31,8%. Gründe hierfür lagen in der verringerten Eisenerznachfrage chinesischer Stahlhütten, die auf eine geringere Kreditvergabe und eine abkühlende Bauwirtschaft zurückzuführen ist. Insgesamt dürften die Preiskorrekturen bei Kokskohle und Eisenerz aber bis in das Jahr 2012 hinein geringer ausfallen als bei anderen Rohstoffen, da bei beiden Märkten die Versorgungslage vergleichsweise eng ist. Die Preise für Basismetalle stiegen seit dem ersten Quartal 2011 kräftig an, sanken aber, als sich die Aussichten für die Weltkonjunktur eintrübten. Besonders in den Industrieländern wurde ein starker Rückgang der Metallnachfrage befürchtet. Die Preise entwickelten sich sehr volatil, da diese stark von Nachrichten zur Entwicklung der chinesischen Nachfrage beeinflusst werden; China fragt ca. 40% der weltweiten Kupfermenge nach. Für das vierte Quartal 2011 ist mit einem Rückgang des Indexes für Industrierohstoffe und nachlassenden Metallpreisen zu rechnen.

Auch die Preise für Nahrungsmittelrohstoffe haben sich in diesem Jahr sehr volatil entwickelt. Im Oktober-Durchschnitt hat sich Weizen im Vergleich zum April in US-Dollar um 22% und Mais um knapp 16% verbilligt. Zwar liegt der Index für Getreide noch um 17,5% höher als im Oktober vor einem Jahr, seit April aber hat er sich um 13,8% verringert. Grund hierfür waren Nachrichten, dass sich das Angebot von den Tiefstständen aus dem Vorjahr erholen dürfte. Jedoch werden die vergleichsweise hohen Preise für Mais und Weizen weiterhin von niedrigen Lagerbeständen gestützt werden. Der Reispreis stieg im Oktober an. Diese Preiserhöhungen wurden durch die starken Überflutungen in Thailand ausgelöst. Starke Ernteausfälle sind beim weltweit größten Reisexporteur zu befürchten. Darüber hinaus könnte das Wetterphänomen "La Niña", das in Südamerika für trockenes Wetter sorgt, zu zusätzlichen Ernteausfällen und damit im nächsten Jahr zu Preiserhöhungen beim Getreide führen.

Leon Leschus

leschus@hwwi.org

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 2010/2011

Tageswerte, Januar 2010 = 100

Leschus Abb-1neu.ai

1 HWWI-Index auf US-Dollar-Basis.

Quelle: HWWI.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 2005/2013

Quartalswerte, 2010 = 100

Leschus Abb-2neu.ai

1 HWWI-Index auf US-Dollar-Basis, ab 4. Quartal 2011 Prognose.

Quelle: AIECE-Rohstoffgruppe, Oktober 2011.


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