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91. Jahrgang, 2011, Heft 12 · S. 875-876

DOI: 10.1007/s10273-011-1317-4

Konjunkturschlaglicht

Schuldenkrise dämpft Weltwirtschaftswachstum

Michael Bräuninger

Die Weltwirtschaft hat in den letzten Jahren eine Chronologie von Krisen durchlitten. Ausgangspunkt war die Immobilienkrise in den USA. Die Entwicklung in den USA hatte Parallelen in einigen europäischen Staaten. Das Platzen der Immobilien-Preisblase hat das Vermögen der privaten Haushalte zunichte gemacht und zu privaten Verschuldungskrisen geführt. Außerdem wurde eine globale Banken- und Finanzkrise ausgelöst. Zunächst war die Realwirtschaft wenig betroffen. Dies hat sich mit der Insolvenz von Lehman Brothers im September 2008 dramatisch verändert. Die Insolvenz hat zu einer Verunsicherung geführt, die einen allgemeinen "Stop" in der Weltwirtschaft ausgelöst hat. Schlagartig wurden Aufträge storniert und Investitionspläne verschoben. Die Folge war eine tiefe Rezession. Die Weltproduktion sank 2009 um 3,8%. Es bestand die Befürchtung eines Jahrzehnts ohne Wachstum in der Weltwirtschaft. Eine weltweite Fiskal- und Geldpolitik war notwendig, um Banken zu retten und die Wirtschaftskrise zu überwinden. Im Ergebnis kam es zu einer unerwartet schnellen Erholung der Weltwirtschaft und zu einer massiven Ausweitung der staatlichen Verschuldung in einigen Industrieländern.

2010 lag das Wachstum der globalen Wirtschaft bei 4%. In den letzten Monaten hat es sich wieder deutlich abgeschwächt. Die Wachstumsrate in diesem Jahr dürfte deshalb nur noch bei 3,5% liegen. Dies gilt besonders für die Industrieländer und hier für den Euroraum, der sich in einer schwachen Rezession befindet. Dabei lähmen auf der einen Seite die Verunsicherung durch die ausufernden Staatsschulden und zum anderen die laufenden Konsolidierungsprogramme die Konjunktur. Neben den Staatsschulden ist die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Industriestaaten ein zentrales Problem. Diese ist auf verschiedene Strukturprobleme an den Arbeitsmärkten und in vielen Staaten auch auf die noch immer darniederliegende Bauwirtschaft zurückzuführen. Außerdem ist die Lage im Finanzsektor wieder extrem angespannt. So leihen sich europäische Banken untereinander kein Geld mehr und deponieren dies lieber bei der EZB. In den Schwellenländern blieb das Wachstum auf einem hohen Niveau, auch wenn es sich etwas abgeschwächt hat. Mit dem schwächeren Wachstum und den sinkenden Rohstoffpreisen ist der Inflationsdruck in den Schwellenländern zurückgegangen. Vor diesem Hintergrund geht die Konjunkturprognose des HWWI davon aus, dass das BIP im Euroraum um 0,5% und in den USA um 1,7% wachsen wird. Nur in Japan wird es eine Verbesserung geben. Aufgrund der Katastrophen ging die Wirtschaft hier 2011 um 0,5% zurück. Eine gewisse Normalisierung wird im nächsten Jahr zu einem Wachstum von etwa 2% führen. Insgesamt wird die Weltwirtschaft 2012 nur noch um gut 3% expandieren.

Die Veränderungen der Weltproduktion gehen mit Veränderungen des Welthandels einher. Dieser erreichte bereits 2010 - nach einem Einbruch im Vorjahr um fast 11% - wieder das Vorkrisenniveau. 2011 wird das Wachstum im Vergleich zu 2010 (+12,0%) jedoch deutlich geringer ausfallen. So werden die Weltexporte nur um etwa 6% zunehmen. Im Jahr 2012 geht das Wachstum weiter auf 4% zurück. Weder die Im- noch die Exporte der entwickelten Volkswirtschaften haben nach dem Welthandelsmonitor bisher ihr Vorkrisenniveau erreicht, während das Welthandelsvolumen insgesamt im August 2011 auf den bisher höchsten Wert gestiegen und im September leicht zurückgegangen ist. Der Indikator zeigt zudem, dass die Krise auch auf die Schwellenländer übergreift. So sind die Ausfuhren Asiens (ohne Japan) im September 2011 auf das Niveau von November 2010 zurückgefallen.

Außergewöhnlich stark ist derzeit die Gefahr, dass die Weltwirtschaft in eine Abwärtsspirale gerät. Diese ergibt sich vor allem aus der Schuldenkrise in Europa und auch aus dem Haushaltsstreit in den USA. Die Prognose unterstellt, dass die Schuldenprobleme nicht weiter ausufern, dass die Eurogemeinschaft in der derzeitigen Form erhalten bleibt und dass im Verlauf des zweiten Halbjahres 2012 Beruhigung in die Märkte kommt. Außerdem wird eine weiterhin stark expansiv ausgerichtete Geldpolitik angenommen.

Michael Bräuninger

braeuninger@hwwi.org

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Wachstum der Weltwirtschaft

in %

Braeuninger Abb-1.ai

Quellen: OECD; Prognose HWWI.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Entwicklung des Welthandels
Index, 2000 = 100
Braeuninger Abb-2.ai

Quellen: Centraal Planbureau (CPB); Prognose HWWI.


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