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91. Jahrgang, 2011, Heft 2 · S. 147-148

Konjunkturschlaglicht

Revision des HWWI-Rohstoffpreisindex

Leon Leschus

Die Rohstoffpreise sind von erheblicher Bedeutung für die Weltkonjunktur. Über die Importrechnung beeinflussen sie die Preis- und damit auch die Einkommensentwicklung in den Verbraucherländern. Über den Zeitverlauf hinweg ändern sich die international gehandelten Rohstoffmengen, und einzelne Rohstoffe verlieren an Bedeutung, während andere zunehmend benötigt werden. Aus diesem Grund finden etwa alle zehn Jahre Revisionen des HWWI-Rohstoffpreisindex statt. Dabei werden die Gewichtungen im Index entsprechend den geänderten Rohstoffimportwerten verändert. Zu Beginn dieses Jahres hat eine solche Revision stattgefunden, und ab Januar 2011 wird der
HWWI-Rohstoffpreisindex mit aktualisierten Gewichten veröffentlicht.

Im HWWI-Rohstoffpreisindex sind die wichtigen international gehandelten Rohstoffe enthalten. Die Auswahl der Rohstoffe wurde dabei mit Hilfe des Warenverzeichnisses für die Außenhandelsstatistik (SITC, Revision 3) getroffen. Ausnahmen waren allerdings dann erforderlich, wenn aktuelle bzw. repräsentative Weltmarktpreise fehlen. Insgesamt sind im HWWI-Rohstoffpreisindex 28 Rohstoffe vertreten. Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl der Rohstoffpreise war, dass sie das Marktgeschehen gut abbilden. Es wird am besten durch die Tagespreise für standardisierte Qualitäten an den internationalen Warenbörsen oder durch auf Auktionen ermittelte Preise erfüllt, da diese überwiegend auch als Basis für die Preise der Importkontrakte für Rohstoffe dienen.

Bei dem HWWI-Rohstoffpreisindex wird die Güterstruktur einer bestimmten Periode als Gewichtsschema zugrunde gelegt. Dabei dienen als Gewichte die Anteile der einzelnen Rohstoffe am gesamten Rohstoffimport der Industrieländer1, ohne den Binnenhandel innerhalb der EU. Beim HWWI-Index "Euroland", der zusätzlich berechnet wird, um frühzeitig auf rohstoffbedingte Verteuerungen im Euroraum hinweisen zu können, wurden entsprechend die Importe des Euroraums aus Drittländern herangezogen. Mit den festgelegten Gewichten beantwortet der Index die Frage, in welchem Maße sich die Rohstoffimporte gegenüber dem Basisjahr verteuert oder verbilligt haben. Um den Einfluss jährlicher Schwankungen bei den Rohstoffimporten abzumildern, wurden wie bisher die Importwerte für drei möglichst aktuelle, aufeinanderfolgende Jahre ausgewählt. Für den HWWI-Rohstoffpreisindex sind dies die Jahre 2005 bis 2007, während für den HWWI-Index "Euroländer" aktuellere Handelszahlen zur Verfügung standen und die Gewichte damit aus den Jahren 2007 bis 2009 berechnet werden konnten.

Der Vergleich der Gewichte im neuen Index mit denen der Vorgänger-Version zeigt, dass Mineralöl ein größeres Gewicht hat als bei der vorangegangenen Fassung aus dem Jahr 2003. Im neuen Index hat Mineralöl ein Gewicht von knapp 74%, zuvor waren es 63%. Im Wesentlichen ergibt sich der Anstieg daraus, dass die Ölpreise in den Jahren 2005-2007 gegenüber der Vergleichsperiode 1999-2001 um das 1,5-fache höher waren. Trotz dieses Preisanstiegs haben europäische und US-amerikanische Rohölimporte um über 22% zugenommen. Beim Vergleich der beiden Zeitspannen sind dagegen die Preise für Nahrungs- und Genussmittel sowie Agrarrohstoffe weniger stark angestiegen. Hier lagen die Preiserhöhungen überwiegend nur bei 40% bis 60%. Bei einzelnen NE-Metallen haben sich zwar die Preise stark verteuert, jedoch stiegen ihre importierten Mengen weit weniger an als bei Rohöl.

Weil die Energierohstoffe mit ihrem hohen Anteil die Bewegung des Gesamtindex entscheidend beeinflussen, wird wie bisher ein Teilindex für Rohstoffe ohne Energieträger berechnet. Dieser setzt sich wieder aus verschiedenen Teilindizes zusammen. Dabei wird untergliedert in Nahrungs- und Genussmittel sowie Industrierohstoffe. Beim Teilindex ohne Energie haben Industrierohstoffe nach wie vor das größte Gewicht. Der Vergleich der Indexentwicklung zeigt nur geringe Unterschiede zwischen der alten und der neuen Version des Index (vgl. Abbildung). Die höheren Werte des alten Index zeigen, dass dieser die Rohstoffkosten etwas überschätzt hat. Rohstoffe, deren Preise besonders stark angestiegen sind, haben in dem neuen Index an Gewicht verloren, während andere Rohstoffe, deren Preise weniger stark angestiegen sind, an Gewicht gewonnen haben. So stieg der Preis für Baumwolle im Zeitraum von Januar bis Dezember 2010 in US-Dollar um mehr als 95% im Teilindex für Industrierohstoffe an, wohingegen die Preissteigerungen bei Aluminium und Blei nur 5% bzw. 1,6% betrugen.

Leon Leschus

leschus@hwwi.org

Abbildung 1 (zurück zum Text)
HWWI-Index1 vor und nach der Revision

1 US-Dollar-Basis, 1990 = 100.

  • 1Alle OECD-Länder, die nach der Einordnung des Internationalen Währungsfonds zu den Advanced Economies gehören.


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