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91. Jahrgang, 2011, Heft 3 · S. 154

Ölpreis: Opec hat noch Handlungsspielraum

Leon Leschus

Seit Anfang Dezember 2010 hat sich der Preis für Brentöl um gut 22% erhöht. Dieser Anstieg ist zum Teil auf das kräftige Wachstum der Weltkonjunktur und die damit verbundene höhere Ölnachfrage zurückzuführen. Besonders China benötigt für seine stark wachsende Wirtschaft Öl. So hat die Internationale Energieagentur ihre Zahlen für die globale Ölnachfrage für 2011 um 120 000 Barrel auf 89,3 Mio. Barrel pro Tag heraufgesetzt. Einen weiteren kräftigen Preisschub hat es durch die Unruhen in Nordafrika gegeben. Mit dem Ausbrechen der Ausschreitungen in Ägypten stieg der Preis für Brentöl über die 100-Dollar-Marke, da die Anleger befürchteten, dass der Suez-Kanal geschlossen werden könnte und damit ein wichtiger Transportweg für Öl nach Europa versperrt wäre. Die Entspannung der Situation in Ägypten führte zunächst zu einem sinkenden Ölpreis. Der Ausbruch eines Bürgerkrieges in Libyen ließ den Ölpreis jedoch wieder kräftig ansteigen. Das Brentöl verteuerte sich bis an die 120 US-$ pro Barrel.

Ein steigender Ölpreis wirkt sich auf das Wachstum der deutschen Wirtschaft dämpfend aus. Für Unternehmen steigen die Kosten. Besonders betroffen sind davon Fluglinien, Logistikunternehmen sowie Chemieunternehmen, die Öl beispielsweise für ihre Plastikproduktion benötigen. Zudem entziehen höhere Ölpreise Kaufkraft. Die deutsche Wirtschaft ist aber heute im Vergleich zu den beiden Ölpreiskrisen in den 70er Jahren weniger abhängig von Öl. So ist die Ölintensität, bei der die gesamte nachgefragte Ölmenge in das Verhältnis zum erwirtschafteten BIP gesetzt wird, in Deutschland seit 1990 um 30% gesunken. Das Öl wird also in der Wirtschaft effizienter eingesetzt. Zudem wird die deutsche Wirtschaft zwar durch höhere Ölpreise belastet, zugleich profitiert aber Deutschland auch von steigenden Exporten in Öl exportierende Länder.

Die Entwicklung des Ölpreises in den nächsten Monaten wird stark von den weiteren Ereignissen im Nahen Osten und dem Handeln der Opec abhängen. Über die tatsächlichen Ausfälle bei der Ölförderung in Libyen besteht weiterhin Unklarheit. Schätzungen gehen davon aus, dass zwei Drittel der libyschen Ölproduktion stillsteht. Doch auch wenn Libyens Öllieferungen komplett ausfallen würden, könnten sie durch andere Länder ausgeglichen werden. Während die Ölförderung Libyens bei 1,6 Mio. Barrel pro Tag liegt, belaufen sich die freien Kapazitäten der Opec auf gut 5 Mio. Barrel pro Tag. Davon gehören etwa 3,5 Mio. Barrel Saudi-Arabien. Im Gegensatz zu Mitte 2008 als die freien Kapazitäten der Opec bei nur 1,5 Mio. Barrel pro Tag lagen und der Ölpreis auf über 145 US-$ pro Barrel anstieg, hat die Opec zurzeit noch Handlungsspielraum. Um die Märkte zu beruhigen, hat Saudi-Arabien seine Ölförderung bereits um 0,7 Mio. Barrel erhöht. Auch Kuwait hat angekündigt, bei weiteren Lieferausfällen Libyens seine Ölproduktion um 0,2 Mio. Barrel anzuheben.

Sollte Saudi-Arabien mit in den Sog der Unruhen hineingezogen werden, so wäre zu erwarten, dass der Ölpreis wieder seine Höchststände aus dem Jahre 2008 erreicht. Saudi-Arabien ist hinter Russland der zweitgrößte Ölexporteur weltweit. Zurzeit gibt es aber keine Anzeichen, dass die Proteste auch auf Saudi-Arabien übergreifen. Es ist also damit zu rechnen, dass sich mit der erhöhten Förderung der Opec-Länder der Ölmarkt etwas beruhigen wird.

Leon Leschus

Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut

leschus@hwwi-consult.com


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