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91. Jahrgang, 2011, Heft 7 · S. 437-438

Biogas: Bedeutung nicht überschätzen

Leon Leschus

Biogas ist ein erneuerbarer Energieträger, der einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Da es zudem speicherbar ist, eignet es sich zur Verstetigung fluktuierender regenerativer Energien. Außerdem hat Biogas den Vorteil, dass es grundsätzlich mit fossilem Erdgas kompatibel ist und über das öffentliche Erdgasnetz eingespeist werden kann. Da Gas nach dem Atomausstieg eine zunehmende Bedeutung übernehmen soll, kann Biogas die Energieabhängigkeit Deutschlands vom Ausland reduzieren. Die Bundesregierung hat daher beschlossen, die Menge an Biogas im deutschen Gasnetz bis zum Jahr 2020 auf 6 Mrd. m3 zu erhöhen. 2030 sollen es dann sogar schon 10 Mrd. m3 sein, was in etwa 12% des heutigen deutschen Gasverbrauchs entspricht.

In ihrem letzten Biogas-Monitoringbericht hat die Bundesnetzagentur jedoch bezweifelt, dass diese Einspeisungsziele ohne weiteres erreichbar sind. So wurden im vergangenen Jahr erst 270 Mio. m3 Biogas in das Gasversorgungsnetz eingespeist, was nur 4,5% des für 2020 angestrebten Einspeisungsziels entspricht. Für das laufende Jahr rechnet die Bundesnetzagentur mit 440 Mio. m3 Biogas. Als Grund für die nur langsam ansteigende Einspeisung nennt sie die hohen Kosten von Biogas. Während die Marktpreise für fossiles Erdgas, das zum größten Teil aus Russland, Norwegen und den Niederlanden nach Deutschland importiert wird, im Jahr 2010 bei durchschnittlich 2,07 Eurocent pro Kilowattstunde notierten, lag der Verkaufspreis von Biogas im Durchschnitt bis zu einem Vierfachen höher. Zwar ist davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit der Preis für Biogas durch den technischen Fortschritt weiter sinken und es daher auch wettbewerbsfähiger gegenüber fossilem Gas werden wird. Jedoch wird die Biomasseverfügbarkeit auf absehbare Zeit begrenzt bleiben, weil Biomasse für das Düngen der Felder benötigt wird. Ihrem Einsatz für die Energieerzeugung sind somit aufgrund der Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion Grenzen gesetzt. Ein großer Einsatz von Mais für die Produktion von Biogas könnte zudem zu großen Monokulturen führen. Biogas wird daher nur eine von mehreren Lösungen bei der zukünftigen Gasversorgung in Deutschland darstellen und auf absehbare Zeit nur einen Teil des fossilen Gases ersetzen können. Daran werden auch hochgesteckte Ziele der Bundesregierung nichts ändern. Um den Wettbewerb auf dem Gasmarkt sicherzustellen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit beim Gas zu erhöhen, sind verschiedene Bezugsquellen notwendig.

Neben Biogas könnte auch Schiefergas als unkonventionelle Quelle eine steigende Bedeutung auf dem deutschen Gasmarkt einnehmen. Im Schiefer ist Gas in kleinsten Poren und Bruchstellen eingeschlossen. Zuvor lohnte es sich nicht, diese Vorkommen zu erschließen. Doch mit dem technischen Fortschritt ist dies nun möglich. So kann die USA einen großen Teil ihres Gasverbrauchs mit Hilfe von Schiefergas decken. In Europa werden größere Vorkommen an Schiefergas in Polen und den Niederlanden vermutet. Gleichzeitig gilt es aber auch, die Bezugsquellen an fossilem Gas zu erweitern. So ist der Aufbau von neuen Gasleitungen wie der Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee oder einer Pipeline, die Gas aus Aserbaidschan, Turkmenistan sowie Nordirak nach Europa und Deutschland liefert, zu begrüßen. Dies heizt den Wettbewerb an, genauso wie der Import von verflüssigtem Erdgas (liquefied natural gas), das beispielsweise aus den arabischen Ländern kommen kann. Die Diversifizierung bei der Gasbeschaffung wird also wichtig sein. Über allem wird jedoch stehen, in welchem Maße es in Zukunft gelingt, den Energiebedarf durch einen effizienteren Energieeinsatz zu reduzieren. Die zunehmende Verwendung von Biogas kann letztlich nur ein Teil des neuen Energiekonzeptes der Bundesregierung sein. Seine Bedeutung sollte nicht überschätzt werden.

Leon Leschus

Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut

leschus@hwwi-consult.com


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