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92. Jahrgang, 2012, Heft 2 · S. 139-140

DOI: 10.1007/s10273-012-1341-z

Konjunkturschlaglicht

Regionale Entwicklung des Welthandels

Franziska Biermann

Der Welthandel hat - nach starkem Wachstum von über 12% im Jahr 2010 - auch in den ersten drei Quartalen 2011 weiter zugenommen. Allerdings hat die Dynamik merklich nachgelassen. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum stieg das Handelsvolumen um rund 7%, für das gesamte Jahr wird ein Zuwachs von etwas mehr als 6% erwartet. Die Ausfuhren der Schwellen- und Entwicklungsländer nahmen mit 9,0% deutlich schneller zu als die der Industrieländer (+5,5%).

Nominal (in US-Dollar) betrug der Anstieg der weltweiten Ausfuhren in den ersten neun Monaten 2011 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum 23,3% (vgl. Tabelle 1). Der Unterschied zwischen realen und nominalen Werten erklärt sich zum Teil aus Wechselkursänderungen des US-Dollars, der gegenüber dem Euro, dem Britischen Pfund, dem Chinesischen Renminbi oder dem Japanischen Yen zwischen 5% und 10% abwertete. Zudem sind die Preise, insbesondere die für Rohstoffe, die sich in US-Dollar gemessen um 34% erhöhten, kräftig gestiegen.

Für einzelne Länder liegen unterjährige Daten lediglich auf nominaler Basis vor. Ein weit überdurchschnittliches Wachstum erreichten die Ausfuhren der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) mit 37,4% sowie die von Süd- und Zentralamerika mit 31,8%. Hier dürften die Rohstoffpreise mitverantwortlich für die starken Exportanstiege gewesen sein. Die chinesischen Exporte wuchsen um knapp 23%, die japanischen, trotz des Rückgangs im Gefolge der Natur- und Atomkatastrophe im 1. Halbjahr, um 9,1%. In den USA stiegen die Ausfuhren bis September 2011 um 17,8%.

In Europa ergibt sich ein sehr differenziertes Bild. Während in den ersten beiden Quartalen 2011 sowohl Aus- als auch Einfuhren um knapp 23% zunahmen, beide waren im 3. Quartal für die Mehrzahl der europäischen Länder rückläufig. Dies war insbesondere im Intra-EU-Handel zu beobachten, was auch an der Eintrübung der Konjunktur wegen der Verschärfung der Schuldenkrise lag. Griechenland, das in den ersten neun Monaten 2010 einen Rückgang der Exporte verzeichnet hatte, konnte 2011 die Ausfuhren wieder um 53,0% steigern. In den Krisenländern Italien, Spanien und Portugal legten die Exporte dagegen nur durchschnittlich zu. Die Importe, die EU-weit um 21,3% zulegten, gingen in Griechenland weiter zurück. Auch in Spanien und Portugal legten die Exporte stärker zu als die Importe, was zumindest zu einer leichten Verringerung der Handelsungleichgewichte beigetragen hat. In Italien hingegen lagen die Wachstumsraten der Importe weiterhin über denen der Exporte.

Europa hatte in den ersten drei Quartalen 2011 mit 37,0% den höchsten Anteil an den weltweiten Exporten, gefolgt von Asien (33,0%, ohne Nahost), Nordamerika (12,5%), Nahost und Afrika (9,5%), der GUS (4,0%) und Südamerika (4,0%). Alle Regionen konnten ihre Ausfuhren seit dem Krisenjahr 2009 deutlich steigern, lediglich Asien hat bereits das Vorkrisenniveau wieder überschritten und so seinen Anteil am Welthandel stark ausgebaut. Weltgrößter Exporteur vor Deutschland und den USA ist inzwischen China, während bei den Importen die USA noch vor China und Deutschland liegen.

Intensive Handelsverflechtungen bestehen insbesondere zwischen den Industrie- und den Schwellenländern Nordamerikas, Europas und Asiens (vgl. Tabelle 2). Hier findet vor allem intra-sektoraler Handel statt, wie etwa bei Maschinen und Transportausrüstung. Asien exportiert zudem in großem Umfang Büro- und Telekommunikationsausrüstung. Weitere wichtige Handelsbeziehungen bestehen im Energie- und Rohstoffbereich zwischen der GUS und Europa sowie dem Nahen Osten und Asien. Bemerkenswert ist das hohe Gewicht des inner-europäischen Handels. Dieser ist zwar seit 2008 leicht zurückgegangen, beträgt aber immer noch 71% des gesamten europäischen Handels. Das bedeutet für die europäischen und damit auch für die deutschen Ausfuhren, dass sie stark von der konjunkturellen Entwicklung Europas abhängig sind. Die rezessiven Tendenzen in den Problemländern der Eurozone werden daher über gegenseitige Verflechtungen auch spürbare Auswirkungen auf andere europäische Länder haben. Aus den USA und China sind ebenfalls weniger kräftige Nachfrageimpulse zu erwarten, da sich auch dort das Wirtschaftswachstum abgeschwächt hat. Parallel zur Wirtschaftsleistung wird der Welthandel daher 2012 langsamer wachsen als in den beiden Vorjahren.

Franziska Biermann

biermann@hwwi.org

Tabelle 1 (zurück zum Text)
Wachstumsraten des Welthandels

nominal, Basiswerte in US-$

2010

1. bis 3. Quartal 2011

Exporte Importe Exporte Importe
Welt 21,9 - 23,3 -
USA 21,0 22,7 17,8 16,2
Europa 12,1 13,3 21,8 22,0
GUS 30,8 25,4 37,4 35,6
Afrika1 31,0 17,4 31,4 23,7
Nahost1 24,7 17,8 30,8 9,5
Süd- und Zentralamerika 25,2 31,2 31,8 25,9
Asien 30,5 31,8 21,1 24,5
China 31,3 38,8 22,7 26,7
Japan 32,6 25,7 9,1 24,3

1 Ausgewählte Länder.

Quellen: World Trade Organization: Quarterly World Merchandise Trade, 2011.

Tabelle 2 (zurück zum Text)
Führende Im- und Exporteure nach Gütergruppen

2010, in Mrd. US-$

Land Exporte Land Importe

Landwirtschaftliche Produkte

USA 143 USA 116
Niederlande 94 China 108
Deutschland 81 Deutschland 102
Brasilien 69 Japan 77
Frankreich 68 Niederlande 61

Brennstoffe und Bergbauerzeugnisse

Russland 282 USA 408
Saudi-Arabien 210 China 373
Australien 130 Japan 255
USA 128 Deutschland 175
Kanada 121 Südkorea 157

Industriegüter

China 1477 USA 1369
Deutschland 1091 China 894
USA 944 Deutschland 768
Japan 680 Frankreich 444
Südkorea 412 Großbritannien 407

Quellen: World Trade Organization: Time Series on International Trade, 2011.


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