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92. Jahrgang, 2012, Heft 4 · S. 216

Stromspeicherung : Gesetzliche Regelungen notwendig

Markus Groth

Die Bundesregierung plant, noch in diesem Jahr ein Gesetz zur Stromspeicherung vorzulegen. Erneuerbare Energien haben 2011 in Deutschland erstmals einen Anteil von 20% an der Stromerzeugung erreicht. Für die Zukunft der Energieversorgung kommt es durch die geplante Erhöhung des Anteils auf 80% bis 2050 und der damit vermehrten Fluktuation der Einspeisung zu einer erheblichen Steigerung des Bedarfs an Stromspeichern. Derzeit übernehmen überwiegend fossile Kraftwerke diese ausgleichende Funktion zwischen Produktion und Konsum.

Insgesamt reichen die aktuellen Förderanreize z.B. im Rahmen des EEG noch nicht aus, damit Stromspeicher sich rechnen. Dies liegt auch daran, dass auftretende Speicherverluste nicht ausgeglichen werden und somit die Betreiber von Speichern diese Einbußen tragen müssen. Neue zusätzliche Förderinstrumente - mindestens zur Kompensation der Speicherverluste - sind also notwendig. Derzeit bietet die Nutzung von Pumpspeichern grundsätzlich die technisch und wirtschaftlich besten Möglichkeiten. Sie sind jedoch nur für den Ausgleich von Tageslasten einzusetzen. Zudem könnten Pumpspeicherkraftwerke aufgrund der spezifischen geographischen Bedingungen in Deutschland nur regional begrenzt zum Einsatz kommen, und ihr Neubau ist in der Regel mit erheblichen Eingriffen in die Umwelt verbunden. Ein großes Potenzial haben Druckluftspeicherkraftwerke. Die hierfür notwendigen unterirdischen Kavernen stehen jedoch nur im Norden und Nordwesten Deutschlands zur Verfügung. Zur Deckung der Sekundenreserve sowie für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung hingegen müsste auf Akkumulatoren, supraleitende magnetische Energiespeicher, elektrochemische Kondensatoren oder Schwungräder zurückgegriffen werden. Schon an dieser Stelle wird deutlich, dass ein Gesetz zur Förderung von Stromspeichern differenzierte ökonomische Anreize setzen sollte, um eine intelligente und wirtschaftliche Kombination zentraler und dezentraler Speicher - konzeptionell abgestimmt mit dem Ausbau der Netzinfrastruktur - zu erreichen. Neben der Nutzung großer Energiespeicher wie Pumpspeicherwerke werden verstärkt auch kleinere Speicher wie Batteriespeicher in Elektroautos notwendig. Auch das Gasnetz könnte als Speicher dienen.

Bei der Anreizsetzung zum notwendigen Infrastrukturausbau für erneuerbare Energien sollten zudem Aspekte der zukünftigen Verletzlichkeit des Energiesystems bzw. der Energieinfrastruktur gegenüber dem Klimawandel berücksichtigt werden. In der aktuellen energiepolitischen Diskussion wird dies bislang vernachlässigt. Doch der fortschreitende Klimawandel kann die Ausgestaltung der Energieinfrastruktur für die kommenden Jahrzehnte - beispielsweise durch steigende Luft- und Wassertemperaturen oder das häufigere Auftreten von starken Niederschlägen, zunehmenden Stürmen, starken Gewittern, Hitze- und Trockenperioden oder auch zunehmenden Schnee- und Eislasten - vor große und teils neue Anforderungen stellen. Für eine frühzeitige verbindliche Planungsgrundlage wäre es zu begrüßen, wenn bald ein Entwurf für ein Gesetz zur Stromspeicherung vorgelegt würde. Ein derartiges "Stromspeicherausbaugesetz" könnte sich konzeptionell zunächst am Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) orientieren, das zum Kernstück des Gesetzes zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze geworden ist. Gerade beim Thema Energiespeichern zeigt sich, dass das Energiekonzept vom September 2010 mittlerweile in einigen Bereichen - gemessen an den aktuellen energiepolitischen Entwicklungen im Rahmen der "Energiewende" - geradezu antiquiert wirkt und aktualisiert werden sollte. Die Frage des Ausbaus von Speicherkapazitäten wird dort auf noch nicht einmal einer Seite behandelt und erst als langfristig wichtig und geboten angesehen.

Markus Groth

Climate Service Center (CSC) am Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Markus.Groth@hzg.de


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