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93. Jahrgang, 2013, Heft 10 · S. 658

Energiewende: Quotenmodell keine Verbesserung

Joachim Weimann

Die Diskussion über die Energie- und Klimapolitik wird gegenwärtig von dem Generalthema "Rettet die Energiewende" beherrscht. So sorgt sich der Sachverständigenrat – genau wie die Monopolkommission – darum, dass die Energiekosten dank der EEG-Förderung vollständig aus dem Ruder laufen könnten und damit die Akzeptanz der Energiewende Schaden nimmt. Sie schlagen deshalb ein Quotenmodell vor, bei dem die Energieunternehmen dazu verpflichtet werden, eine bestimmte Quote erneuerbarer Energien einzuspeisen, ohne dass dabei festgelegt wird, welche Energietechnik zum Einsatz kommt. Die Erwartung ist, dass es dann zu einem Wettbewerb unter den erneuerbaren Energieträgern kommt, der dafür sorgt, dass der Strom aus erneuerbarer Energie mit der kostengünstigsten Technik bereitgestellt wird. Auf den ersten Blick hat dieses Modell gegenüber dem EEG den großen Vorteil, die gröbsten Ineffizienzen beim Ausbau der Erneuerbaren zu vermeiden. Das Quotenmodell würde z.B. den weiteren Ausbau der Solarenergie zum Erliegen bringen, weil Sonnenstrom gegenüber Windstrom nicht wettbewerbsfähig ist.

Aber kommt es durch die Quote tatsächlich zu einem Effizienzgewinn? Es wäre zunächst zu klären, welche Quote angestrebt werden soll. Konsequent wäre natürlich die, die im Energiekonzept der Bundesregierung für die Erneuerbaren vorgesehen ist, d.h. ein Anteil von 35% bis 2020 und 80% bis 2050. Dann wäre auch mit dem Quotenmodell ein exzessiver Ausbau der Erneuerbaren notwendig, um den beschlossenen Fahrplan der Energiewende einzuhalten. Es bliebe auch dabei, dass CO2-Einsparungen praktisch ausschließlich durch den Einsatz erneuerbarer Energien bewerkstelligt werden. Damit blieben Effizienzgewinne, die dadurch möglich sind, dass man andere technische Möglichkeiten einsetzt, Einsparungen in anderen Sektoren oder Regionen vornimmt, weiterhin ungenutzt. Aber damit nicht genug. Wie würde der Ausbau der Erneuerbaren unter den Bedingungen eines Quotenmodells aussehen? Angesichts der Kostenstruktur bei den erneuerbaren Energien ist klar, dass sich der Onshore-Windstrom gegen alle anderen Formen durchsetzen würde. Unter den Bedingungen eines Quotenmodells wird sich der Zuwachs bei den Anlagekapazitäten vollständig auf die landgestützte Windkraft konzentrieren. Damit würden die Flächen und Landschaften, die für die Bebauung mit Windkraftanlagen freigegeben werden, massiv ausgedehnt. Dies hätte einen enormen Anstieg der externen Kosten zur Folge. Es wären Eingriffe in gewachsene Kulturlandschaften erforderlich, die zu ihrer nachhaltigen Zerstörung führen könnten. Bereits jetzt, unter den Bedingungen des EEG, sind die Anreize zum Ausbau der Windkraft erheblich. Um weitere Flächen zu erschließen, wird erwogen, auch in Wäldern Windkraftanlagen aufzustellen. Da moderne Anlagen über 200 m Höhe aufweisen, kann man sich leicht vorstellen, was die Verwirklichung solcher Pläne für die Landschaft bedeutet.

Das Quotenmodell vernachlässigt die externen Kosten der Erneuerbaren vollständig. Deshalb liefert es auch keine Gewähr dafür, dass tatsächlich die effizienteste Technologie zum Einsatz kommt. Gerade die externen Effekte, die mit Windkraftanlagen verbunden sind, lassen sich schlecht quantifizieren. Einschränkungen ästhetischer Werte sind zweifelsfrei Kosten, aber wie hoch diese sind, das ist private Information derer, deren Landschaft mit Windkraftanlagen zugebaut wird. Es ist bekannt, dass es keine Mechanismen gibt, die es erlauben, diese private Information unverzerrt zu erfassen. Dennoch dürfte außer Frage stehen, dass die massiven Landschaftseingriffe, die mit der Windkraft schon jetzt verbunden sind, erhebliche Kosten verursachen. Das Quotenmodell führt nicht notwendig zu einem Effizienzgewinn, aber ganz sicher zu einer Verschiebung der Kostenbestandteile: die pekuniären Kosten der Erneuerbaren werden sinken (die Subventionslast geht zurück), aber die sozialen Kosten der Erneuerbaren werden massiv steigen.

Anstatt für das Quotenmodell zu kämpfen, um "das Schlimmste zu verhindern", wäre es besser, konsequent gegen die weitere Fortsetzung der Energiewende und den vollkommen sinnlosen Ausbau der Erneuerbaren Energien einzutreten. Das spart pekuniäre und soziale Kosten, ohne dass es auf der anderen Seite zu Wohlfahrtsverlusten kommt. Die Energieversorgung lässt sich langfristig auch ohne Erneuerbare und ohne Atomstrom zu günstigeren Konditionen sichern, als sie die Erneuerbaren bieten, und die Klimaziele lassen sich durch einen konsequent ausgebauten Emissionshandel ebenfalls zu deutlich niedrigeren Kosten sicherstellen, als sie die Energiewende mit sich bringt.

Joachim Weimann

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Joachim.Weimann
@ovgu.de


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