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93. Jahrgang, 2013, Heft 10 · S. 657-658

Vodafone/Kabel Deutschland: Übernahme mittelfristig kritisch

Ulrich Heimeshoff

Am 20.9.2013 stimmte nach dem Bundeskartellamt auch die Europäische Kommission der Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone ohne Auflagen zu. Wesentliche Wettbewerbsprobleme werden sowohl vom Kartellamt als auch von der Kommission nicht gesehen. Dies wird damit begründet, dass Vodafone primär im Mobilfunk und damit in einem anderen Markt als Kabel Deutschland tätig ist. In den Medien wird die Übernahme überwiegend positiv gesehen, da der Deutschen Telekom ein starker Konkurrent im Festnetz entstehen könnte. Daraus wird stärkerer Wettbewerbsdruck im Festnetz sowie im Bereich von Internet-TV-Angeboten erwartet.

Der Marktanteil des neuen Unternehmens im Markt für Festnetzanschlüsse liegt deutlich unter problematischen Schwellen und ist somit aus wettbewerbsökonomischer Sicht als unproblematisch einzustufen. Allerdings werden Übernahmen üblicherweise mit Effizienzgewinnen begründet von denen eine Volkswirtschaft profitiert. Dies ist im vorliegenden Fall sicherlich auch möglich, aber dadurch dass Vodafones bisherige Festnetzaktivitäten nicht auf Kabelnetzen beruhten, unklar und sicherlich von der künftigen Unternehmensstrategie abhängig.

Darüber hinaus ging in den letzten Jahren der Preisdruck im Festnetz oftmals von den Kabelnetzbetreibern aus. Diese waren in der Lage, auch aufgrund unterschiedlicher regulatorischer Bedingungen, die Preise der klassischen Festnetzkonkurrenz zu unterbieten. Wie sich die jetzige Übernahme auf diesen Preisdruck auswirken wird, ist zunächst ungewiss, jedoch können negative Effekte nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Neben diesen Aspekten kommt in Bezug auf die künftige Entwicklung von Telekommunikationsmärkten eine weitere Entwicklung ins Spiel. Marktstudien bestätigen, dass die Substitution zwischen Festnetz und Mobilfunk in den letzten Jahren an Stärke zugenommen hat und folglich für die Beurteilung des Wettbewerbsgeschehens wichtiger wird. Für Österreich ergaben neuere Studien, dass im Bereich der Festnetz- und Mobilfunknutzung inzwischen hinreichende Evidenz für einen gemeinsamen Markt vorliegt. Zwar ist im Bereich des Anschlusses diese Integration in absehbarer Zeit noch nicht zu erwarten, allerdings werden zukünftig diese Märkte sich mehr und mehr integrieren. Aus gegenwärtiger Perspektive sind zunächst keine gewichtigen Gründe gegen die Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone vorhanden. Die Übernahme ist allerdings vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung der Telekommunikationsmärkte sowie daraus in absehbarer Zukunft resultierenden neuen Marktabgrenzungen deutlich kritischer zu sehen.

Ulrich Heimeshoff

Universität Düsseldorf

Ulrich.Heimeshoff@uni-duesseldorf.de


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