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93. Jahrgang, 2013, Heft 11 · S. 799-800

Konjunkturschlaglicht

Angebot und Konjunktur bestimmen Rohstoffpreise

Leon Leschus

Die Weltmarktpreise für Rohstoffe sind im 2. Quartal 2013 um 6% zurückgegangen, machten dann aber im 3. Quartal ihre Verluste wieder gut und erreichten knapp den Stand vom 1. Quartal. Zunächst löste die schwächer als erwartete Weltkonjunktur wie auch ein erhöhtes Angebot bei vielen Rohstoffen Preissenkungen aus. Der Index für Nahrungs- und Genussmittel sank das 4. Quartal in Folge und ging in diesem Zeitraum um insgesamt 22% zurück. Die Getreidepreise sanken mit 33% besonders stark. Die Industrierohstoffe verbilligten sich im 2. Quartal und ihre Preise entwickelten sich sehr heterogen im 3. Quartal; wobei der Index für Industrierohstoffe weitestgehend konstant blieb. Die Energiepreise hingegen fluktuierten in den letzten Monaten sehr stark. Während der HWWI-Index für Energierohstoffe im 2. Quartal um 6% sank, nahm er im 3. Quartal um 8% zu. Der Anstieg beruhte auf guten Wirtschaftsdaten aus den USA und China, die zu der Erwartung einer steigenden Ölnachfrage führten. Gleichzeitig verstärkten sich geopolitische Spannungen rund um den Syrienkonflikt und damit die Sorgen um die Ölversorgung.

Seit 2011 schwanken die Rohölpreise stark um die Marke von 110 US-$ pro Barrel; dabei lagen die Monatsdurchschnitte der Ölsorte Brent zwischen 95 und 120 US-$. Geopolitische Risiken und Produktionsunterbrechungen in Ägypten, Irak, Iran, Libyen, Nigeria und Syrien setzten die Ölpreise unter Aufwärtsdruck. Gleichzeitig wurde der Preissteigerungsdruck durch eine zunehmende Produktion an Schieferöl und Ölsanden in den USA und Kanada abgeschwächt. Dies trug dazu bei, dass der internationale Ölmarkt gut versorgt war. Wenn die zuvor angesprochenen Länderrisiken nicht eintreten und begrenzt bleiben, könnte der Ölpreis in den nächsten Jahren bis auf 100 US-$ pro Barrel sinken.

Ein längerfristiges Absinken des Brentölpreises unter 100 US-$ ist dagegen eher unwahrscheinlich, da Saudi Arabien als größter Ölproduzent in der OPEC dies mit Hilfe seiner strategischen Ölförderpolitik aller Voraussicht nach verhindern dürfte. Ein stark sinkender Ölpreis würde zudem die Förderung unkonventioneller Öle unrentabel machen. Für 2014 rechnet die Internationale Energieagentur mit einer zunehmenden Ölproduktion außerhalb der OPEC von ca. 1,7 Mio. Barrel pro Tag, was in etwa 2% der weltweiten Ölnachfrage im nächsten Jahr entspricht. Hauptsächlich würde dieser Produktionsanstieg durch eine vermehrte Förderung von Schieferöl sowie Ölsanden und somit aus "unkonventionellem" Öl erreicht werden. Kalkulationen gehen davon aus, dass die US-amerikanische Ölexplorations- und Ölförderungsindustrie einen Ölpreis der Sorte WTI in Höhe von 85 bis 90 US-$ benötigt, um rentabel zu sein.

In den letzten Monaten blieben die Preise für NE-Metalle unter ihrem Stand von Anfang 2013. Etwas Auftrieb erhielten die Preise im Verlauf des Monats August, als sich die weltweite Konjunkturstimmung verbesserte; besonders in den großen Volkswirtschaften. Zudem wirkte die weiterhin sehr expansive Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank auf den Metallmärkten preissteigernd. Für die meisten Metallmärkte wird für 2013 ein Angebotsüberschuss erwartet, da die Nachfrage in diesem Jahr schwächer ausfiel als zuvor angenommen und zugleich die Minenproduktion stark angestiegen ist. Vergangene Preishochstände Mitte 2008 aber auch 2010/2011 hatten bei der Mehrzahl von Metallen die Investitionen in neue Kapazitäten oder Minenerweiterungen erhöht. Mit einer Zeitverschiebung von etwa drei bis fünf Jahren kommen nun die zusätzlichen Metallmengen auf den Markt. Zinn stellt hier eine Ausnahme dar, weil Indonesien seine Zinnausfuhren mit dem Ziel begrenzte, stärker an den Gewinnen bei der Weiterverarbeitung des NE-Metalls zu verdienen. Für 2014 könnten sich die Metallpreise im Zuge einer stärkeren Industrienachfrage aus China und den USA weiter von den Tiefständen im Juni/Juli 2013 erholen.

Die Preise auf den internationalen Getreidemärkten sind in den letzten Monaten stark gefallen. Durch gute Ernten drehten die Märkte von einem Defizit in einen Überschuss. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Märkte wesentlich bezüglich ihrer Lagerbestände, was sich in den Preisen widerspiegelt. Bei Weizen haben Lagerbestände im letzten Jahr dazu geführt, Preisanstiege zu begrenzen. In diesem Jahr wird bei Weizen nur mit einem leichten Angebotsüberschuss gerechnet. Die Maispreise sind im Sommer letzten Jahres sehr stark gestiegen, da es in den USA, wo weltweit am meisten Mais angebaut wird, zu großen Ernteausfällen kam. In diesem Jahr haben sich die US-Ernten merklich erholt mit der Folge stark fallender Preise. Diese Preisnachlässe dürften aber durch historisch gesehen niedrige Maislagerbestände begrenzt werden. Die Preise für tropische Getränke sind in den letzten beiden Monaten gefallen, was hauptsächlich auf die sinkenden Kaffeepreise zurückzuführen ist. Rekordernten in Brasilien drückten kräftig den Preis. Kakao verteuerte sich dagegen, weil schlechte Ernten in Westafrika befürchtet wurden, wo etwa 70% des weltweiten Kakaos angebaut wird.

Leon Leschus

leschus@hwwi.org

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 2005 bis 2015

Quartalswerte, 2010 = 100

32139.png

1 HWWI-Index auf US-$-Basis. Ab 4. Quartal 2013 Prognose.

Quelle: AIECE, Rohstoffgruppe, Oktober 2013.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 Januar 2012 bis Oktober 2013

Tageswerte, 2.1.2012 = 100

32247.png

1 HWWI-Index auf US-$-Basis.

Quelle: HWWI.


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