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93. Jahrgang, 2013, Heft 2 · S. 135-136

Konjunkturschlaglicht

Bessere Konjunktur: steigende Rohstoffpreise

Leon Leschus

In den letzten Monaten sind die Preise für Rohstoffe – vor allem aufgrund des verbesserten Ausblicks für die weltweite Konjunktur – angestiegen. In China beschleunigt sich das Wirtschaftswachstum, nachdem die chinesische Regierung im Sommer 2012 beschlossen hat, die heimische Wirtschaft mithilfe von Infrastrukturprojekten zu unterstützen. Von dieser Maßnahme profitierten besonders die Metallpreise, da China der weltweite Hauptnachfrager von Metallen ist. In Europa bekräftigte die EZB und vor allem in den USA die Fed, dass sie mit einer lockeren Geldpolitik die Konjunktur weiter unterstützen werden. Ende Januar 2013 wurden gute Arbeitsmarktdaten in den USA veröffentlicht. Das nährte die Hoffnung, dass mehr Beschäftigte Elektronikprodukte kaufen, in die Metalle bei der Produktion eingehen. Jedoch gibt es weiterhin Risiken für die Weltkonjunktur, die auch die Rohstoffnachfrage global beeinträchtigen können. In den USA wird noch mit der hohen Staatsverschuldung gerungen und in Europa gilt es abzuwarten, wie die stark verschuldeten Länder im Süden ihre Reformen weiter vorantreiben. Würden die Risiken eintreten, hätte dies eine stark dämpfende Wirkung auf die Rohstoffpreise.

Die Metallpreise reagieren sehr sensibel auf die Entwicklung der Weltkonjunktur, da sie für die Bautätigkeit und die Produktion sowohl von Industrie- als auch von Konsumprodukten verwendet werden. Mit der Eintrübung der Weltkonjunktur sanken von Ende Februar bis August 2012 der Index für NE-Metalle um 19% und der für Eisenerz/Stahlschrott um gut 18%. Der Gesamtindex für Industrierohstoffe reduzierte sich in diesem Zeitraum um insgesamt 17% (vgl. Abbildung 2). Nach Erreichen des Tiefpunktes setzte eine Erholung ein, die nur durch eine Delle Ende Oktober/Anfang November unterbrochen wurde. Einzelne Metalle verteuerten sich seit September zum Teil kräftig. Neben Eisenerz (+72%), das besonders für die Stahlproduktion eingesetzt wird, erhöhten sich auch die Preise für Zinn (+28,6%), Blei (+22,4%), Aluminium (+7,5%) und Kupfer (+7,4%). Bei einzelnen Metallen wurden jedoch die Preisanstiege durch gute Angebotsbedingungen gedämpft. Einzelne Minenbetreiber sahen sich sogar gezwungen ihre Produktion zurückzufahren, weil sich vor dem Hintergrund gestiegener Kosten, insbesondere für Energie, der Abbau nicht lohnte.

Neben den Metallen ist auch der Ölpreis sehr stark von der Entwicklung der globalen Konjunktur abhängig. Seit dem Preiseinbruch im Juni 2012 verteuerte sich Öl der Sorte Brent um gute 32% und notierte Anfang Februar bei über 117 US-$ pro Barrel. Die internationale Energieagentur setzte ihre prognostizierte Ölnachfrage für das Jahr 2013 auf 90,8 Mio. Barrel pro Tag nach oben. Eine erhöhte Ölnachfrage dürfte sich preissteigernd auf den Ölpreis auswirken. Für die Öl exportierenden Ländern (OPEC) stellt sich bei ansteigenden Preisen immer die Frage, bis zu welchem Preisniveau dieser Anstieg für die Weltwirtschaft zu verkraften ist und ab wann der Preis eine schädigende Wirkung entfaltet. Ein zu hoher Ölpreis belastet die Weltkonjunktur und zugleich bietet er den Industrieländern verstärkt den Anreiz, mehr in nicht konventionelle Ölvorkommen zu investieren und die Forschung zu alternativen Energiequellen weiter zu intensivieren.

Bei den Nahrungsmitteln gab es im Sommer 2012 kräftige Preisanstiege, als in den USA eine außergewöhnliche Trockenheit große Teile der Mais- und Sojaernte zerstörte. Aber auch Ernteausfälle bei Weizen in Russland und in der Ukraine trugen zum Anstieg des Index für Nahrungsmittel bei. So erhöhte sich dieser von Juni bis Ende Juli 2012 um gut 26% und überschritt sogar seinen Stand vom Sommer 2008 (vgl. Abbildung 1), als es zu einer Nahrungskrise in vielen Entwicklungsländern kam. Seit September 2012 ist der Index für Nahrungsmittel wieder um 16,3% zurückgegangen (vgl. Abbildung 2). Bei den Sojabohnen senkte die Hoffnung auf eine sehr gute Ernte in Südamerika die Preise. Während der Sojabohnenpreis um 20,8% nachgab, sank der Preis für Mais um 16,2% und der für Weizen um 13,8%. Hohe Agrarpreise geben den Bauern einen Anreiz, ihre Anbauflächen weiter auszudehnen. Auf diesem Weg werden aus hohen Preisen wieder sinkende Preise. Zurzeit folgen aus den niedrigen Lagerbeständen bei Getreide, besonders bei Mais, immer wieder Preissteigerungen, wenn Nachrichten über schlechtere Ernteaussichten in wichtigen Anbauregionen veröffentlicht werden. So erhöhte sich der Sojabohnenpreis von Mitte bis Ende Januar 2013 aufgrund schlechterer Ernteaussichten um 7,6%. Niedrige Lagerbestände machen die Agrarmärkte fragil, da Ernteausfälle nicht mithilfe von Vorräten ausgeglichen werden können.

Leon Leschus

leschus@hwwi.org

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 2005 bis 2014

Quartalswerte 2010 = 100

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1 HWWI-Index auf US-Dollar-Basis. Ab 1. Quartal 2013 Prognose.

Quelle: AIECE-Rohstoffgruppe, Oktober 2012.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Rohstoffpreise1 Januar 2011 bis Januar 2013

Tageswerte, 3. Januar 2011 = 100

31192.png

1 HWWI-Index auf US-Dollar-Basis.

Quelle: HWWI.


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