Ein Service der

Inhalt

93. Jahrgang, 2013, Heft 3 · S. 207-208

Konjunkturschlaglicht

Chancen für einen Aufschwung in Deutschland

Jörg Hinze

Nach konjunktureller Abschwächung im Laufe von 2012 ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal spürbar gesunken. Die deutsche Wirtschaft ist damit mit einem negativen Überhang von 0,3% ins Jahr 2013 gestartet. Hauptgrund für den Abschwung war die sich ausbreitende Rezession im Euroraum, der sich auch die deutsche Wirtschaft nicht entziehen konnte. Die Exporte gingen im Jahresschlussquartal, vor allem wegen des Nachfrageeinbruchs aus dem Euroraum, entsprechend stark zurück. Das dämpfte auch weiterhin die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Trotz der Konjunkturschwäche wurde die Beschäftigung sogar noch ausgeweitet. Bei zugleich stärker als die Inflation steigenden Löhnen haben die privaten Konsumenten ihre Nachfrage noch leicht erhöht. Da die Unternehmen wie schon in der vergangenen Finanz- und Wirtschaftkrise bestrebt sind, ihre Beschäftigung aufrechtzuerhalten, und die Löhne real zunehmen, bleibt der private Konsum weiterhin ein stabilisierendes Element. Zuletzt haben überdies die Auftragseingänge aus dem Ausland, auch aus der Eurozone, sowie wichtige Frühindikatoren wieder angezogen. Auch scheint die Konjunktur in anderen Regionen der Welt wieder etwas an Dynamik zugelegt zu haben. Das alles spricht dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft zu Beginn dieses Jahres wieder stabilisiert und die Abwärtsentwicklung nicht weiter fortgesetzt hat.

Die Eurokrise ist trotz gewisser Beruhigung nicht überwunden. Die Finanzpolitik hat in vielen Mitgliedsländern noch einiges zu tun, in einigen Ländern hat sich das Reformtempo wieder verlangsamt. Die EZB hat aber durch ihre Geldpolitik zunächst die Risiken hinsichtlich der Eurokrise verringert. Die Bankenkrise in Zypern oder die nach der Wahl in Italien instabile politische Lage könnten die Krise aber wieder neu beleben. In den USA hatte Obama zwar noch vor Kurzem angekündigt, dass die notwendige Konsolidierung zunächst hinter einer Besserung des Arbeitsmarkts zurückstehen soll, doch die nach den gescheiterten Etatverhandlungen automatischen Ausgabenkürzungen dämpfen die Konjunktur dort.

Die Rezession im Euroraum dürfte zunächst noch andauern, aber auch hier zeichnet sich ein Nachlassen der kontraktiven Einflüsse ab. Zudem haben die Überseeregionen, in denen sich die Konjunktur insgesamt wieder gefestigt hat, inzwischen größeres Gewicht an der Auslandsnachfrage, so dass im Laufe dieses Jahres von außen insgesamt wieder positive Impulse kommen dürften. Das wird auch die Binnennachfrage stützen. Die Unternehmen dürften ihre Investitionszurückhaltung allmählich aufgeben und damit beginnen, die Beschäftigung in der zweiten Jahreshälfte wieder aufzustocken. Das und merkliche Tariflohnerhöhungen stützen die Kaufkraft der privaten Haushalte. Die große Nachfrage nach Immobilien lässt eine Fortsetzung der regen Wohnungsbautätigkeit erwarten. Sicherlich darf von alledem angesichts des nach wie vor schwachen konjunkturellen Umfelds im Euroraum kein rasanter Aufschwung, aber doch eine moderate Erholung erwartet werden.

Alles in allem überwiegt für 2013 die Hoffnung auf eine Besserung der Konjunktur in Deutschland. Stabilisiert sich im Jahresverlauf auch die Wirtschaft im Euroraum dürfte die deutsche Konjunktur allmählich an Tempo gewinnen. Im Durchschnitt von 2013 wird das Wirtschaftswachstum wegen des gedrückten Jahresanfangsniveaus aber mit 0,5% etwas geringer als 2012 (0,7%) sein. Die Arbeitslosigkeit wird sich in der zweiten Jahreshälfte dann wieder verringern, im Jahresdurchschnitt mit 2,9 Mio. Personen etwa so hoch wie im Vorjahr sein. Inflationsrisiken bestehen bei dieser Konjunkturentwicklung nicht; der Verbraucherpreisanstieg dürfte unter der 2-Prozentmarke liegen. Wird die beschriebene Entwicklung der Wirtschaft nicht durch ein Wiederaufflackern der Eurokrise oder durch eine durch die Haushaltsprobleme in den USA ausgelöste Rezession gestört, könnte sich die konjunkturelle Aufwärtsbewegung in Deutschland im nächsten Jahr fortsetzen; dann wäre 2014 ein Wirtschaftswachstum zwischen 1½% und 2% möglich. Zunehmende Anspannungen auf dem Arbeitsmarkt könnten dann bei Löhnen und Preisen den Druck verstärken.

Jörg Hinze

hinze@hwwi.org

Tabelle 1 (zurück zum Text)
Eckdaten für Deutschland

Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

2011 2012 2013 2014
Bruttoinlandsprodukt1

3,0

0,7

0,5

1,7
Private Konsumausgaben

1,7

0,6

0,7

1,1
Staatliche Konsumausgaben

1,0

1,4

1,2

1,0
Anlageinvestitionen

6,2

-2,5

-0,2

2,7
Ausrüstungen

7,0

-4,8

-1,7

5,3
Bauten

5,8

-1,5

0,5

0,3
Sonstige Anlagen

3,9

3,1

3,3

5,0
Inlandsnachfrage

2,6

-0,4

0,7

1,6
Ausfuhr

7,8

3,7

2,8

6,4
Einfuhr

7,4

1,8

3,5

6,6
Arbeitsmarkt

Erwerbstätige

1,4

1,1

0,4

0,5
Arbeitslose (in Mio.)

2,98

2,90

2,89

2,70
Arbeitslosenquote2 (in %)

6,7

6,5

6,5

6,1
Verbraucherpreise

2,1

2,0

1,6

2,2
Finanzierungssaldo des Staates (in % des BIP)

-0,8

0,2

0,0

0,4
Leistungsbilanzsaldo3
(in % des BIP)

5,7

6,3

6,0

5,9

1 Preisbereinigt.
2 Arbeitslose in % der inländischen Erwerbspersonen (Wohnortkonzept).
3 In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank; Bundesagentur für Arbeit; ab 2013: Prognose des HWWI.

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Preisbereinigtes BIP in Deutschland

Saison- und arbeitstäglich bereinigt mit Census-Verfahren X-12-Arima

31411.png

1 Veränderung gegenüber dem Vorquartal in %, auf Jahresrate hochgerechnet, rechte Skala.
2
Zahlenangaben: Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %.

Quellen: Statistisches Bundesamt; ab 2013 Prognose des HWWI.


Kommentare zu diesem Artikel

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Ihr Kommentar

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.
Die Redaktion behält sich vor Beiträge, die diffamierende Äußerungen enthalten oder sich eines unangemessenen Sprachstils bedienen, nicht zu veröffentlichen.

SPAM-Schutz * Welcher Buchstabe fehlt im folgenden Wort?