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93. Jahrgang, 2013, Heft 6 · S. 423-424

Konjunkturschlaglicht

Wiederbelebung der deutschen Konjunktur

Anja Rossen

Nach dem spürbaren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts gegen Ende vergangenen Jahres, hat sich die deutsche Wirtschaft in den ersten Monaten dieses Jahres trotz durch den strengen Winter verursachten Produktionsbehinderungen stabilisiert (vgl. Abbildung 1). Die anhaltende Rezession im Euroraum wirkte weiterhin dämpfend auf die deutsche Konjunktur. Die Ankündigung der EZB, im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen, hat bislang lediglich zu einer Beruhigung an den Finanzmärkten geführt. Insbesondere die Investitionstätigkeit der Unternehmen blieb im ersten Quartal 2013 schwach. Konjunkturstütze war der private Konsum. Steigende Löhne bei gleichzeitig geringem Preisanstieg ließen die realen Einkommen fortwährend expandieren und stärkten so die inländische Nachfrage. Die Unternehmen waren trotz der konjunkturellen Schwäche bestrebt, ihre Beschäftigung aufrecht zu erhalten. Mit der Beruhigung der Eurokrise sind auch vom Außenhandel wieder positivere Impulse zu erkennen. Die Auftragseingänge aus dem Ausland, auch aus der Eurozone, sind jüngst wieder gestiegen. Die Weltkonjunktur nimmt inzwischen erneut an Fahrt auf, so dass auch aus der übrigen Welt stützende Signale für die deutsche Wirtschaft zu erwarten sind.

 

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Preisbereinigtes BIP in Deutschland

Saison- und arbeitstäglich bereinigt mit Census-Verfahren X-12-Arima

32591.png

1 Veränderung gegenüber dem Vorquartal in %, auf Jahresrate hochgerechnet, rechte Skala.
2
Zahlenangaben: Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %.

Quellen: Statistisches Bundesamt; ab 2013 Prognose des HWWI.

 

Trotz gewisser Beruhigungstendenzen im Euroraum ist die Krise noch nicht überwunden, und die EZB hält sich die Möglichkeit offen, den Leitzins, der seit Anfang Mai 2013 auf einem neuen Rekordtief von 0,5% liegt, weiter zu senken. Bei weiterer Verschlechterung der Wirtschaftslage im Euroraum zieht die EZB auch einen negativen Einlagezins in Betracht. In den USA signalisieren verbesserte Arbeitsmarktzahlen und ein steigender privater Konsum ein moderates Wachstum, das sich auch im Laufe des Jahres fortsetzen sollte. In China hat sich das Wachstum zuletzt etwas verlangsamt, gleichwohl gehen auch hiervon weiterhin positive Impulse für den deutschen Außenhandel aus. Mit allmählicher Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum sollten sich ebenfalls die Absatzaussichten verbessern. Dann dürfte auch die Investitionszurückhaltung der Unternehmen nachlassen und die deutschen Exporte werden im Laufe des Jahres wieder zunehmen. Der Preisanstieg wird gering bleiben. Bei gleichzeitig stärker steigenden Löhnen dürften die realen verfügbaren Einkommen expandieren und den privaten Konsum ankurbeln. Nachdem der öffentliche Bau wegen des Auslaufens der Hilfsprogramme nach der Finanzkrise 2008/2009 im letzten Jahr noch stark zurückgegangen ist, wird er sich dieses Jahr wieder stabilisieren. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Immobilien ist zudem eine weitere Expansion der Wohnbautätigkeit zu erwarten, wenn auch mit geringerem Tempo.

Mit Nachlassen der kontraktiven Effekte aus der Eurozone werden insgesamt die positiven Impulse die Überhand gewinnen, so dass im Laufe des Jahres zwar nicht mit einem rasanten Aufschwung, aber mit einer Wiederbelebung der Konjunktur in Deutschland zu rechnen ist. Im Durchschnitt von 2013 ist für die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr ein moderates Wachstum von 0,5% zu erwarten (vgl. Tabelle 1). Dabei ist allerdings noch nicht absehbar, inwieweit das Wachstum durch die aktuelle Hochwasserkatastrophe gedämpft wird. Nach einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen Anfang des Jahres dürfte sich im Laufe der zweiten Jahreshälfte die Lage auf dem Arbeitsmarkt stabilisieren. Ähnlich wie im Vorjahr werden etwas über 2,9 Mio. Personen arbeitslos sein. Der Preisanstieg dürfte mit 1½% deutlich unter der 2%-Stabilitätsmarke bleiben. Das wohl größte Risiko besteht zurzeit in einem Wiederaufflammen der europäischen Schuldenkrise. Unsicherheiten bestehen aber auch in der übrigen Welt, sollte sich z.B. das Wachstum in China weiter verlangsamen.

 

Tabelle 1 (zurück zum Text)
Eckdaten für Deutschland

Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

2011 2012 2013 2014
Bruttoinlandsprodukt1

3,0

0,7

0,5

1,7
Private Konsumausgaben

1,7

0,8

0,9

1,1
Staatliche Konsumausgaben

1,0

1,2

0,9

1,2
Anlageinvestitionen

6,2

-2,5

-1,3

3,1
Ausrüstungen

7,0

-4,8

-2,8

5,0
Bauten

5,8

-1,5

0,5

1,0
Sonstige Anlagen

3,9

3,1

1,2

6,5
Inlandsnachfrage

2,6

-0,3

0,4

1,4
Ausfuhr

7,8

3,8

0,2

6,5
Einfuhr

7,4

2,2

0,0

6,6
Arbeitsmarkt

Erwerbstätige

1,4

1,1

0,5

0,4
Arbeitslose (in Mio.)

2,98

2,90

2,95

2,84
Arbeitslosenquote2 (in %)

6,7

6,5

6,6

6,3
Verbraucherpreise

2,1

2,0

1,4

1,9
Finanzierungssaldo des Staates (in % des BIP)

-0,8

0,1

-0,1

0,3
Leistungsbilanzsaldo3
(in % des BIP)

6,2

7,0

7,4

7,5

1 Preisbereinigt. 2 Arbeitslose in % der inländischen Erwerbspersonen (Wohnortkonzept). 3 In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank; Bundesagentur für Arbeit; ab 2013: Prognose des HWWI.

 

Ist der moderate Anstieg der Weltkonjunktur von anhaltender Dauer und flackert die Eurokrise nicht wieder auf, ist 2014 mit einer weiteren Aufwärtsentwicklung zu rechnen; dann wäre ein Wirtschaftswachstum zwischen 1½% und 2% möglich. Der Arbeitsmarkt sollte sich dann wieder verbessern, so dass hier ein Druck auf die Löhne entstehen wird. Bei dieser Entwicklung wäre mit einem leicht zunehmenden Preisauftrieb zu rechnen, der jedoch im Jahresdurchschnitt mit 1,9% knapp unter der 2%-Marke bleiben dürfte.

Anja Rossen

rossen@hwwi.org


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