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93. Jahrgang, 2013, Heft 7 · S. 499-500

Konjunkturschlaglicht

Robuster Arbeitsmarkt in Deutschland

Alkis Henri Otto

Die Arbeitsmarktentwicklung in der Eurozone hat im April 2013 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nach dem international vergleichbaren ILO-Konzept betrug die Erwerbslosenquote im Euroraum 12,2%. Dramatisch stellt sich die Lage vor allem in den Südländern des Währungsraumes dar. In Griechenland und Spanien betrug die Erwerbslosenquote 26,8%, in Portugal immerhin 17,8%. Aber auch in Frankreich (11%) und in Italien (12%) liegen sie nur knapp unterhalb des Schnitts der Eurozone. Gänzlich anders ist die Situation am deutschen Arbeitsmarkt: Die Erwerbslosenquote ist mit 5,4% die zweitniedrigste im Euroraum. Lediglich in Österreich fällt sie mit 4,9% noch niedriger aus.

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich trotz des schwachen konjunkturellen Umfelds im laufenden und im vergangenen Jahr sehr robust gezeigt. Zwar nahm die registrierte Arbeitslosigkeit im Bundesgebiet im Verlauf der letzten zwölf Monate saisonbereinigt um 47 000 Personen zu, blieb damit aber noch deutlich unterhalb der Marke von 3 Mio. Zudem hielt sich – trotz der zunehmenden Arbeitslosigkeit – die Arbeitslosenquote der zivilen Erwerbspersonen konstant bei 6,6%. Dies ist deshalb kein Widerspruch, da nicht nur die Zahl der Arbeitslosen, sondern auch die Zahl der Erwerbstätigen zunahm. Sie stieg in den vergangenen zwölf Monaten saisonbereinigt um 235 000 Personen an. Im Mai 2013 wurden knapp 41,8 Mio. erwerbstätige Inländer gezählt.

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Wirtschaftsbereichen1

Index Januar 2008 = 100

30853.png

1 Saisonbereinigt mit Census X12-ARIMA.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen.

 

Der Anstieg der Erwerbstätigkeit lohnt dabei näher betrachtet zu werden, da sich die Komponenten der Erwerbstätigkeit äußerst unterschiedlich entwickelt haben. Als treibende Kraft des Anstiegs erwies sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die von Juni 2012 bis zum letzten veröffentlichten Stand vom April 2013 um 327 000 Personen zulegte und damit wie bereits im Jahr zuvor stärker als die Erwerbstätigkeit selbst anstieg. Im April gingen damit saisonbereinigt 29,3 Mio. einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Abbildung 1 illustriert die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach Sektoren. Danach sind in den vergangenen Jahren vor allem im Bereich der unternehmensnahen und der privaten und öffentlichen Dienstleistungen sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse entstanden. Der Anstieg bei den unternehmensnahen Dienstleistungen ist insofern bemerkenswert, da auch der Finanzsektor in diesen Bereich fällt, in dem es im Rahmen der krisenbedingten Konsolidierungsprozesse weiterhin zu einem Stellenabbau kommt.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Teil- und Vollzeit

in 100 000 Personen

30862.png

Quelle: Bundesagentur für Arbeit.

Abbildung 2 zeigt zudem ein weiteres Detail der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Dabei wird ersichtlich, dass die zunehmende Bedeutung der Teilzeitbeschäftigung maßgeblich hinter dem Zuwachs der Beschäftigung steckt. Dem positiven Trend der Teilzeitbeschäftigung steht eine bis auf saisonale Schwankungen relativ stabile Vollzeitbeschäftigung gegenüber. Die deutlich zu erkennenden Niveaueffekte in der zweiten Jahreshälfte 2011 bei der Vollzeit und der Teilzeit sind hingegen auf Änderungen des Zählverfahrens zurückzuführen. Der Anstieg der Beschäftigung speist sich insgesamt wesentlich aus der angestiegenen Nettozuwanderung von Arbeitskräften aus der EU. Zudem dürfte laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auch die höhere Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen einen bedeutenden Beitrag geleistet haben.

Der Umstand, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zuletzt stärker als die Erwerbstätigkeit angestiegen ist, impliziert, dass andere Komponenten der Erwerbstätigkeit eine rückläufige Entwicklung erfahren haben müssen. Dies gilt beispielweise für die Minijobs, die von Juni 2012 bis April 2013 saisonbereinigt um 24 000 zurückgegangen sind. Der leichte Rückgang konnte auch nicht dadurch aufgehalten werden, dass seit Januar 2013 die steuerfreie Einkommensgrenze bei Minijobs um 50 Euro auf monatlich 450 Euro angehoben wurde. Auch arbeitsmarktpolitische Komponenten wie die Zusatzjobs (Ein-Euro-Jobs) wurden seltener eingesetzt. Sie sanken in den vergangenen zwölf Monaten saisonbereinigt um 18 000. Einen deutlichen Rückgang gab es zudem beim Gründungszuschuss, der eine Brücke zu selbständigen Tätigkeiten schaffen soll. Hier sank die Zahl der Förderungen in den letzten zwölf Monaten um 44 000 Personen auf nunmehr 17 000 Fälle. Dabei dürfte das strengere Vergabeverfahren eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Alkis Otto

otto@hwwi.org

 

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