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93. Jahrgang, 2013, Heft 8 · S. 504-505

Schattenbankregulierung: Keine neue Behörde

Bernd Rudolph

Musste man im Frühling 2013 noch fürchten, dass die EU auf die Gründung einer eigenständigen Schattenbank-Regulierungsbehörde hin arbeitet, so klingen die letzten Äußerungen von EU-Kommissar Michel Barnier bescheidener und sachgerechter. Eine Schattenbankbehörde hätte, wenn man von den Überlegungen im Grünbuch der EU von 2012 ausgeht, über eine große Zahl von Transaktionen und finanziellen Institutionen wachen sollen, die im Finanzintermediationsprozess Funktionen übernehmen. Verbriefungsvehikel und andere Zweckgesellschaften, die als Kreditintermediäre in der Finanzmarktkrise eine zum Teil unrühmliche Rolle gespielt haben, zählen ebenso zu den Schattenbanken wie Geldmarktfonds (insbesondere der Typ mit konstantem Nettoinventarwert) und andere Fonds, die in Kreditprodukte investieren oder mit Kreditmitteln arbeiten. Auch Wertpapierleihgeschäfte und Repos, komplexe Exchange-Traded Funds und Hedgefonds sollten unter das Regime der Behörde fallen. Und möglicherweise auch Finanzierungsgesellschaften, die Kredite oder Kreditgarantien bereitstellen sowie schließlich Versicherer und Rückversicherer, die Kreditprodukte auflegen oder garantieren.

Die Befürchtungen der Finanzaufsicht in der EU, die hinter dem Grünbuch der EU stehen, sind nicht unbegründet: Mit der derzeit strikter werdenden Bankregulierung wächst für die betroffenen Institute der Anreiz, auf weniger oder gar nicht reglementierte Bereiche der Finanzmärkte auszuweichen, um den Handlungsspielraum zu erweitern und die Kosten zu senken. Es steigen also die Anreize für eine Regulierungsarbitrage. Ob den daraus für die Finanzstabilität erwachsenden Gefahren allerdings durch den Aufbau einer neuen Behörde auf effiziente Weise beizukommen ist, kann bezweifelt werden. Probleme ergäben sich nicht nur aus der Etablierung eines neuen europäischen Aufsichtskolosses, der allenfalls für die USA mit seinem riesigen Schattenbanksektor in Betracht gezogen werden könnte, sondern auch aus den Mehrfachregulierungen einzelner Geschäfte und Finanzinstitute und den Überschneidungen mit bereits bestehenden Gesetzen und Verordnungen.

Schattenbanken als Institutionen schalten sich als spezialisierte Finanzinstitute in Verbriefungstransaktionen und andere Aktivitäten der Kreditintermediation ein (z.B. als Zweckgesellschaften, Conduits, Structured Investment Vehicles), betreiben wie Banken eine ausgeprägte Risiken-, Fristen- und Liquiditätstransformation, unterliegen aber nicht den üblichen bankaufsichtlichen Bestimmungen und Beschränkungen und sind auch zumindest formal nicht in die Sicherheitsnetzwerke der Einlagensicherung einbezogen. Sie können aber mit erheblichen Reputationsrisiken für die beteiligten Banken behaftet sein und sowohl als Transaktionsarten wie als Finanzinstitutionen einen "too-big-to-fail-Status" erlangen, wenn sie groß oder mit dem Bankensystem eng vernetzt sind (z.B. AIG). Schattenbanken können die Stabilität des Finanzsystems gefährden.

Nun scheint nach einer für September 2013 angekündigten Präsentation der EU-Kommission wohl eher ein Ansatz Platz zu greifen, zunächst einmal nicht auf eine direkte Beaufsichtigung (via Schattenbankbehörde), sondern auf eine indirekte Erfassung und Regulierung abzustellen. Geschäfte der Banken mit Schattenbanken bzw. Beteiligungen an solchen Instituten sollen gesondert erfasst, gemeldet und, sofern erforderlich, mit höheren Eigenkapitalanforderungen belegt werden, um die Akkumulation von Risiken in diesem Bereich einzudämmen. Darüber hinaus sollen Geldmarktfonds, die in die Refinanzierung der Banken eingebunden und nach Meinung der Kommission noch nicht hinreichend geregelt sind, einer spezifischen Aufsicht unterworfen werden. Mit diesen Maßnahmen soll dem systemrelevanten Aufbau von Leverage außerhalb des Bankensystems entgegengewirkt werden. Diese neue Schwerpunktsetzung ist zu begrüßen, zumal mit einem solchen Ansatz auch der Warnung der Deutschen Bundesbank entsprochen wird, die für den deutschen Finanzmarkt die größten Risiken für die Stabilität des Finanzsystems in der Vernetzung der Banken mit ausländischen Akteuren des Schattenbanksystems sieht.

Bernd Rudolph

Ludwig-Maximilians-Universität München

rudolph@bwl.lmu.de


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