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94. Jahrgang, 2014, Heft 2 · S. 84-85

ADAC: Marktbeherrschende Stellung

Ferdinand Dudenhöffer

Dass der Finanzminister der Deutschen Bank Steuervorteile gegenüber der Commerzbank oder Uni Credit einräumt, kann sich niemand vorstellen und schon gar nicht, etwa VW gegenüber BMW oder Mercedes. Unternehmen mit dominanter Marktstellung per Gesetz zusätzliche Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, pervertiert das Wirtschaftssystem. Monopole berechnen den Kunden zu hohe Preise und nutzen ihre Einkaufsmacht gegenüber kleinen Zulieferern aus. Mit knapp 19 Mio. Kunden hat der ADAC eine Monopolstellung. Sein wichtigstes Produkt ist eine Versicherung, ein Schutzbrief, der geschickt mit mobilen Automechanikern (gelbe Engel) kombiniert wird. Der Marktanteil des ADAC dürfte mehr als 80% betragen. Das ADAC-Monopol ist zudem ein "natürliches Monopol", da die Zusatzkosten für einen weiteren Kunden nahezu null sind.

Der ADAC verfügt über einen dritten Machthebel. Das Unternehmen ADAC verkauft seine Schutzbriefe nicht wie andere Versicherer, sondern koppelt das Produkt an den Zwang, Vereinsmitglied zu werden. Dies nutzt der ADAC in zwei Richtungen aus. Zum einem baut er eine politische Macht auf. Zum zweiten gibt er vor, gesellschaftliche Belange umzusetzen und erhält damit Steuervorteile. Extremer kann man Wettbewerb nicht ad absurdum führen. Nach einem Erlass des bayerischen Finanzministers von 1981 zahlt der Club nur auf 10% seines Schutzbriefumsatzes Steuern. Von etwa 1 Mrd. Euro Mitgliedsbeiträgen werden nur 100 Mio. mit kleinem Sondersteuersatz versteuert. Die Gesellschaft finanziert ein natürliches Monopol, das unkontrolliert politische Macht aufbaut. Das Kartellamt, der Bundesfinanzminister, der auf Steuereinnahmen "freiwillig" verzichtet und selbst das Justizministerium, das seit langem die Beugungen des Vereinsrechts durch den ADAC hätte bemerken müssen, erscheinen ahnungslos. Der ADAC ist kein Verein. Dies bestätigen mehr als 95% der "Mitglieder" durch simple Befragung. Sie sind nur "im Verein", weil es den "Schutzbrief mit kombinierter Pannenhilfe" gibt.

Dass der ADAC es gar nicht so gut mit seinen Kunden meint, zeigt ein Preisvergleich von Schutzbriefen. So kostet die ADAC-Mitgliedschaft mit Pannenhilfe allein für Deutschland 49 Euro, während etwa die HUK Coburg den Schutzbrief Europa für 6 bis 12 Euro anbietet. Mit einem Bonussystem hat der ADAC dafür gesorgt, dass seine knapp 1700 "rollenden Werkstätten" auch Batterien verkaufen. Im Durchschnitt hat jeder gelbe Engel im letzten Jahr 100 Batterien zu Monopolpreisen verkauft. Dass der ADAC wenig engelhaftes zeigt, wenn er mit kleinen Abschleppunternehmen Verträge durchpeitscht, belegen viele Mails. Dass der ADAC mitunter dubiose Verkaufsmethoden einsetzt, zeigen die Mitgliederwerbeaktionen bei Fahrschulen oder Jugendlichen. Dass der ADAC auf die Maximierung der Provisionseinnahmen bei seinen Mitgliedern aus ist, zeigen die zahlreichen Zusatzprodukte mit ADAC-Aufschrift wie Kredite, Reisen oder Postbusfahrten. Es ist dieses kuriose System, das jetzt mit großen Skandalen offenkundig wurde. Das System ADAC entwickelt eine unkontrollierbare Eigendynamik. Man kann ein Wirtschaftsunternehmen mit 2 Mrd. Euro Umsatz nicht wie einen Tennisverein ohne Kontrollorgane führen.

Der ADAC selbst wird das System ADAC nicht ändern. Das müssen schon hoheitlichen Organe tun. Die Lösung kann nur sein, alle wirtschaftlichen Aktivitäten – auch die Pannenhilfe – in einem richtigen Unternehmen zu bündeln. Die wahren Mitglieder, vielleicht 100 000, können gerne im Vereinsstatus wirken und Oldtimerfahrten organisieren. Der einzige Weg, dies zu erreichen, ist, von außen allen Unternehmensaktivitäten den Vereinsstatus und Steuervorteil zu entziehen. Nicht die Skandale um Hubschrauberflüge, gefälschte Teilnehmerzahlen und Villenbauten sind das Problem, sondern das System als solches. Der Club braucht den Neuanfang von innen und außen.

Ferdinand Dudenhöffer

Universität Duisburg-Essen

Ferdinand.dudenhoeffer@uni-due.de


Kommentare zu diesem Artikel

Johannes Offermann schrieb am 11.02.2014 um 17:57 Uhr

Da liegt er genau richtig, der Herr Dudenhöffer. Allerdings sollte man Eines nicht in Frage stellen: es braucht den ADAC (oder wie der Verein nachher auch heißen mag) für Lobbying im Interesse der Autofahrer, gegenüber der Politik und gegenüber der Autowirtschaft. Also nicht das Kind mit dem Bad ausschütten!

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