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94. Jahrgang, 2014, Heft 2 · S. 85-86

Prokon: Spekulativ oder nachhaltig?

Mechthild Schrooten

In den letzten Wochen ist Prokon in die Schlagzeilen geraten. Das Unternehmen hatte potenziellen Anlegern angeboten, durch moralisch positiv bewertete Investitionen in die Windenergie erhebliche Rendite zu generieren. Klingt super. Zwar war durch die wiederkehrenden Krisen auf den Finanzmärkten klar geworden, dass gerade die Habgier eine schlechte Beraterin ist, aber damals in den Krisen ging es auch nicht um die Kombination von wünschenswerten Investitionen und hoher Rendite. Bei Prokon – und auch anderen Offerten – stellte es sich anders dar. Hier eine Geldanlage tätigen und endlich hätte man guten Gewissens der eigenen Renditegier nachgehen können – das ist doch etwas anderes, etwas Gutes, könnte man meinen. Die Anleger haben sicherlich zu einem nicht unerheblichen Teil den Traum von einer dauerhaft hohen Rendite ohne nennenswertes Risiko geträumt. Das gibt es aber nicht.

Tatsächlich war in den Anlageprodukten viel Luft drin. Auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht war das bereits aufgefallen, jedoch waren ihr für eine echte Intervention die Hände gebunden. Die Anleger dagegen werden oft gar nicht im Detail gewusst haben, was Genussrechte überhaupt sind und wie diese konkret funktionieren. Dabei sind Genussscheine keine besonders raffinierten Finanzprodukte der Finanzindustrie, die komplex und dadurch schlecht zu durchschauen sind.

In Deutschland ist das Vorhandensein von diffusem Wissen um das Funktionieren von Finanzprodukten weit verbreitet. Dies begünstigt Anlageberater bei ihrem Angebot von Finanzprodukten. Hier liegt asymmetrische Information vor, die eine wesentliche Form des Marktversagen ist, wie es in jedem Lehrbuch der Volkswirtschaftslehre bereits im ersten Kapitel steht. Bei Marktversagen muss der Staat eingreifen; das ist unstrittig. Ansatzpunkte für Staatseingriffe bietet zum einen die Regulierung von Finanzgeschäften aller Art. Zum anderen gehört dazu aber auch die Vermittlung von Wirtschafts- und Finanzkompetenz in den Schulen. Bis heute gibt es aber in Deutschland kaum curricular verankerte Bildungsansprüche für diesen im realen Leben der Menschen nicht unwichtigen Bereich. Es wäre dringend notwendig hier mehr zu tun, um den potenziellen Anlegern endlich etwas mehr Marktmacht zuzugestehen.

Es ist wichtig, dass der graue Kapitalmarkt und damit die Finanzgeschäfte jenseits von Transparenz und Regulierung abgeschafft werden. Es kann nicht angehen, dass aufgrund des bestehenden Regulierungsrahmens die Aufsichtsbehörden in die Zuschauerränge gedrängt werden und nicht aktiv eingreifen können. Kurzum: Es macht keinen Sinn, dass es neben den Banken andere deutlich weniger regulierte Finanzanbieter gibt. Es macht keinen Sinn, dass Unternehmen mehr als 1 Mrd. Euro einsammeln können, ohne unter eine nennenswerte Regulierung zu fallen. Das gibt für die Anbieter von Finanzprodukten Anreize, genau in diesem grauen Bereich aktiv zu werden.

In der Tat haben gerade im Gefolge von Finanzkrisen genau diese grauen Finanzprodukte und Schattenbanken Konjunktur. Immer wenn es darum geht, gute Ideen mit hohen Zahlungsversprechen zu verbinden, finden sich viele, die hier unterstützend wirken wollen. Prokon hat um seine Anleger breit geworben und so ein breites Publikum überzeugt. Hier werden jetzt öffentlich die Grenzen der Mixtur aus langfristig überdurchschnittlicher Rendite und einem moralisch überzeugenden Produkt diskutiert. Nachhaltig ist eben eher die Bescheidenheit.

Mechthild Schrooten

Hochschule Bremen

Mechthild.Schrooten@hs-bremen.de


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