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94. Jahrgang, 2014, Heft 3 · S. 231-232

Konjunkturschlaglicht

Konjunktur nimmt Fahrt auf

Anja Rossen

2013 hat die deutsche Wirtschaft auf ihren Wachstumspfad zurückgefunden; im vierten Quartal ist sie mit 0,4% erneut gewachsen. Aufgrund der Wachstumsschwäche zu Jahresbeginn fiel die Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahresdurchschnitt mit 0,4% insgesamt dennoch verhalten aus. Im Jahresverlauf hat sich nicht nur das Wachstumstempo verändert, sondern auch dessen Struktur: Im Gegensatz zu den Vorquartalen wurde die Konjunktur im vierten Quartal vor allem von den Exporten und den Anlageinvestitionen getragen. Der Arbeitsmarkt zeigte sich das ganze Jahr über in guter Verfassung. Die positive Beschäftigungsentwicklung und die steigenden Löhne haben bei gleichzeitig geringem Preisanstieg von nur 1,5% zu einer deutlichen Erhöhung des privaten Konsums um 0,9% beigetragen.

Die Weltwirtschaft hat sich im vergangenen Jahr stabilisieren können.1 Die Eurozone hat die Rezession im Frühjahr 2013 hinter sich gelassen und gewinnt langsam an Fahrt. Für die Prognose wird angenommen, dass sich die Erholung im Euroraum fortsetzt, die Weltkonjunktur in Schwung kommt und den großen Zentralbanken der "behutsame" Ausstieg aus der bislang sehr expansiven Geldpolitik gelingt. Zinserhöhungen sollten frühestens Ende des Jahres eine Rolle spielen. In Deutschland ist die Stimmung der Wirtschaft gut; der ifo-Index ist zuletzt deutlicher gestiegen als erwartet. Folglich spricht vieles dafür, dass sich die konjunkturelle Belebung 2014 fortsetzt und im nächsten Jahr sogar weiter an Fahrt gewinnt. Insgesamt rechnen wir für 2014 – wie schon bisher – mit einer Wachstumsrate von 1,7%. 2015 sollte sich das Expansionstempo weiter etwas beschleunigen, so dass die Wirtschaft mit einer Rate von 2,1% zulegen wird. Das Beschäftigungswachstum sollte sich mit zunehmender Auslastung der Produktionskapazitäten fortsetzen, so dass die Zahl der Erwerbstätigen 2014 und 2015 ähnlich wie im vergangenen Jahr zunehmen wird. Nach einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen 2013 sollte sich die Lage in diesem und im nächsten Jahr wieder verbessern. 2015 werden im Jahresdurchschnitt 2,74 Mio. Personen arbeitslos sein. Der Preisdruck dürfte sich mit verbesserter Konjunktur und steigenden Löhnen wieder erhöhen und in diesem Jahr zu einer Inflationsrate von 1,7% führen; 2015 könnte in Deutschland die 2%-Marke erreicht werden. In der Eurozone dürfte die für die Geldpolitik relevante Inflationsrate mit etwa 1,5% deutlich darunter liegen.

Bei weiter steigenden Realeinkommen wird der private Konsum eine wichtige Stütze des Wachstums bleiben. Außerdem werden – anders als im vergangenen Jahr – die Investitionen deutlich zum Wachstum beitragen. Dafür sprechen die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen, die anziehende Weltkonjunktur und vor allem der vorhandene Nachholbedarf. Dabei werden neben Ersatzinvestitionen mehr und mehr Erweiterungsinvestitionen eine Rolle spielen. Mit der Belebung der Weltkonjunktur werden die deutschen Exporte sowohl 2014 als auch 2015 wieder kräftiger expandieren. Gleichzeitig werden auch die Importe mit wachsendem Konsum und anziehender Investitionstätigkeit merklich ansteigen. Der Leistungsbilanzüberschuss in Relation zum BIP wird von 7% auf 6,6% fallen. Die Einnahmen des Staates sollten nach 2,6% in diesem Jahr, 2015 mit sich weiter verbessernder Konjunktur etwas stärker, nämlich um 3,1%, zunehmen. Auf der Ausgabenseite ergeben sich Zuwachsraten auf ähnlichem Niveau wie im vergangenen Jahr, so dass der gesamtwirtschaftliche Finanzierungssaldo sowohl dieses als auch nächstes Jahr in etwa ausgeglichen sein wird.

Das wohl größte Risiko für diese Prognose ist weiterhin die Entwicklung im Euroraum. Die wieder auflebende europäische Wirtschaft könnte einige Regierungen dazu veranlassen, die dringend notwendigen Strukturreformen und Haushaltskonsolidierungen weniger nachhaltig anzugehen. Gleichzeitig besteht in den USA wie auch in Europa ein gewisses Risiko, dass ein schlecht kommunizierter Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik zu Turbulenzen auf den Finanzmärkten führen könnte.

Anja Rossen

rossen@hwwi.org

 
Abbildung 1 (zurück zum Text)
Preisbereinigtes BIP in Deutschland

Saison- und arbeitstäglich bereinigt mit Census-Verfahren X-12-Arima

31831.png

1 Veränderung gegenüber dem Vorquartal in %, auf Jahresrate hochgerechnet, rechte Skala. 2 Zahlenangaben: Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %.

Quellen: Statistisches Bundesamt; ab 2014 Prognose des HWWI.

Tabelle 1 (zurück zum Text)
Eckdaten für Deutschland

Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

2012 2013 2014 2015
Bruttoinlandsprodukt1

0,7

0,4

1,7

2,1
   Private Konsumausgaben

0,8

0,9

1,3

1,6
   Staatliche Konsumausgaben

1,0

0,7

1,2

1,4
   Anlageinvestitionen

-2,1

-0,7

4,7

5,0
      Ausrüstungen

-4,0

-2,4

5,6

7,5
      Bauten

-1,4

0,1

4,0

3,0
      Sonstige Anlagen

3,4

3,0

4,3

5,0
Inlandsnachfrage

-0,3

0,5

1,6

2,0
   Ausfuhr

3,2

0,8

5,5

5,8
   Einfuhr

1,4

0,9

5,8

6,1
Arbeitsmarkt

      Erwerbstätige

1,1

0,6

0,5

0,4
      Arbeitslose (in Mio.)

2,90

2,95

2,85

2,74
      Arbeitslosenquote2 (in %)

6,5

6,6

6,3

6,1
Verbraucherpreise

2,0

1,5

1,7

2,0
Finanzierungssaldo des Staates (in % des BIP)

0,1

0,0

0,0

0,1
Leistungsbilanzsaldo3 (in % des BIP)

7,0

7,3

7,0

6,6

1 Preisbereinigt. 2 Arbeitslose in % der inländischen Erwerbspersonen (Wohnortkonzept).
3
In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank; Bundesagentur für Arbeit; ab 2014: Prognose des HWWI.

  • 1 Vgl. M. Bräuninger: Weltkonjunktur am Wendepunkt, in: Wirtschaftsdienst, 93. Jg. (2013), H. 12, S. 871-872.


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