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94. Jahrgang, 2014, Heft 3 · S. 158

Riester-Rente: Mehr Klarheit über Förderung

Michela Coppola

Seit nunmehr über zehn Jahren kennt der deutsche Wortschatz ein neues Wort: die "Riester-Rente". Eingeführt mit der Rentenreform 2001, ist die Riester-Rente eine zusätzliche und freiwillige Altersvorsorge, die aber durch direkte Zulagen und steuerliche Vorteile ergänzend staatlich gefördert wird. Die finanziellen Sparanreize sollen den Aufbau einer privaten Altersvorsorge unterstützen, mit der die zukünftige Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus kompensiert werden kann. Die staatliche Förderung ist für bestimmte Personenkreise substanziell: Beispielsweise können Niedrigverdiener mit Kindern eine Förderquote von mehr als 90% erreichen. Nach einem zögerlichen Beginn weisen die Verträge über eine Riester-Rente eine sehr dynamische Entwicklung auf: Laut Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hat sich die Zahl der Riester-Sparer zwischen 2005 und 2013 fast vervierfacht, wenngleich die Dynamik in den letzten Jahren etwas abgeebbt ist. Bis Ende September 2013 wurden 15,8 Mio. Verträge abgeschlossen. Das entspricht eine Verbreitungsquote von ca. 40% der fördererberechtigten Personen.

Das Bild, das sich hinter dieser allgemeinen Entwicklung versteckt, ist allerdings vielschichtiger. So zeigen Daten von Haushaltsumfragen, dass die Riester-Rente in einigen Gruppen (wie z.B. kinderreichen Familien oder Haushalten mit mittleren bis höheren Einkommen) weit verbreitet ist. Andere Gruppen zeigen jedoch noch große Lücken in der flächendeckenden Versorgung auf. Vor allem Haushalte im unteren Fünftel der Einkommensverteilung "riestern" seltener als reichere Haushalte. Zwar hat sich die Verbreitung der Riester-Verträge auch in dieser Gruppe in den letzten Jahren dynamisch entwickelt, ein Gefälle bleibt allerdings bestehen. Außerdem weisen Haushalte mit niedrigen Einkommen eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, ihre Riester-Verträge zu kündigen oder stillzulegen, ohne wieder einen neuen Vertrag abzuschließen. Diese Ergebnisse sind umso bedenklicher, weil genau diese Haushalte aufgrund von niedrigeren Gehältern und unterbrochenen Erwerbsbiographien eine geringere gesetzliche Rente erwarten können und häufig über kein weiteres Finanzvermögen verfügen. Das Risiko, später unter Altersarmut zu leiden, ist also vor allem für Haushalte im untersten Teil der Einkommensverteilung hoch. Der Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge ist daher in diesen Gruppen auch besonders notwendig.

Geringverdiener sind bei jeder Art von Sparprodukten nur schwer zu erreichen. Allerdings besitzen einkommensschwache Haushalte mehr Riester-Renten als jede andere Art von zusätzlicher Altersvorsorge. Diese Tatsache kann aber auch als ein Erfolg für die Riester-Rente interpretiert werden. Schließlich ist die Riester-Rente nach Einkommensklassen viel gleichmäßiger verteilt als andere Altersvorsorgeprodukte (wie z.B. die betriebliche Altersvorsorge oder nicht geförderte Rentenversicherungen). Ob eine Erhöhung der Förderquote die passende Maßnahme ist, um die Nachfrage nach Riester-Renten im untersten Einkommensbereich zu stimulieren, bleibt zweifellhaft. Vergangene Untersuchungen zeigen, dass selbst die hohen Kinderzulagen im untersten Einkommensquintil kaum eine Wirkung entfaltet haben. Vielmehr könnte dies durch gezielte Informationen erreicht werden. In einer früheren Studie wurde ermittelt, dass sich insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen für nicht förderberechtigt hielten, obwohl sie es waren. Schon allein mehr Klarheit über die Förderberechtigung könnte also wahrscheinlich die Nachfrage nach Riester-Renten unterstützen.

Michela Coppola

Munich Center for the Economics of Aging (MEA)

Coppola@mea.mpisoc.mpg.de


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