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94. Jahrgang, 2014, Heft 6 · S. 451-452

Konjunkturschlaglicht

Konjunkturaufschwung festigt sich

Anja Rossen

Im ersten Quartal 2014 ist die deutsche Wirtschaft mit einer Rate von 0,8% so kräftig wie seit drei Jahren nicht mehr gewachsen. Einen wesentlichen Beitrag hatte die Bauwirtschaft, die vom äußert milden Winter profitierte (+3,6%). Der sonst übliche Frühjahrsaufschwung wurde teilweise in den Winter vorgezogen, wobei die Wachstumsimpulse ausschließlich von der Binnenkonjunktur kamen. Während die Importe kräftig stiegen (2,2%), erhöhten sich die Exporte lediglich um 0,2%, so dass der Außenbeitrag insgesamt einen negativen Wachstumsbeitrag (-0,9%) leistete. Aufgrund von Korrektureffekten nach dem starken Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zu Beginn des Jahres ist im zweiten Quartal mit einer etwas geringeren Wachstumsrate zu rechnen. Dennoch ist für den restlichen Jahresverlauf von einer stabilen konjunkturellen Dynamik auszugehen. Darauf deuten die Baugenehmigungen, die Auftragseingänge und auch die Industrieproduktion hin, die in den ersten Monaten des Jahres gestiegen sind. Aufgrund der kräftigen Entwicklung der Investitionen und dem weiterhin starken Konsum im ersten Quartal ist für 2014 ein Wachstum von 2,2% zu erwarten. 2015 sollte sich das Expansionstempo weiter beschleunigen und sich das BIP um rund 2½% erhöhen. Die Binnenkonjunktur wird hierbei nach wie vor der Wachstums­treiber sein.

Die Einführung des Mindestlohnes und der abschlagsfreien Rente mit 63 wird die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zwar dämpfen, sie bleibt aber positiv. Die konjunkturelle Belebung sollte für eine weitere Erhöhung der Beschäftigung sorgen, so dass sich insgesamt ein Beschäftigungswachstum von rund 0,5% in den nächsten beiden Jahren ergibt. Die Zahl der Arbeitslosen sollte weiter zurückgehen und 2015 bei rund 2,8 Mio. Personen liegen. Mit zunehmender Auslastung der Kapazitäten und Einführung des Mindestlohnes wird sich der Preisdruck verstärken und die Inflationsrate 2015 wieder nahe der 2%-Stabilitätsmarke liegen. Bei steigenden Reallöhnen wird der private Konsum auch im Prognosezeitraum wichtige Wachstumsimpulse liefern.

Die Investitionstätigkeit wird im Prognosezeitraum kräftig bleiben, die Baugenehmigungen entwickeln sich robust und die Einkommen steigen. Dennoch sollte Ende dieses Jahres ein Wendepunkt erreicht sein, so dass für 2015 mit einem etwas geringeren Wachstum bei den Investitionen zu rechnen ist (5,2%). Die Weltwirtschaft hat an Fahrt gewonnen. So zeigt sich die Konjunktur in den USA robust, die Fed hat begonnen, ihre Anleihenkäufe schrittweise zurückzufahren. Die Finanzmärkte der Schwellenländer haben sich beruhigt. Mit stetiger Belebung der Weltwirtschaft und vor allem Erholung im Euroraum sollten die Exporte zum Ende des Jahres wieder anziehen und sich im nächsten Jahr weiter entfalten. Die momentan hohe Investitionstätigkeit wird bereits jetzt zu steigenden Importen führen, so dass vom Außenbeitrag sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr kein nennenswerter Wachstumsbeitrag zu erwarten ist.

Das Staatskonto sollte im gesamten Prognosezeitraum einen leicht positiven Finanzierungssaldo aufweisen. Auf der Ausgabenseite führen die Änderungen bei der Rentenversicherung, die voraussichtlich ab 1. Juli wirksam werden, zu Mehrausgaben von 4,4 Mrd. Euro 2014 und 9 Mrd. Euro 2015. Außerdem stehen Investitionen in die Infrastruktur und den Städtebau an. Das Betreuungsgeld entwickelt in diesem Jahr seine volle Wirkung und die Mittel zur Beseitigung der Flutschäden sollten nun vermehrt abgerufen werden. Auf der Einnahmeseite führt die sich belebende Konjunktur zu einem erhöhten Steueraufkommen. Die Staatsschuldenquote wird bei dieser Entwicklung weiter zurückgehen und 2015 bei rund 72% liegen. Die Krise in der Ukraine, die Entwicklung der Preise im Euroraum und ein schlecht kommunizierter Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik stellen momentan die wohl größten Unsicherheiten für diese Prognose dar. Die Niedrigzinspolitik der EZB dürfte noch längere Zeit andauern. Erst Ende 2015 ist mit einer Zinserhöhung der EZB zu rechnen.

Anja Rossen

rossen@hwwi.org

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Preisbereinigtes BIP in Deutschland

Saison- und arbeitstäglich bereinigt mit Census-Verfahren X-12-Arima

33474.png

1 Veränderung gegenüber dem Vorquartal in %, auf Jahresrate hochgerechnet, rechte Skala. 2 Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %.

Quellen: Statistisches Bundesamt; ab 2014 Prognose des HWWI.

Tabelle 1 (zurück zum Text)
Eckdaten für Deutschland

Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

2012 2013 2014 2015
Bruttoinlandsprodukt1

0,7

0,4

2,2

2,4
Private Konsumausgaben

0,8

0,9

1,5

1,7
Staatliche Konsumausgaben

1,0

0,4

1,1

1,4
Anlageinvestitionen

-2,1

-0,8

5,7

5,2
Ausrüstungen

-4,0

-2,4

6,3

6,9
Bauten

-1,4

-0,2

5,7

3,9
Sonstige Anlagen

3,4

3,0

2,9

5,3
Inlandsnachfrage

-0,3

0,7

2,2

2,4
Ausfuhr

3,2

0,9

5,7

6,3
Einfuhr

1,4

1,5

6,2

7,0
Arbeitsmarkt

Erwerbstätige

1,1

0,6

0,6

0,4
Arbeitslose (in Mio.)

2,90

2,97

2,84

2,79
Arbeitslosenquote2 (in %)

6,5

6,6

6,3

6,2
Verbraucherpreise

2,0

1,5

1,6

2,1
Finanzierungssaldo des Staates (in % des BIP)

0,1

0,2

0,3

0,3
Leistungsbilanzsaldo3
(in % des BIP)

7,4

7,5

7,4

7,2

1 Preisbereinigt. 2 Arbeitslose in % der inländischen Erwerbspersonen (Wohnortkonzept). 3 In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik.

Quellen: Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank; Bundesagentur für Arbeit; ab 2014: Prognose des HWWI.


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