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94. Jahrgang, 2014, Heft 8 · S. 532-533

Fracking: Viel Lärm um wenig Potenzial

Jörg Cortekar, Markus Groth

Nachdem über die Fracking-Technologie seit geraumer Zeit eine heftige politische und gesellschaftliche Debatte tobt, haben Bundesumweltministerium und Bundeswirtschaftsministerium am 4. Juli 2014 sechs gemeinsame Eckpunkte für den zukünftigen Umgang mit Fracking, also der unkonventionellen Erdgasgewinnung, bekanntgegeben. In ihrem Eckpunktepapier schlagen die beiden Ministerien nun einen Weg ein, der Kritikern und Befürwortern gleichermaßen gerecht werden soll, mit dem also die Schwellen für den Einsatz bzw. die Erprobung einerseits sehr hoch gelegt werden, andererseits der Einsatz der Technologie in Deutschland aber auch nicht völlig verworfen wird. Doch welche Potenziale und Gefahren sind mit Fracking verbunden?

Befürworter der Technologie betonen insbesondere die energiewirtschaftlichen Chancen. So habe die Schiefergasförderung in den USA zu einem Verfall der Energiepreise geführt, die Klimabilanz verbessert und zu einer geringeren Abhängigkeit von Energieimporten geführt – alles Ziele, die auch im Zuge der Energiewende in Deutschland genannt werden. Doch Kritiker weisen auf noch ungeklärte oder möglicherweise nicht beherrschbare Umweltrisiken hin, insbesondere die Freisetzung gefährlicher chemischer Substanzen. Zudem werden die Mengenpotenziale für Deutschland aufgrund der weniger gut geeigneten geologischen Strukturen und bestehender Flächenkonkurrenzen, z.B. mit dem Grundwasser- und Naturschutz, als eher gering eingeschätzt. Zwar klingt es verlockend, wenn auch in Deutschland durch Fracking preisgünstiges Gas gefördert werden könnte und die noch klimaschädlichere Kohle dadurch zu ersetzen wäre. Doch vor dem Glauben, dass man die Erfahrungen aus den USA einfach nach Deutschland übertragen könne, sei dringend gewarnt. Die auf vielfältige Weise unterschiedlichen Rahmenbedingungen sprechen dagegen.

Zudem stellt sich auch politisch die Frage, was diese ganz im Schatten der Fußballweltmeisterschaft verkündeten Eckpunkte eigentlich bewirken sollen. Einerseits wird die Strenge der Regelungen betont und hervorgehoben, dass es Fracking zur Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas zu wirtschaftlichen Zwecken auf absehbare Zeit in Deutschland nicht geben wird. Dies ist also ein klares Nein zum Fracking. Gleichsam soll es aber andererseits auch nicht "für alle Ewigkeit" ausgeschlossen werden. Vielmehr soll erst einmal kontrollierten und sorgfältigen Untersuchungen möglicher Auswirkungen der Weg geebnet werden. Den Weg für ein "Fracking-Ermöglichungs-Gesetz", wie einige Kritiker ihn erkennen wollen, ebnen diese Eckpunkte aber auch nicht. Einige Anforderungen des Eckpunktepapiers erscheinen in der Praxis zudem als wenig realistisch, so z.B. die zwingend geforderte Offenlegung sämtlicher beim Fracking eingesetzter Stoffe – also auch der bislang streng gehüteten Chemikalienmischung.

Es ist insgesamt verwunderlich, warum diese Technologie bei durchaus vorhandenen Risiken und gleichzeitig geringem wirtschaftlichen und energiepolitischen Potenzial – schließlich sind die Ausbaupfade für regenerative Energien bekannt – so kontrovers diskutiert wird. Vieles spricht dafür, die bereits bestehenden Ziele von Energiewende und Klimapolitik konsequent und mit verlässlichen Rahmenbedingungen zu verfolgen. Ihre Einhaltung kann ohnehin nur durch sehr hohe Anteile erneuerbarer Energien und eine deutlich verbesserte Energieeffizienz erreicht werden. Damit dürfte letztlich insgesamt mehr für eine langfristig bezahlbare, unabhängige und sichere Energieversorgung erreicht werden.

Jörg Cortekar, Markus Groth

Climate Service Center 2.0 am Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Joerg.Cortekar@hzg.de; Markus.Groth@hzg.de


Kommentare zu diesem Artikel

Linda Marie Holm schrieb am 22.09.2014 um 20:50 Uhr

Die Debatte nimmt Fahrt auf. Fracking wird mit verseuchtem Trinkwasser und brennenden Wasserhähnen verbunden. Die Sendung Panorama (NDR) hat Experten gebeten, zu den wichtigsten Fragen Stellung zu nehmen und die sind sich einig: Das Risiko wird wohl maßlos übertrieben. Der Beitrag der Sendung ist hier zu sehen http://relinx.de/kw59o

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