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94. Jahrgang, 2014, Heft 8 · S. 534

Hochschulkarriere: Mangel an Professuren

Birger Hendriks

Der Wissenschaftsrat hat jüngst eine ebenso wichtige wie verdienstvolle Empfehlung verabschiedet: "Zu Karrierezielen und -wegen an Universitäten". Im Kern geht es ihm um eine Reform am akademischen Mittelbau. Die Zahl der Professuren an Universitäten ist seit 1995 fast gleich geblieben, die der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiter aber um über 50% angestiegen. Die Chance, dass wissenschaftliche Mitarbeiter Professuren oder unbefristete Beschäftigungsverhältnisse erreichen, liegt bei 4% pro Doktorandenkohorte. Einen Lösungsweg sieht der Wissenschaftsrat in der konsequenten bundesweiten Erweiterung von Tenure-Track-Professuren und damit einhergehend in einer Ausweitung der Professorenstellen um insgesamt 7500 bis zum Jahr 2025.

Der Rat macht zu recht deutlich, dass der Wissenschaft in Deutschland viele junge Wissenschaftler verloren gehen, wenn hier nicht in mehreren Richtungen reformiert wird: Es fehlt vielfach an einer transparenten Personalplanung, ebenso an Konzepten und Qualitätsstandards für die Entwicklung des wissenschaftlichen Personals einschließlich transparenter Verfahren für die Personalgewinnung. Verträge für Promovierende und Postdocs werden häufig auf weniger als ein Jahr befristet, was die individuelle Planung und Qualifikation erschwert. Es mangelt an Durchlässigkeit und Mobilität im Verhältnis zwischen Hochschule einerseits und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Wirtschaft und Verwaltung andererseits.

Folgerungen des Wissenschaftsrats: Diese Defizite müssen strukturell aufgearbeitet werden. Mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse für wissenschaftliche Mitarbeiter im akademischen Bereich und im Management einer Universität sind nötig. 20% aller Professuren sollten als Tenure Track besetzt werden. Eine Erhöhung der Professuren im Bereich der Universitäten um 7500 würde bei einer heutigen Gesamtzahl von ca. 26 000 noch über diese 20% hinausgehen. Eine solche Erweiterung würde aber nicht nur eine Verbesserung der Karrierechancen für die wissenschaftlichen Mitarbeiter, sondern auch günstigere Betreuungsverhältnisse als bisher ermöglichen. Die Reform der akademischen Personalstruktur mit den aufgezeigten Elementen rührt an Kulturen, Rechten und Privilegien. Die Professoren könnten sich bei veränderter Aufgabenteilung innerhalb des gesamten akademischen Personals aber künftig stärker auf die Kernaufgaben Forschung und Lehre konzentrieren. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter würden die Chance zu mehr und zeitlich früherer Selbständigkeit – z.B. auch mit eigenen Budgets – erhalten. Sie wären dann in vielen Fällen nicht mehr der einer einzelnen Professur sondern der nächsthöheren Ebene (Fakultät, Institut) zugeordnet.

Nach allem: Die vom Wissenschaftsrat empfohlene Reform, in einigen Aspekten auch von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) diskutiert, ist dringlich und sachgerecht. Angesichts der derzeit geringen Karrierechancen für den akademischen Mittelbau bietet der bisher wenig praktizierte Weg des Tenure Track gute Anreize und relativ schnelle Entwicklungschancen. Aber: Solche Professuren zusätzlich zu schaffen, macht im Wesentlichen nur im Kontext einer entsprechenden aufgabenorientierten Personalstruktur-Reform Sinn. Und etwa um die gleiche Größe – als Teilmenge der bereits vorhandenen Stellen – müsste die Zahl der unbefristeten Beschäftigungsverhältnisse steigen. Die Reform ist im Kern Aufgabe der Universitäten. Um die Finanzierung der zusätzlichen Professuren wie um die Rahmenbedingungen für eine Reform – etwa zur Mobilitätsverbesserung – müssen sich Bund und Länder kümmern.

Birger Hendriks

Gründungsbeauftragter der Brandenburgischen
Technischen Universität Cottbus-Senftenberg

Birger.Hendriks@t-online.de


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