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94. Jahrgang, 2014, Heft 9 · S. 609-910

Kinderbetreuung: Kita-Ausbau: Quo vadis?

C. Katharina Spieß

Seit einem Jahr hat in Deutschland jedes Kind ab dem zweiten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesbetreuung. Nach den aktuellsten Daten des Statistischen Bundesamtes ist damit auch die Zahl der Kinder gestiegen, die eine Kita nutzen – im Frühjahr 2014 waren es knapp 11% mehr als 2013. In dem Jahr zuvor betrug der Anstieg zum Vorjahr nur knapp 7%. Die mit der Einführung des Rechtsanspruchs verbundenen Anstrengungen der Kommunen, Länder und auch des Bundes zeigen demnach Erfolge. Ökonomisch gesprochen hat sich die "Rationierungswahrscheinlichkeit" für Familien mit jungen Kindern also verringert. Doch dies allein ist nicht genug. Denn nur die Quantität zu steigern reicht nicht aus – die vorhandenen Angebote müssen auch qualitativ verbessert werden.

Bildungsökonomisch liegt insbesondere hier die Herausforderung, denn die grundsätzlich hohe Rendite einer frühen Bildung kann nur dann realisiert werden, wenn es sich um qualitativ gute Kitas handelt. Empirische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Kindertageseinrichtungen in Deutschland im Durchschnitt nur ein mittelmäßiges Qualitätsniveau erreichen; bei einem erheblichen Anteil ist die Qualität sogar unzureichend. Hinzu kommt, dass Kinder, die von einer guten Qualität besonders profitieren würden, teilweise in Einrichtungen einer schlechteren Qualität sind. So zeigen einschlägige Untersuchungen, dass beispielsweise die Kita-Qualität in Gruppen für Kinder unter drei Jahren mit einem Migrationsanteil von 67% und mehr signifikant schlechter ist als die Kita-Qualität in Gruppen mit einem geringeren Migrationsanteil. Darüber hinaus können erhebliche regionale Unterschiede im Qualitätsniveau festgemacht werden. Dies hat auch damit zu tun, dass Länder und Kommunen Qualitätsmindeststandards in sehr unterschiedlichem Ausmaß vorgeben. Dies betrifft zum einen Inhalte, die in landesweiten Bildungsplänen festgesetzt sind. Zum anderen werden auch Parameter der sogenannten Strukturqualität, wie beispielsweise die maximale Gruppengröße, nicht in allen Bundesländern verbindlich reguliert.

Wie sollte es also weitergehen? In den letzten Monaten wurde von unterschiedlichen Akteuren immer wieder der Vorschlag eines Bundes-Kita-Gesetzes diskutiert, das einheitliche Qualitäts(-mindest-)standards regelt. Dies wäre rechtlich möglich und auch sinnvoll. Einheitliche Standards könnten verhindern, dass die Frage der Qualität einer frühkindlichen Bildung und Betreuung so stark davon abhängig ist, in welcher Region Familien leben und inwiefern die Kommune oder das jeweilige Land diesem Bereich eine höhere Priorität zukommen lassen.

Bundeseinheitliche Standards würden allerdings auch dazu führen, dass einige Regionen zusätzliche finanzielle Anstrengungen unternehmen müssten. Hier dürften die Länder und Kommunen nicht allein gelassen werden. Der Bund hat zwar bereits in den letzten Jahren seinen Anteil an der Finanzierung von Kindertageseinrichtungen erhöht, er müsste es genauso wie die Länder und Kommunen weiter tun. Wie im August 2014 beschlossen, werden weitere 550 Mio. Euro an Bundesmitteln hinzukommen. Gemessen an dem Gesamtvolumen von 6 Mrd. Euro, das mehr für Bildung ausgegeben wird, ist dies allerdings ein kleiner Anteil. Darüber hinaus kann der Bund mit seinem bisherigen Finanzierungskonzept noch nicht einmal sicherstellen, dass die zusätzlichen Bundesmittel für Betriebskosten auch dem Kita-Bereich zugute kommen: Er kann sich nicht direkt an der Finanzierung der Betriebskosten beteiligen. Wenn die zusätzlichen Mittel des Bundes aber zu 100% der Bildung und Betreuung von Kindern in der Kindertagesbetreuung zukommen sollen, warum wird dann nicht über einen zweckgebundenen Transfer nachgedacht? Bisher gibt der Bund mit dem Betreuungsgeld den Familien Geld dafür, dass sie keine Kita nutzen. Statt die "Nicht-Nutzung" zu bestätigen, könnte man den Nachweis der Nutzung erbringen. Denn mehr Qualität braucht strukturelle Veränderungen und einen Ausgabenanstieg.

C. Katharina Spieß

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), FU Berlin

kspiess@diw.de


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