Ein Service der

Inhalt

95. Jahrgang, 2015, Heft 3 · S. 156

Krankenhausreform 2015: Positive Impulse

Jonas Schreyögg

Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe konkretisiert mit ihrem Eckpunktepapier zur Krankenhausreform den Koalitionsvertrag. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden zusammengenommen eine der größten Krankenhausreformen der letzten Jahrzehnte darstellen. Das Papier hat einen klaren Schwerpunkt in der Verbesserung der Qualitätssicherung sowie der Förderung eines Qualitätswettbewerbs. Die Eckpunkte sehen eine ganze Reihe von wichtigen Konkretisierungen und Verschärfungen der Qualitätssicherung vor: Hält das entsprechende Krankenhaus die Qualitätsrichtlinien sowie die Mindestmengenregelung nicht ein, so würde dies – nach Verabschiedung des Gesetzes – durch Vergütungsabschläge und Nichterstattung der Leistungen sanktioniert. Diese Regelungen wären sehr wichtig, da die bisherige Qualitätssicherung weitgehend ohne Konsequenzen blieb.

Weiterhin sollen Qualitätszu- und abschläge (Pay-for-Performance) für bestimmte Leistungen eingeführt werden, die in vielen anderen Ländern bereits existieren. Aus der Literatur ist bekannt, dass Zuschläge durchaus einen positiven Anreiz zur Verbesserung der Qualität bieten können. Ob Abschläge dafür ein geeignetes Mittel darstellen, ist auf Basis der bisherigen Evidenz jedoch durchaus fraglich. Pay-for-Performance im stationären Sektor könnte – mit einem guten Design – durchaus wichtige Impulse zur Initiierung eines Qualitätswettbewerbs liefern. Darüber hinaus sollen Kassen die Möglichkeit erhalten, auch einzeln und nicht nur kollektiv, Qualitätsverträge selektiv mit ausgewählten Krankenhäusern für vier planbare Leistungen abzuschließen. Im Prinzip ist diese vertragliche Flexibilisierung zu begrüßen. Es wird sich zeigen, ob viele Krankenkassen tatsächlich von dieser Möglichkeit zur individuellen Leistungssteuerung Gebrauch machen. De facto werden dafür die meisten Krankenkassen mit anderen Krankenkassen kooperieren müssen, was im Anfangsstadium mit hohen Transaktionskosten einhergeht. Außerdem wird es ganz entscheidend sein, möglichst objektive Indikatoren zur Messung der Qualität für die definierten Leistungen zu entwickeln bzw. aus anderen Ländern zu übernehmen.

Ein weiterer bedeutender Bereich des Papiers ist die stärkere Gewichtung vorhaltebezogener Vergütungskomponenten. Die primär (fall-)leistungsorientierte Vergütung des Diagnosis-Related-Groups-Systems (DRG-System) führte mit ihren finanziellen Anreizen dazu, dass Krankenhäuser mit bestimmten Vorhalteaufgaben, vor allem Landkrankenhäuser mit selten genutzten Kapazitäten, Krankenhäuser mit vollumfänglicher Notfallversorgung und Maximalversorger, im Wettbewerb benachteiligt waren. Daher ist es konsequent, dass die Bund-Länder-Arbeitsgruppe die notwendige Vorhaltung bestimmter Infrastrukturleistungen durch Sicherstellungszuschläge für ländliche Krankenhäuser, ein gestuftes System von Zu- und Abschlägen für die Vorhaltung von Notfallversorgung und eine zusätzliche Vergütung für spezialisierte Zentren vorsieht. Die vorgesehenen Maßnahmen zur Weiterentwicklung des DRG-Systems sind jedoch unzureichend. Eine Übervergütung von Sachkosten ist hier nicht das Kernproblem. Tatsächlich sind es aber die sich ständig ändernden DRG-Gewichte, die sich nur nachrangig aufgrund von Kostenänderungen der Krankenhäuser ergeben. Diese reagieren auf die Änderungen der DRG-Gewichte mit ihren Fallmengen. Das Kalkulationsverfahren sollte weiterentwickelt werden, um die DRG-Gewichtsänderungen auf die Kostenänderungen in den Krankenhäusern zu reduzieren und Fehlanreize zu vermeiden.

Insgesamt werden die geplanten Maßnahmen viele positive Impulse zur Weiterentwicklung des ordnungspolitischen Rahmens für den Krankenhausmarkt liefern, bei der Weiterentwicklung des DRG-Systems sind jedoch weitergehende Maßnahmen erforderlich.

Jonas Schreyögg

Universität Hamburg

jonas.schreyoegg@uni-hamburg.de


Kommentare zu diesem Artikel

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Ihr Kommentar

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.
Die Redaktion behält sich vor Beiträge, die diffamierende Äußerungen enthalten oder sich eines unangemessenen Sprachstils bedienen, nicht zu veröffentlichen.

SPAM-Schutz * Welcher Buchstabe fehlt im folgenden Wort?