Ein Service der

Inhalt

95. Jahrgang, 2015, Heft 3 · S. 157-158

Zukunft der Industrie : Hemmnisse abbauen

Hubertus Bardt

Für die deutsche Volkswirtschaft ist die Industrie beziehungsweise der Verbund aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen von besonderer Bedeutung und spielt daher auch wirtschaftspolitisch eine wichtige Rolle. In Berlin formierte sich dieser Tage ein Bündnis "Zukunft der Industrie". Damit wird der Industriepolitik eine neue Sichtbarkeit gegeben. Eine moderne Industriepolitik muss die allgemeinen Standortbedingungen für eine industrielle Produktion in Deutschland im Blick haben, Infrastrukturen für Innovationen identifizieren und die strukturelle Anpassungsfähigkeit stärken. Eine falsch verstandene Industriepolitik, die bestimmte politisch interessante Branchen besonders fördert oder Erhaltungssubventionen verteilt, ist von dem neuen Bündnis nicht zu erwarten.

Zur Sicherung und Stärkung der Industrie in Deutschland sollten bestehende Investitionshemmnisse aus dem Weg geräumt werden. Aktuelle Umfragen (beispielsweise die Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln aus dem Herbst 2014) helfen, die Hemmnisse und industriepolitischen Ansatzpunkte zu identifizieren. Zwar stehen auch weltwirtschaftliche Unsicherheiten und das schwache Wachstum der Eurozone einer stärkeren Investitionstätigkeit in Deutschland entgegen. Es gibt aber genügend Aufgaben, die Zuhause erledigt werden können:

Erstens muss die Industrie die Kosten in den Griff bekommen: Deutschland ist ein Hochkostenland. Und im Augenblick steigen die Kosten eher an, als dass sie sinken. Wenn weitere Kostensteigerungen vermieden und einige Kostenspitzen gesenkt werden, wird der Investitionsstandort Deutschland an Attraktivität gewinnen. Hier werden insbesondere die Energiekosten, aber auch die deutlich gestiegenen Arbeitskosten als Hemmnis für Investitionen genannt. Auch Steuern und Abgaben leisten derzeit keinen Beitrag zur Kostendämpfung.

Zweitens muss die Flexibilität erhalten bleiben: Unternehmen sind im internationalen Wettbewerb auf ein hohes Maß an Flexibilität angewiesen. Diese müssen sie selbst im Unternehmen sichern. Die Politik ist aber ebenso gefordert, jeden Tag an einem Abbau von Bürokratien und Vorschriften zu arbeiten. Die Initiative der Bundesregierung zum Abbau von Bürokratie ist zu begrüßen. Dabei muss es aber um materielle Entlastungen gehen, die nicht durch neue Regelungen im Rahmen beispielsweise des Mindestlohns oder der Arbeitsstättenverordnung wieder zunichte gemacht werden. Auch weitere Restriktionen für Werkverträge oder Anti-Stress-Regelungen sollten den unternehmerischen Spielraum nicht zusätzlich beschränken.

Drittens sind die Grundlagen für Wachstum von morgen zu schaffen: Kapitalinvestitionen benötigen komplementäre Faktoren, insbesondere qualifizierte Mitarbeiter und eine hochwertige Infrastruktur. Ein wachsender Mangel an Fachkräften kann sich zu einem ausgemachten Investitionshindernis entwickeln. Und ohne funktionierende Verkehrswege und ausgezeichnete digitale Netze können vernetzte industrielle Produktionen nicht weiter entwickelt werden. Hier dürfen sich keine Lücken auftun.

Das neue Bündnis "Zukunft der Industrie" kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Bedeutung der Industrie in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken und geeignete Schritte zur Verbesserung der industriellen Standortbedingungen zu identifizieren. Die Liste der Herausforderungen ist lang.

Hubertus Bardt

Institut der deutschen Wirtschaft Köln

bardt@iwkoeln.de


Kommentare zu diesem Artikel

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Ihr Kommentar

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.
Die Redaktion behält sich vor Beiträge, die diffamierende Äußerungen enthalten oder sich eines unangemessenen Sprachstils bedienen, nicht zu veröffentlichen.

SPAM-Schutz * Welcher Buchstabe fehlt im folgenden Wort?