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96. Jahrgang, 2016, Heft 5 · S. 305-306

Helikoptergeld: Reputation entscheidend

Thomas Mayer

Die Diskussion über Helikoptergeld zeigt, dass unser bestehendes Geldsystem schwer angeschlagen ist. Möglicherweise wird es nicht überleben. Helikoptergeld könnte seinen Niedergang beschleunigen. Es könnte aber auch den Systemwechsel zu einem Geld einleiten, das sich allein auf Reputation stützt.

Im Kreditgeldsystem entsteht Geld durch die Vergabe von Krediten. Giralgeld wird durch private Banken geschaffen, indem diese den Kreditnehmern die geliehene Summe auf dem Girokonto gutschreiben. Auch Zentralbankgeld entsteht durch Kreditvergabe, indem die Zentralbank privaten Banken Zentralbankgeld gegen Sicherheiten leiht. Im Kreditgeldsystem ist Geld also immer durch Forderungen gedeckt. Ohne Kreditwachstum gibt es in diesem System kein Wachstum der Geldmenge, keine Inflation und meist auch kein Wirtschaftswachstum. Die Banken sind aber gegenwärtig zu schwach, um neue Kredite in größerem Umfang zu vergeben. Und die Staaten, Haushalte und Unternehmen sind zu hoch verschuldet, um viel neue Schulden aufzunehmen. Da helfen auch keine Null- und Negativzinsen. Mit ihrer Geldpolitik erzeugen die Zentralbanken daher statt Konsumentenpreisinflation nur neue Blasen an den Finanzmärkten.

Helikoptergeld wird nicht gegen Forderungen, sondern als eigenständiger Wert erzeugt. Natürlich wird eine Zentralbank nicht frisch gedruckte Geldscheine aus einem Helikopter werfen wollen. Sie kann aber den Banken aus dem Nichts geschaffenes Zentralbankgeld mit der Maßgabe zuweisen, dass diese dagegen Giralgeld schaffen und es allen Bürgen zu gleichen Teilen auf dem Girokonto gutschreiben. Buchungstechnisch taucht auf diese Weise geschaffenes Helikoptergeld als negative Eigenkapitalposition auf der Aktivseite der Bilanz der Zentralbank auf. Man könnte es Reputationsgeld nennen, weil sein Wert ganz allein davon abhängt, ob die Nutzer erwarten, dass sie dieses Geld gegen andere Dinge tauschen können. Auch Gold ist Reputationsgeld. Sein praktischer Nutzen ist begrenzt. Dennoch will man es haben, weil man erwartet, dass es sich leicht gegen andere Dinge eintauschen lässt. Würde die EZB den Bürgern im Euroraum Helikop­tergeld direkt zuweisen, dann wäre dies eine geldpolitische Maßnahme und damit nach ihren Statuten erlaubt.

Vertrauen in Reputationsgeld entsteht nur, wenn die Nutzer von seinen Funktionen als Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung überzeugt sind. Der Emittent darf nicht die Verschlechterung der Geldfunktionen zum Ziel erheben. Das wäre, als wollte er Autos verkaufen, die so konstruiert sind, dass sie durchrosten. Dafür würde er keine Käufer finden. Deshalb hinge die Wertschätzung von Helikoptergeld durch die Nutzer davon ab, ob seine Einführung als Systemwechsel begriffen würde. Würde der "Abwurf" dagegen nur als eine weitere Maßnahme zur Erhöhung der Inflation verstanden, dann könnte das Vertrauen in die Stabilität des Geldes schnell kippen.

Reputationsgeld muss so knapp gehalten werden, dass man Anstrengungen zu seinem Erwerb unternimmt. Dies wird nur tun, wer daran glaubt, dass ihm Geld als Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung nützt. Damit Geld knapp bleibt, darf die Geldmenge nicht beliebig, sondern nur nach festgelegten Regeln erhöht werden. Dabei könnte der Geldmengenzuwachs an alle Geldnutzer gleich verteilt werden. Helikoptergeld hätte so eine neutrale Verteilungswirkung, während im Kreditgeldsystem nur diejenigen begünstigt werden, die sich verschulden können. Reputation wird am besten unter Wettbewerbsbedingungen erworben. Reputationsgeld sollte daher nicht im staatlichen Monopol, sondern im Wettbewerb verschiedener Anbieter geschaffen werden. Dadurch könnte es seine Funktionen als Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung optimal erfüllen und wäre nicht der Willkür der Politik unterworfen.

Thomas Mayer

Flossbach von Storch Research Institute

Thomas.Mayer@fvsag.com


Kommentare zu diesem Artikel

MB schrieb am 26.05.2016 um 11:59 Uhr

Das Helikoptergeld würde daher im Vergleich zur jetzigen Nullzinspolitik eine soziale Alternative darstellen. Durch die Nullzinspolitik werden nur diejenigen begünstigt, die sich entweder stark verschulden oder große nicht-monetäre Vermögensbestände halten. Der Kleinsparer profitiert nicht oder wird sogar benachteiligt. Beim Helikoptergeld wurde jeder Person gleich zu Gute kommen. Außerdem könnten Asset-Preis-Blasen, die durch die Niedrigzinspolitik ausgelöst werden, vermieden werden. Ebenfalls werden Verzerrungen im Investitionsverhalten vermieden. Momentan fließen unverhältnismäßig hohe Mittel in den Immobilienbau zur Vermögensanlage. Durch Helikoptergeld würde das Geld sofort nachfragewirksam werden und gleichmäßiger in die Güternachfrage der Volkswirtschaft wirken.

Michael Stöcker schrieb am 07.06.2016 um 19:37 Uhr

Einen winzigen Teil "Reputationsgeld" gibt es schon heute. Es ist das Münzgeld, das aus der Tradition heraus auf der Aktivseite der Bundesbank ausgewiesen wird und sich insofern mit der Idee des Aktivgeldes von Thomas Mayer deckt. Geld ist aber Aktivum und Passivum in Personalunion.

Die wenigsten werden sich der Bedeutung bewusst sein, warum Münzgeld auf der Aktivseite der Zentralbankbilanz ausgewiesen wird und Banknoten hingegen auf der Passivseite, obwohl wir als Bürger und Unternehmen Geld und Giralgeld immer auf der Aktivseite verbuchen, unabhängig davon ob es sich hierbei um Münzen, Banknoten oder aber Giralgeldbestände bei Geschäftsbanken handelt. Geld ist eben nicht nur hybrider Natur (Aktivum und Passivum) sondern auch hierarchischer Natur (Zentralbankgeld, Giralgeld).

Der Wert des Geldes wird natürlich nicht nur durch seine Knappheit determiniert, sondern insbesondere durch den Schuldendruck der Kreditnehmer in einem Kreditgeldstandard, der die Schuldner zu einer realen Leistung am Markt verpflichtet, womit sie dann in der Lage sind, die Kredite auch wieder monetär bedienen zu können. Insofern hängt die Werthaltigkeit des Geldes insbesondere an der investiven/produktiven Kreditvergabe des Bankensektors und/oder an den pfändbaren Sicherheiten im Fall der Fälle.

Die Idee eines privaten Wettbewerbs um dieses Reputationsgeld ist allerdings eine Sackgasse. In diesem Punkt teile ich ganz die Auffassung von Gerald Braunberger: http://blogs.faz.net/fazit/2016/05/02/milton-friedmans-verstoerte-kinder-7593/#comment-5830.

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