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98. Jahrgang, 2018, Heft 12 · S. 837-838

Kurz Kommentiert

Subventionen: Zellfabrikplänen fehlt Fundament

Ferdinand Dudenhöffer

Gemeinsam mit der EU will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit immensen staatlichen Fördergeldern eine europäische Lithium-Ionen-Batteriezellproduktion aufbauen. Zur Subvention soll 1 Mrd. Euro eingesetzt werden. Berlin und Brüssel sprechen vom Airbus für Lithium-Ionen-Batterien. Wie in der Luftfahrt sollen durch den Staat ein europäischer Industriechampion und – natürlich – Arbeitsplätze entstehen. Bei Lithium-Ionen-Zellen für Elektroautos der Willkür der Asiaten ausgesetzt zu sein, sei untragbar, unsere Autoindustrie würde zum Spielball Asiens, so die Vorstellung der Politiker. Mehr als 80 % der weltweiten Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Zellen teilen chinesische (BYD und CATL), japanische (Panasonic) und koreanische Unternehmen (Samsung, SK Innovation und LG Chem) unter sich auf. Alle sechs sind Weltkonzerne und kennen das Lithium-Ionen-Geschäft perfekt. Samsung erwirtschaftete 2017 eine Gewinnmarge im operativen Geschäft von 22 % bei 212 Mrd. US-$ Umsatz. Die Weltchampions des Batteriegeschäfts sind auf hochautomatisierte, hochpräzise Fertigungen, Skalenerträge und beste Kostenpositionen getrimmt.

Bosch hat bei der Zellproduktion bereits abgewunken, Conti wird mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen. Beiden ist das Risiko zu groß, gegen die Batterie-Schwergewichte anzutreten. Also bleiben Mittelständler wie Varta, Hoppecke oder Start-ups wie Terra E. In Berlin und Brüssel plant man den Kampf gegen die Gullivers mit Liliputanern. Eine "VEB-Batteriezellen" soll die Gullivers bewegungslos machen. Die Strategie setzt auf Festkörperbatterien, d. h. die nächste technologische Generation. Hier beginnt das Spiel bei Null, so die naive Vorstellung. Anode, Kathode bleiben zwar, nur der flüssige Elektrolyt wird durch dünne Folienschichten ersetzt. Selbstverständlich arbeiten die Asiaten bereits mit Hochdruck an Feststoffbatterien und werden ihr großes Wissen bei hochautomatisierten Zellfertigungen einsetzen. Den zweiten Weg blendet die Bundesregierung aus. Die Leistungsfähigkeit der Lithium-Ionen-Zelle hängt nicht von der hochskalierten Produktion, sondern vom Material ab. Beste Kosten und saubere Qualität liefern die Zellhersteller, aber der Kern der Speicherfähigkeit der Zelle liegt im Material. Daher investiert der weltgrößte Chemiekonzern, die BASF, 400 Mio. Euro in Anlagen für Batteriematerialien in Europa, darunter auch die Produktion von Kathodenmaterial in Finnland. Mit der Chemieindustrie können wir im Wettbewerb überlegenes Kathoden- und Anodenmaterial herstellen und eine Art Monopolstellung aufbauen. Wer das beste Material hat, den umwerben alle Zellhersteller. Es ist sinnvoll, seine Kompetenzen dort zu stärken, wo man in eine Spitzenstellung laufen kann. Die Chance liegt in der Materialforschung und nicht in der Zellproduktion.

Der VW-Konzern plant mit dem koreanischen Batteriegiganten SK Innovation ein Joint Venture zur Zellproduktion. Gleichzeitig hat der Volkswagenkonzern CATL, LG Chem und Samsung als Zelllieferanten für weitere Regionen verpflichtet. CATL errichtet für die Belieferung von BMW eine Zellfabrik in Thüringen. Damit ist ein Großteil des europäischen Marktes für Lithium-Ionen-Zellen verteilt und den Zellfabrikplänen der Regierungskoalition bricht das Fundament auf der Nachfrageseite weg, noch ehe die erste Zelle produziert ist. CATL will die Thüringer Zellfertigung für 240 Mio. Euro errichten, Bosch hatte einmal von Beträgen im Bereich von 5 Mrd. Euro gesprochen. Das zeigt den nahezu unmöglich aufholbaren Vorsprung der hochautomatisierten Werke asiatischer Unternehmen. Hochautomatisierung und Arbeitsplätze – der Bundeswirtschaftsminister sollte vorsichtig sein, wenn er solche Zusammenhänge herstellt. Fazit: Wir sollten uns in Europa auf das konzentrieren, was wir können: Materialen entwickeln und produzieren, die zum Maßstab werden. Berlin und Brüssel sollten aufhören, eine volkseigene Batteriezellproduktion aufzubauen. Das Risiko, Steuermilliarden in den Sand zu setzen, ist zu groß.

Ferdinand Dudenhöffer

Universität Duisburg-Essen

ferdinand.dudenhoeffer@uni-due.de


Kommentare zu diesem Artikel

Gerold Hicke schrieb am 07.02.2019 um 12:06 Uhr

Ganz genau meine Meinung. Auch der Vergleich mit Airbus passt, denn dort wurden in den ersten Jahren viele Milliarden an Steuergeldern verpulvert, bevor die ersten kleinen Gewinne gemacht wurden.

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