Ein Service der

Inhalt

98. Jahrgang, 2018, Heft 2 · S. 151-152

Konjunkturschlaglicht

Die Preisentwicklung von Rohstoffen 2017

André Wolf, Katrin Knauf

Die Preise für Rohstoffe sind im zweiten Halbjahr des Jahres 2017 deutlich gestiegen, nachdem sie im ersten Halbjahr gefallen waren. Der HWWI-Gesamtindex für Rohstoffe stieg im Jahr 2017 von 109 auf 119 Punkte. Damit ist ein Anstieg der Rohstoffpreise, in US-Dollar gemessen, um 9 % für das Jahr 2017 zu verzeichnen (vgl. Abbildung 1).1

Preisentwicklung am Rohölmarkt

Während im ersten Halbjahr sinkende Rohölpreise zu beobachten waren, kam es zu einem Preisanstieg in der zweiten Jahreshälfte. Der Index für Rohöl, ein Teilindex des HWWI-Rohstoffpreisindex, stieg um 13 %. Zu Beginn des Jahres bestanden Zweifel an der Durchsetzbarkeit der Vereinbarung zwischen den Mitgliedern der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und zehn weiteren rohölfördernder Ländern, die Produktion zu drosseln. Im Mai 2017 wurde eine Verlängerung dieser Vereinbarung erzielt, die Preise fielen jedoch weiter, da die Marktteilnehmer eine noch stärkere Reduzierung der Fördermenge erwartet hatten. Weiterhin trieben die USA ihre Schieferölförderung voran und stabilisierten ihre Marktmacht als weltweiter Rohölanbieter gegenüber den traditionellen Ölproduktionsländern, wie Saudi-Arabien und Russland.2 Im Juni 2017 erreichte der Index für Rohöl seinen Jahrestiefstand mit 90 Punkten.

Abbildung 1 (zurück zum Text)
HWWI-Rohstoffpreisindex 2017 in US-Dollar
HWWI-Rohstoffpreisindex 2017 in US-Dollar

Quelle: HWWI-Rohstoffpreisindex; monatliche Durchschnittswerte.

In der zweiten Jahreshälfte stieg der monatliche Durchschnittspreis für Rohöl kontinuierlich an. Im Juli 2017 kündigte die OPEC erneut ein Treffen für August an, um die strikte Einhaltung der Förderquotenvereinbarung durchzusetzen. Zudem waren die Lagerbestände an Rohöl gesunken. Zwar stiegen die weltweiten Fördermengen weiterhin, weil Länder wie Libyen, Nigeria und Venezuela von den Quotenreduktio-nen ausgenommen wurden, die gute weltweite Konjunkturlage ließ jedoch die Nachfrage nach Rohöl ansteigen. Am 30. Oktober 2017 beschloss die OPEC auf einem Treffen in Wien eine Verlängerung der Reduktion von Fördermengen bis zum Ende des Jahres 2018. Der durchschnittliche Preis für Rohöl lag im November 2017 erstmals über 60 US-$ pro Barrel. Rohölpreise von über 60 US-$ pro Barrel wurden zuletzt Mitte des Jahres 2015 beobachtet.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Rohölpreise im 2. Halbjahr 2017
Rohölpreise im 2. Halbjahr 2017

Quellen: Macrobond; HWWI.

Im Dezember 2017 stiegen die Preise von Rohöl erneut, wobei die weltweite Nachfrage nach Rohöl weiterhin ungebrochen hoch ausfiel.3 Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es der OPEC und ihren Partnern gelungen ist, ihre Förderpolitik der Mengenbegrenzung im zweiten Halbjahr 2017 durchzusetzen. Weiterhin ist zu beobachten, dass die US-amerikanische Rohölsorte "West Texas Intermediate" (WTI) die preiswerteste Referenzrohölsorte im Vergleich zu Rohöl aus dem Nahen Osten und der europäischen Rohölsorte Brent am Markt bleibt (vgl. Abbildung 2).

Preisentwicklung von Industrierohstoffen sowie von Nahrungs-und Genussmitteln

Der Index für Industrierohstoffe umfasst die wichtigsten agrarischen Rohstoffe und Nichteisen-Metalle (NE-Metalle)4 sowie Eisenerz und Stahlschrott. Insgesamt stiegen die Preise für Industrierohstoffe 2017 um 3 %. Im ersten Halbjahr ließen schwächere Erwartungen an die Weltkonjunktur und ein Überangebot, vor allem bei Eisenerz, die Preise für Industrierohstoffe zunächst sinken. Der Index für Industrierohstoffe erreichte seinen durchschnittlichen monatlichen Jahrestiefpunkt im Juni 2017 mit 106 Punkten. Im zweiten Halbjahr stiegen die Industrierohstoffpreise wieder. Dabei ist vor allem die Preisentwicklung der NE-Metalle von Bedeutung, da sie mit einem Anstieg von 15 % einen wesentlichen Beitrag zur Preiserhöhung bei den Industrierohstoffen, vor allem in der zweiten Jahreshälfte, leisteten. In der chinesischen Industrie werden über die Hälfte der weltweit geförderten Metalle verwendet. Gleichzeitig werden in China bedeutende Anteile von Metallen gefördert. Produktionseinschränkungen in den Wintermonaten durch Umweltauflagen der chinesischen Regierung zur Verbesserung der Lebensqualität und weitere Angebotsverknappungen durch Minenschließungen in anderen NE-Metall-Förderstaaten ließen im zweiten Halbjahr die Preise für NE-Metalle steigen.5

Der Index für Nahrungs- und Genussmittel fiel auf einen Wert von 95 Punkten. Die gute Angebotssituation führte dazu, dass selbst eine gestiegene Nachfrage nach einzelnen Rohstoffen, beispielsweise nach Kakao, keine signifikanten Preissteigerungen des Teilindex nach sich zog, weil andere Rohstoffe, wie beispielsweise Kaffee, durch gute Ernten Preissenkungen verzeichneten.6

Ausblick

Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen für 2018 eine Fortsetzung des Aufschwungs an den Rohstoffmärkten erwarten. Die Weltbank hat unlängst ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr auf 3,1 % nach oben korrigiert,7 der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet sogar mit 3,9 % Wachstum.8 Die Entwicklung 2017 hat gezeigt, dass der in den Jahren zuvor einsetzende Aufschwung sich zunehmend intensiviert und seine Basis verbreitert hat. In Europa und Asien profitieren nun auch breitflächig die wirtschaftsstarken Länder, der IWF erwartet für diese Gruppe auch für 2018 Wachstumsraten von über 2 %. Die anhaltend lockere Geldpolitik dieser Länder, in Zusammenwirken mit der Senkung der Unternehmensteuern in den USA, stützt das günstige globale Investitionsklima.

Dem steht für die nähere Zukunft allerdings auch eine Reihe von Risikofaktoren gegenüber. Die gegenwärtig hohen Assetpreise an den Finanzmärkten bergen das Risiko einer destabilisierenden Verlagerung von Investitionen auf Hochrisikokredite. Protektionistische Tendenzen in den entwickelten Volkswirtschaften, wie sie sich bisher vor allem in Ankündigungen äußern, könnten sich in konkrete Politik materialisieren.

Auch angebotsseitig gibt es Fragezeichen. Ob die OPEC mit ihrer Strategie der Produktionsbeschränkung weiterhin erfolgreich agieren kann, ist ungewiss. Geopolitische Konflikte im Nahen Osten und der wirtschaftliche und politische Verfall Venezuelas könnten einzelne Länder dazu bewegen, aus strategischen Gründen ihre Rohölförderung situativ 2018 anzupassen. Einem zu starken Aufwärtstrend in der Preisentwicklung auf den Rohölmärkten steht darüber hinaus die Energie- und Umweltpolitik des US-Präsidenten Donald Trump entgegen, die den Abbau von Schieferöl begünstigt. Weiterhin fördert das zurzeit gegebene Rohölpreisniveau bereits Investitionen in die Kapazitäten der Schieferölproduktion.

Ob der steigende Preistrend bei Industrierohstoffen sich fortsetzen wird, ist von der weiteren Marktentwicklung abhängig, da die Umweltauflagen in China bisher nur für die Wintermonate gelten und Anbieter anderer Staaten bei dem momentan gestiegenen Preisniveau und anhaltend guter Nachfrage ihre Fördermengen erhöhen könnten.

André Wolf, Katrin Knauf

wolf@hwwi.org, knauf@hwwi.org


Kommentare zu diesem Artikel

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Ihr Kommentar

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.
Die Redaktion behält sich vor Beiträge, die diffamierende Äußerungen enthalten oder sich eines unangemessenen Sprachstils bedienen, nicht zu veröffentlichen.

SPAM-Schutz * Welcher Buchstabe fehlt im folgenden Wort?