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98. Jahrgang, 2018, Heft 8 · S. 534-535

Leitartikel

Pro: Wiedereinführung der Meisterpflicht – Soziales Kapital geht verloren

Jörg Thomä, Petrik Runst

Jörg ThomäJörg Thomä ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen.

 

In diesen Tagen ist ein altbekanntes Phänomen zu beobachten: Die Initiative zur Wiedereinführung der Meisterpflicht hat die Kritiker des Großen Befähigungsnachweises auf den Plan gerufen. Zu hören ist das klassische Argument gegen den "Meisterzwang", wonach er als Instrument zur Abschottung von Märkten zu Monopolrenten, höheren Preisen und einer zu geringen qualitativen Differenzierung des handwerklichen Leistungsangebots führen würde. Der These eines zu geringen Wettbewerbs auf Handwerksmärkten lässt sich entgegnen, dass handwerkliche Unternehmen meist nicht nur untereinander, sondern auch mit nicht-handwerklichen Anbietern konkurrieren. Es gibt zudem keine zahlenmäßige Begrenzung der Betriebszahlen. Auch mangelt es auf den kleinbetrieblich geprägten Handwerksmärkten an Möglichkeiten, Preise und Mengen zu steuern. Gleichzeitig dürfte überhaupt erst die breite Qualifizierungswirkung des Großen Befähigungsnachweises die nötigen personellen Voraussetzungen für einen differenzierten Qualitätswettbewerb schaffen.

Solche und ähnliche Schlagabtausche fanden bereits in der Vergangenheit wiederholt statt und führen nicht weiter. Stattdessen lohnt ein Blick in die empirische Forschung zu den Auswirkungen der Handwerksnovelle 2004. Gesichert ist, dass die Reform zu einem Gründungsboom im deregulierten Teil des Handwerks geführt hat. Allerdings bleiben die neuen Betriebe meist sehr klein und weisen eine geringe Überlebensrate auf, was Zweifel am Beitrag zu weitergefassten wirtschaftspolitischen Zielen wie Beschäftigung, Wachstum und Innovation weckt. Ebenfalls zeigt sich, dass die Ausbildungsleistung der deregulierten Gewerke infolge der Novelle gesunken ist. Weder gesunkene Preise, höheres Marktvolumen noch eine höhere qualitative Differenzierung wurden bislang empirisch aufgezeigt. Viele Effekte der Handwerksreform mögen daher im Detail noch unklar sein, fest steht jedoch, dass sich die optimistischen Prognosen der Befürworter bislang empirisch nicht bestätigt haben und sogar eher negative Folgen feststellbar sind. Insofern ist der Nachweis, dass eine Abschaffung der Meisterpflicht von Nutzen ist, nach wie vor nicht erbracht.

Umso drängender stellt sich die Frage, was durch die Novelle verloren gegangen ist. Der Große Befähigungsnachweis ist eine gewachsene Institution, die im Handwerk in hohem Maß identitätsstiftend wirkt. Althergebrachte handwerkliche Traditionen, Werte und Sozialisationsmuster sind eng mit dem Lebensentwurf und Berufsethos verknüpft, als selbstständiger Meister einen eigenen Gewerbebetrieb zu führen und Lehrlinge auszubilden. Wichtige volkswirtschaftliche Funktionen des Handwerks stehen damit in Zusammenhang – etwa im Bereich der dualen Ausbildung, des Innovationssystems oder der Regionalentwicklung. Die Meisterpflicht ist hierfür nicht allein entscheidend, jedoch ein wichtiger Garant. Nun geht beim Wegfall gewachsener Institutionen das darin gespeicherte soziale Kapital verloren. Insofern stellt sich die Frage, ob dieser Vorgang für die 2004 zulassungsfrei gestellten Gewerke durch eine Wiedereinführung der Meisterpflicht überhaupt reversibel wäre. Sicherlich lohnt eine gezielte Prüfung und Evaluierung einzelner Gewerke. Noch wichtiger ist jedoch, den fortwährenden Deregulierungsbestrebungen auf europäischer Ebene und ihren ökonomischen Befürwortern mit der nötigen Skepsis entgegenzutreten. Letzteren obliegt die Beweislast bei der Veränderung eines funktionierenden Institutionensettings wie dem Großen Befähigungsnachweis. Am Beispiel der Handwerksnovelle 2004 gilt es aufzuzeigen, dass die erwarteten ökonomischen Vorteile einer etwaigen Ausdehnung der Deregulierung auf den immer noch zulassungspflichtigen Großteil des Handwerks nicht nur theoretisch, sondern auch empirisch plausibel sind.

Jörg Thomä

joerg.thomae@wiwi.uni-goettingen.de

Contra: Wiedereinführung der Meisterpflicht – Migranten erhalten eine Chance

Petrik Runst

Petrik Runst ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Volkswirtschaftlichem Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen.

 

Mit der Einführung der preußischen Gewerbefreiheit vor über 200 Jahren begann die moderne Diskussion über die Regulierung des Handwerks, die bis heute anhält. Es gibt nur wenige andere Wirtschaftsbereiche, welche die öffentliche Diskussion in einem solchen Maß befeuern können. Seit 2004 müssen Unternehmer in bestimmten Handwerkszweigen, wie Gebäudereiniger, Fliesenleger oder Raumausstatter keinen Meisterbrief mehr vorweisen. Dieser Umstand hat nicht nur eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema ausgelöst, sondern aktuell auch einen erneuten Vorstoß, das Rad zurückzudrehen und die Meisterpflicht wieder einzuführen. Wissenschaftliche Ergebnisse sprechen nie für sich selbst, sondern können unterschiedlich interpretiert werden. Nach meiner Lesart geben die bisherigen Studien keinen Anlass dazu, die 2004 durchgeführte Deregulierung des Handwerks infrage zu stellen.

Die Beurteilung der Qualität einer noch zu erbringenden Dienstleistung ist für den Kunden nie einfach. Dennoch hat die Abschaffung der Meisterpflicht diesen Umstand weder verbessert noch verschlechtert. Der freiwillige Meisterbrief als Gütesiegel existiert nach wie vor und kann auf Firmenwebseiten, Plattformen oder als Autowerbung präsentiert werden. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Meisterfirmen auf der Online-Plattform "MyHammer" bessere Kundenbewertungen erhalten und länger auf der Plattform verbleiben. Kunden nehmen also einen Unterschied zwischen Meister- und Nicht-Meister-Qualität wahr. Das freiwillige Meisterzertifikat gibt den Kunden die Möglichkeit, ein Preis-Leistungs-Verhältnis zu wählen, das ihnen angemessen erscheint. Neue Forschungsergebnisse geben erste Hinweise darauf, dass die Deregulierung die Zahl der neuen Ausbildungsverträge reduziert hat. Nun sollte man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und die Meisterpflicht als die einzige Möglichkeit darstellen, die Ausbildung im Handwerk zu gewährleisten. Erstens, hat das Handwerk jahrelang über Bedarf ausgebildet. Wenn nur 40 % der ausgebildeten Handwerker im Handwerk verbleiben, hat das Handwerk kein Ausbildungsproblem, sondern ein Abwanderungsproblem. Zweitens, falls man die ohnehin hohe Ausbildungsleistung im Handwerk fördern möchte, könnte man dies auch tun, ohne Marktzutrittsbarrieren in Form der Meisterpflicht zu errichten. Stattdessen könnte die staatliche Benachteiligung der beruflichen (und Bevorteilung der akademischen) Bildung abgebaut werden.

Die Abschaffung der Meisterpflicht hat den Migrantenanteil unter selbstständigen und abhängig Beschäftigten im Handwerk erhöht und damit zur Integration in den Arbeitsmarkt beigetragen. Dies ist auch dringend notwendig. Mehr als 15 % der Menschen in Deutschland verfügen über eigene Migrationserfahrung, mehr als 22 % über einen Migrationshintergrund. In beiden Gruppen liegt eine höhere Arbeitslosigkeit als im Rest der Bevölkerung vor. Außerdem wird Deutschland auch in den nächsten Jahrzehnten ein Einwanderungsland bleiben. Die Gründe für die zähe Integration in den Arbeitsmarkt sind vielfältig und komplex. Obwohl die teilweise Abschaffung der Meisterpflicht nicht alle damit verbundenen Probleme lösen kann, hat sie die Situation dennoch verbessert. Das Handwerk bietet einen guten Zugang in den deutschen Arbeitsmarkt – besonders für Menschen mit praktischen Fertigkeiten. Die Abschaffung der Meisterpflicht in Teilen des Handwerks hat mehr Flexibilität geschaffen, um persönliche Arbeitsmarktbiografien zu gestalten, indem die Gründung von Unternehmen erleichtert wurde. Es wurden dringend benötigte Zugänge für Einwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt geschaffen. Kunden können sich weiterhin für meisterliche Qualität entscheiden, und auch die Ausbildung künftiger Handwerker ist nicht in Gefahr. Alles in allem sprechen die bisherigen Forschungsergebnisse gegen die Wiedereinführung der Meisterpflicht.

Petrik Runst

petrik.runst@wiwi.uni-goettingen.de


Kommentare zu diesem Artikel

R.Kuhnt schrieb am 24.10.2018 um 13:00 Uhr

Mein Name ist R.Kuhnt. Ich bin aktives Mitglied beim Berufsverband unabhängiger Handwerker. Ich arbeite seit über 10 Jahren selbstständig als Zimmerer im Reisegewerbe ohne Meistertitel, und bin leidenschaftlicher Verfechter der Gewerbefreiheit im Handwerk,zumal ich auch Gewerkeübergreifend agiere.
In meinem beruflichen Alltag hafte ich mit all meinem Privateigentum, und unterliege den selben DIN Normen,dem BGB,der VOB, wie ein "normaler" Betrieb auch. Daher ist doch das Argument der Qualitätssicherung und Gefahrenabwehr durch den Meisterzwang teilweise entkräftet.Durch Sachverständige eine unabhängige Bauabnahme einzuführen, schiene mir wohl naheliegender ein Mittel zur Sicherung, als der Meisterzwang.Der schützt uns nicht vor Pfusch und dreckigem Preiskampf.
Warum fällt bei der zurückgegangenen Ausbildungsleistung der 2004 evaluierten Gewerke immer unter den Tisch, das bei den nicht freigesprochenen, egal ob Dachdecker,Maurer,etc., das selbe Phänomen zu beobachten ist, es also vielleicht gar nichts zu tun hatt mit der Handwerksnovelle?
Was bringt uns die Kriminalisierung Meisterfreier Selbstständiger?Weniger Schwarzarbeit?Mündigere Kundschaft?
Flachere Hierarchien?
Ich unterstelle der Handwerkskammer unterlassene Hilfeleistung im Bezug auf das Phänomen Soloselbstständigkeit, und der Schaffung fördernder Rahmenbedingungen statt unnötiger Rattenschwänze und Schmähe. Autodidakten und Quereinsteiger fördern den Markt und sorgen für Innovationen.! Den Rest regelt der Markt.
Die Pioniere von Solar, Windkraft,Blockheizkraftwerken,meine Lieblingsband(nehmen wir uns den Bereich der Musik als Vergleichsbeispiel),u.a., ich denke die wenigsten haben einen geradlinig klassischen Karrierelauf mit "Krönung", wohl eher einen aus Vielfalt und Eigenantrieb gewachsenen Erfahrungsreichtum, wenn sie gut sind. Wieviele Azubis hatten den, bzw.wievielen ging er während der Lehre oder im Berufsalltag im Angestellten-Verhältniss verloren?
Ich will dafür werben weder den einen noch den anderen Weg zu verbauen.Und nehmen wir nicht die Angst vor der Angst als Argument gegen die Gewerbefreiheit im Handwerk.Gibt es positive Beispiele für den Meisterzwang?Ausbilden geht auch ohne!

Michael schrieb am 31.10.2018 um 19:52 Uhr

Bin selbständiger Fliesenleger seit 10 Jahren. Seit dem keine Gewährleistungsschäden. Alles passt.
Die Kunden sind alle zufrieden.
Die Einführung der neuen Meisterpflicht ist Abzocke der Handwerkskammer.
Der Markt regelt von alleine wer bleibt oder wieder verschwindet.
Wenn der Kunde mit der Leistung unzufrieden ist wird er die Rechnung nicht bezahlen. Wie oft wird das eine kleine Firma verkraften bis sie abgehaust hat.
Die guten bleiben und die Murkser sind schnell weg vom Fenster.
Ich habe schon Arbeiten von so genannten Meisterbetrieben gesehen das es der Sau graust.
Die Meisterpflicht bringt nur Bürokratie und Kosten. Sonst nichts.

Bernd Klein schrieb am 17.11.2018 um 08:36 Uhr

Bernd Klein Dachdecker im Reisegewerbe seit 10 Jahren.
Es war ja nur eine ganz kleine Novelle der Handwerksordnung von 2004, ein erster Schritt (der leider nicht weit genug ging) in Richtung, den Arbeitsmarkt im Handwerk leichter für Mitbewerber zugänglich zu machen und die hohen Hürden wie den großen Befähigungsnachweis abzubauen, wie von der Europäischen Kommission gefordert.
Natürlich bleiben Betriebe im dereguliertem Handwerk klein und haben eine geringe Überlebensrate, welche Berufe sind denn frei gegeben worden?
Solche die sowieso vom Aussterben bedroht sind, (Brunnenbauer, Korbflechter, Instrumentenbauer, Gebäudereiniger, Raumausstatter, Fliesenleger,……….) die meisten und wichtigsten Gewerke, da wo auch wirklich Geld verdient wird, blieben meisterpflichtig! Aus dieser kleinen Novelle von 2004 einen ökonomischen Vorteil oder Nachteil festzustellen zu können, halte ich nicht für abschließend beantwortet, belegt ist, das die Ausbildungszahlen in Gewerken im Handwerk mit großem Befähigungsnachweis auch drastisch zurückgehen und das der große Befähigungsnachweis kein Qualitätssiegel ist.
Parallel zu der Novelle im Handwerk von 2004 wurde das Reisegewerbe eingeführt.
Im Reisegewerbe dürfen alle Handwerklichen Gewerke ohne großen Befähigungsnachweis ausgeübt werden, nach Auslegung der Handwerkskammern, ist im Reisegewerbe jegliche Werbung verboten, das zustande kommen einer Auftragserteilung muss vom Anbietenden ausgehen. Ein Gewerbetreibender im Reisegewerbe ohne großen Befähigungsnachweis darf nicht in vollem Umfang arbeiten und auch keine Werbung machen, wie soll der an Kundschaft kommen? (Wer nicht wirbt, der stirbt.) Des Weiteren wird man als Gewerbetreibender im Reisegewerbe von den Behörden verfolgt bis hin zu Hausdurchsuchungen und Strafanzeigen bei Gewerbetreibende, die ihren Betrieb ordnungsgemäß angemeldet haben und Steuern zahlen. Ein Deutscher Gewerbebetreiber im Handwerk ohne großen Befähigungsnachweis hat in Deutschland weniger Rechte als ein Anbieter aus dem Europäischen Ausland, der in Deutschland durch die Europäische Dienstleistungsrichtlinie in vollem Umfang im Handwerk arbeiten und werben darf, ohne den großen Befähigungsnachweis zu haben ! Um dem Fachkräftemangel in Deutschland auch im Handwerk gegenzusteuern, sollte die Novelle der Handwerksordnung von 2004 auf alle Handwerksberufe ausgedehnt werden um überhaupt einen ökonomischen Effekt feststellen zu können, es sollte aus Reisegewerbe und Stehendem Gewerbe eine Gewerbeform gefunden werden, um Wettbewerbs Vor- und Nachteile auszuschließen und dem Verbraucherschutz gerecht zu werden.

Andreas Baumbach schrieb am 20.11.2018 um 18:15 Uhr

Ein Artikel im Wiesbadener Kurier vom 20.11.2018 schildert die Probleme eines Gebäudereinigers in der Praxis: „Zum Putzen braucht man ja keine Ausbildung“– das war der Gedanke von Joseph Körner (Name geändert) vor fünf Jahren. „Diesen Leichtsinn habe ich bitter bereut“, erzählt er heute. „Denn zu Hause sauber machen ist etwas völlig anderes, als ein professionelles Reinigungsunternehmen zu führen. Von der falschen Dosierung der chemischen Reinigungsmittel habe ich kaputte Hände, und zusätzlich einen kaputten Rücken. Ich werde nie wieder körperlich arbeiten können, und bin hoch verschuldet, weil durch die falsche Reinigung Oberflächen beschädigt wurden, für die ich zahlen muss.“ Viele Fliesenlegermeister sind mittlerweile hauptsächlich als Gutachter tätig, um die Schäden der unqualifizierten Kollegen festzustellen.“

Meisterbriefe enthalten seit 2014 den Hinweis, dass der Abschluss als Handwerksmeister im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen (DQR / EQR) dem Niveau 6 entspricht. Der Stufe, der auch der Bachelor zugeordnet ist. Mir fällt auf, dass vor allem Akademiker die Abschaffung des „Großen Befähigungsnachweises“ begrüßen. Da bringen die meisten Handwerker der akademischen Ausbildung weitaus mehr Respekt entgegen. Vielleicht ist vielen Akademikern einfach nicht bekannt, welches Wissen hinter so einem Meisterbrief steckt?

Im Schuhmacherhandwerk bilden sechs Semester (vulgo: 3 Jahre) Anatomie, Orthopädie, Klebstoffkunde, Materialkunde, Gerbung, Schuhmacharten uvm. die fachlichen Grundlagen, die im Betrieb und in der Berufsschule für Schuhmacher unterrichtet werden. In der Meisterprüfung kommen neben einer verschärften Prüfung des handwerklichen Könnens, sehr wohl im Interesse des Verbrauchers, u. a. auch Buch- und Betriebsführung, Pädagogik, Arbeits- und kaufmännisches Recht dazu.

Was bitte kann es schaden, Leute erst mit diesem geprüften Wissen und Können in die Soloselbstständigkeit zu entlassen? Im Gegenteil, die Zahl der unzureichend Kranken- und Rentenversicherten Soloselbstständigen und auch akademischen Freiberufler nimmt seit Jahren ständig zu. Unwissenheit und Preisdruck verschärfen diese Problematik nur. Auch davor hat der Meisterbrief geschützt, da das mit ihm vermittelte Wissen vor den gröbsten Fehlern warnt.

Die Meisterprüfung dient nicht dazu Pfründe zu wahren, sondern um den Verbraucher - aber auch den Ungelernten selbst - vor den zu Beginn geschilderten gesundheitlichen und wirtschaftlichen Katastrophen zu beschützen.

Auch als Schuhmachermeister stelle ich regelmäßig „Schäden unqualifizierter Kollegen“ fest. Allerdings versuchen nur wenige Verbraucher, den Schaden einer unsachgemäßen Reparatur zu korrigieren.

Viele ziehen es vor, einfach nie wieder zu einem Schuhmacher zu gehen. Unwissend, dass Sie gar nicht bei einem Schuhmacher(meister) waren. Denn dieser "feine" Unterschied ist in einem Land, in dem eigentlich alle Lebensbereiche sorgfältigst reguliert sind, vielen immer noch nicht bekannt.

In Wiesbaden gab es 1960 über 200 Schuhmachereien und entsprechend viele Beschäftigte. Schuhe wurden - dank Meisterzwang weitaus häufiger als heute fachgerecht - repariert.

Heute reden wir viel über Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Müllvermeidung, aber die in Niedriglohnländern unter arbeitsrechtlich und ökologisch katastrophalen Bedingungen hergestellten Leder und Schuhe werden nicht repariert, sondern weggeschmissen.

Die ökologische Katastrophe kommt also noch dazu.

Bernd Klein schrieb am 28.11.2018 um 19:56 Uhr

Antwort auf den Kommentar von Andreas Baumbach.
Sehr geehrter Herr Baumbach
Sie schreiben in Ihrem Kommentar, das es 1960 in Wiesbaden über 200 Schuhmachereien gab und auch dementsprechend viele Beschäftigte ! Ihnen ist schon bewust, das wir heute das Jahr 2018 schreiben ?

Toni L. schrieb am 05.01.2019 um 17:30 Uhr

Zitat:
"Contra: Wiedereinführung der Meisterpflicht – Migranten erhalten eine Chance"

richtig fomuliert:

Migranten erhalten KEINE Chance.

Inbesondere Frauen also Migrantinnen, können sich kaum als alleinerziehend oder erziehend dem patriachalischen Luxus eines
DEUTSCHEN MEISTERTITEL´s leisten.
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Ganz daneben betrachetet,
ist die Einführung der Meisterpflicht die einzige Möglichkeit die Migranten, welche nach drei Jahren ab 2015 gerechnet nun bald ein Gewerbe anmelden zu dürfen,
aus dem Wettbewerb zu drängen,
also mit der kaum zu erreichbaren Hürde des MEISTERTITELS einen Wettbewerbs-Protektionismus der üblen Art vom Zaun zu brechen.
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So dynamisch und prositivistisch pragmatisch auch in die Kamera gegrinst wird, steckt dahinter nichts anderes als eine verkappte
"Blut-und-Boden-Doktrin";

der Gutmensch schreit nach mehr Qualtität und möchte doch nur seine überteuerten Pfründe protektionieren...
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Und schlechte Qualtität stammt hauptsächlich von deutschen "Meisterbetrieben" selbst, welche Subunternehmer aus billigen EU-Ost-Staaten im Unterauftrag nehmen und selber die Abnahme deren Leistungen versäumen, bzw. sich mittlerweile als Meister zu fein sind, um die Sache selbst zu überwachen.

Das ganze Meistergehabe wankt, und man sollte lieber in die andere Richtung denken, die Handwerkskammer zu verkleinern,
den Kammerzwang abschaffen und den Meister so lassen wie er ist.

Der Meister soll in gefahrengeneigten Handwerksbetrieben gelten, und auch für Bereiche die derselbe aus Hochnäsigkeit in den Unterauftrag nimmt. Also billig arbeiten läßt, teuer abkassiert und die Schuld dann von sich weißt.

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