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99. Jahrgang, 2019, Heft 3 · S. 160-161

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Resistent gegen Kritik

Justus Haucap

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist – wieder einmal – in der Kritik: zum einen wegen des von der ARD beauftragten "Framing Manuals" und dem kläglichen Versuch der ARD, dies geheim zu halten, zum anderen wegen der beantragten Erhöhung der Rundfunkabgabe. Kern der Kritik ist letztlich die stetige Ausdehnung der abgabenfinanzierten Rundfunkangebote. Warum überaus teure Sportsendungen (und hier inzwischen fast ausschließlich Fußball) durch Abgaben finanziert werden müssen, ist vielen ebenso wenig klar wie die Abgabenfinanzierung zahlreicher Krimisendungen, Helene-Fischer-Shows oder seichter Seifenopern im Vorabendprogramm. Wie diese zur Sicherung der Demokratie beitragen, wie ARD und ZDF es darstellen, ist – freundlich ausgedrückt – zumindest unklar. Zugleich werden anspruchsvolle Sendungen auf hintere Sendeplätze verbannt. ARD und ZDF rechtfertigen ihr Vollprogramm mit 23 Kanälen vor allem damit, dass das Grundgesetz und die höchstrichterliche Rechtsprechung es gestatten, eben dies zu tun. Eine an Zielen und Mitteln orientierte Rechtfertigung fehlt zumeist völlig.

Das von der ARD bestellte Framing Manual rät der ARD sogar explizit dazu, sich in kritischen Diskussionen erst gar nicht auf die Ebene von Fakten zu begeben, sondern an Moral und Gefühle zu appellieren und durch eine geschickte Wortwahl Defizite zu überspielen. Kritik solle man primär mit einer Diffamierung der Kritiker begegnen. Diese Empfehlungen zeugen von einer bemerkenswerten Arroganz im Umgang mit Kritikern, die auch gern pauschal in die AfD-Ecke einsortiert werden. Diese Anleitung – so die korrekte Übersetzung von "Manual" – zeigt aber auch eine erhebliche Naivität. So hat man in der DDR und anderen totalitären Systemen versucht, Missstände durch neue Wortschöpfungen und mehr oder minder geschickte Rhetorik zu überdecken. In der Regel führt dies jedoch eher zu einer weiteren Entfremdung zwischen Mächtigen und Beherrschten (sowie zahlreichen Witzen), aber vielleicht haben ARD und ZDF ja mehr Glück.

Wenn die stetige Ausdehnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überhaupt sachlich gerechtfertigt wird, so lautet diese sinngemäß, dass Zuschauer kritische Reportagen, Kultur- und Nachrichtensendungen vor allem deswegen in ARD und ZDF sehen, weil diese auch Seifenopern, Krimis und Bundesliga zeigen. Zwar wird hier durchaus eine Korrelation bestehen, dass aber die Ausstrahlung teurer und zugleich wenig anspruchsvoller Sendungen kausal dafür ist, dass Zuschauer dann auch relativ günstig zu produzierende, aber anspruchsvolle Sendungen ansehen, ist eine doch eher wenig plausible und empirisch auch nicht belegte Behauptung. Das beste Argument für ein öffentlich-rechtliches Rundfunkangebot kommt aus der Theorie des sogenannten Media Bias. Werbefinanzierte Sender nehmen gegebenenfalls zu viel Rücksicht auf ihre Werbekunden und ganz allgemein mögen Privatsender den politischen Präferenzen ihrer Eigentümer folgen. Dem kann ein öffentlich-rechtliches Angebot etwas entgegensetzen. Konsequenterweise sollte dies dann jedoch auch ganz auf Werbung verzichten und vor allem solche Angebote unterbreiten, bei denen ansonsten eine einseitige Berichterstattung drohen könnte. ARTE, Phoenix, 3Sat, der Deutschlandfunk und auch Tagesschau und heute-Sendung leisten dies in überzeugender Weise zu vergleichsweise geringen Kosten. Seifenopern und teure Sportrechte braucht man dafür nicht.

Ändern wird sich daran freilich auch in Zukunft kaum etwas: Nur wenige Institutionen sind so resistent gegen jedwede Kritik wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Zugleich setzt auch die Politik dem Expansionsdrang kaum Grenzen, denn aus politökonomischer Sicht ist es offenbar für die meisten Politiker keine sonderlich attraktive Strategie, sich kritisch mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auseinanderzusetzen.

Justus Haucap

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

justus.haucap@dice.uni-duesseldorf.de


Kommentare zu diesem Artikel

jkleylein schrieb am 13.03.2019 um 15:24 Uhr

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat die Aufgabe die Bevölkerung sachlich, wertneutral und kompetent mit Informationen, Nachrichten, kritischen Politsendungen (z. B. Panorama, Frontal 24, etc.), breit gefächerten Medien(Fernseh)angebot (also auch Krimis, Sport, Kultur, Comedy, Unterhaltung) deutschlandweit zu versorgen. All dieses ist eben "nicht" nur dem privaten Rundfunkgesell-schaften vorbehalten. Vergleicht man öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit dem Privatfernsehen, stellt man schnell fest welches primitives Niveau kommerzielles Fernsehen verfolgt. Das Ziel der Privatwirtschaft (privaten Rundfunkgesellschaften) ist es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu eleminieren. Aus diesem Grund werden von der Privatwirtschaft die Rundfunkgeübhren stets kritisierte und als Argument für eine Deregulierung angeführt. Jedoch sind die steigenden Rundfunkgebühren kein Argument gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Im Gegensatz zum Privatfernsehen werden wie o. g. gute Beiträge gesendet, die gut recherchiert sind, eben "keine" Fake-News, die im privaten Rundfunk gesendet werden. Zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung gehört auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der eben ordentliche Sendungen garantiert. Expansiv sind nur die privaten Medien, denen geht es nicht um eine sachliche, transparente, kritische und informative Berichterstattung und auch nicht um ein breit gefächertes Rundfunkangebot, sondern definitiv nur um Profit und Einflussnahme. Sendungen im Privatfernsehen werden von der Privatwirtschaft finanziert und gesteuert - siehe Kampagnen der Chemie-, Pharma-, Automobilindustrie, etc., außerdem sind die Werbepausen im Privatfernsehen extrem lang. Die Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen zahle ich gerne - ebenfalls die Erhöhungen.

Monika Stein schrieb am 21.10.2019 um 21:42 Uhr

So langsam wird’s komisch... nur noch Wiederholungen ! Alte Tatorte... alte Krimi s ? Da können wir gleich DVD s einlegen ! Und wenn es Krimi s gibt, dann nur noch spät abends
Krimis aus Neuseeland und Irland ! Schreckliche Filme und nichts für schwache Nerven !

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