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99. Jahrgang, 2019, Heft 4 · S. 235-255

Zeitgespräch

Hartz IV – Reform einer umstrittenen politischen Maßnahme

Ulrich Walwei, Werner Eichhorst, Ulf Rinne, Maximilian Blömer, Clemens Fuest, Andreas Peichl, Jürgen Schupp, Gerhard Bäcker

Seit 2005 ist Hartz IV in Kraft. Das Gesetz hat Leistungen der Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe zusammengeführt. Seit seinem Inkrafttreten ist die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen. Ob dies nun vor allem an der Hartz-IV-Reform lag oder ob andere Ursachen für die positive Entwicklung verantwortlich waren, ist umstritten. Allerdings ist seither die Zahl der Hilfebedürftigen insgesamt kaum gesunken und die Erwerbsarmut (working poor) hat sich seit 2004 deutlich erhöht. Diese Entwicklung legt nahe, dass die Leistungen des Sozialgesetzbuchs II (SGB II) zum Teil nicht dem ursprünglich angestrebten Personenkreis zugutekommen und dass einige Anrechnungen und Sanktionen bei verschiedenen Gruppen von Betroffenen nicht immer verhältnismäßig und anreizkompatibel waren, etwa mit Blick auf die erwerbstätigen Leistungsberechtigten. Deshalb werden verschiedene Änderungen vorgeschlagen: das Vermögen sollte nach weniger strengen Kriterien und Hinzuverdienste sollten zu einem geringeren Prozentsatz angerechnet werden, die Erwerbsbiographie sollte berücksichtigt und damit vorher langjährig Beschäftigte bevorzugt werden, Alternativen zum SGB II sollten gestärkt werden, etwa durch die Erhöhung des steuerlichen Grundfreibetrags und eine bessere Abstimmung mit dem gesamten Steuer-Transfersystem.

In diesem Zeitgespräch:

Title: Hartz IV – Reform of a Controversial Political Measure

Abstract: Hartz IV has been in force since 2005. The law has combined unemployment benefits and social assistance. Since it came into force, unemployment has fallen significantly. Whether this was mainly due to the Hartz IV reform or other causes were responsible for the positive development remains controversial. The number of people in need of assistance has hardly decreased and the working poor has increased significantly since 2004. This development suggests that the benefits of the Social Code II (SGB II) do not partially benefit the originally-targeted group of people and that some credits and sanctions were not always proportionate and incentive-compatible with different affected groups, e.g. with regard to the employed beneficiaries. Various changes have therefore been proposed: assets should be credited according to less stringent criteria and additional earnings should be credited at a lower percentage rate; the employment biography should be taken into account and thus preference should be given to long-term employees; alternatives to the Social Code II should be strengthened, for example by increasing the basic tax allowance and better coordination with the overall tax transfer system.

JEL Classification: E24, I38, J65

Hinweis

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