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99. Jahrgang, 2019, Heft 8 · S. 595-596

Konjunkturschlaglicht

Rohstoffpreisentwicklung im ersten Halbjahr 2019

Katrin Knauf

Unsicherheit belastete die Rohstoffpreisentwicklung im vergangenen Jahr und die Rohstoffpreise fielen Ende 2018 deutlich. Besonders am Rohölmarkt beeinträchtigte der sich stetig zuspitzende geopolitische Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Rohölpreisentwicklung.1

Im Januar 2019 konnten zum ersten Mal seit Oktober 2018 steigende Rohölpreise beobachtet werden.2 Um den Preisverfall auf dem Rohölmarkt zu stoppen, vereinbarte die Organisation der Erdölexportierenden Länder (OPEC) zusammen mit weiteren verbündeten Staaten inklusive Russland (OPEC+) auf ihrem 175. Treffen im Dezember 2018 eine Reduzierung der Rohölproduktion um 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Die Preise für Rohöl begannen im Januar zu steigen und erhöhten sich im Februar weiter, als Saudi-Arabien ankündigte, seine Fördermenge um weitere 300 000 Barrel pro Tag zu reduzieren.3 Am 23.4.2019 stieg der durchschnittliche Preis für Rohöl auf 71,61 US-$ pro Barrel und erreichte damit den höchsten Stand im ersten Halbjahr 2019 (vgl. Abbildung 1).4

Unsicherheit beeinflusste weiterhin die Rohölmärkte. So vertagte die OPEC die für April geplanten Entscheidungen hinsichtlich weiterer Produktionsmengen, da die Prognose der zu erwartenden Nachfrage zu unsicher erschien. Das für den 17. April 2019 geplante Treffen der OPEC-Mitglieder und ihrer assoziierten Staaten wurde auf den 25. Juni 2019 verschoben, und die Preise am Rohölmarkt begannen zu sinken. Im Juni fielen die Rohölpreise besonders kräftig, als die OPEC ihre Entscheidung über die künftigen Förderquoten ein weiteres Mal verschob, um die Ergebnisse des G20-Gipfels in Osaka Ende Juni abzuwarten. Am 1. Juli 2018 wurde auf dem 176. Treffen der OPEC in Wien beschlossen, die bisherigen Förderregelungen für weitere neun Monate beizubehalten, wobei die OPEC von einer Steigerung der Nachfrage von 1,14 Mio. Barrel pro Tag binnen Jahresfrist ausgeht.5 Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet mit einem Anstieg des Rohölangebots von 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Für die USA wird eine Steigerung der Fördermenge um 2,4 Mio. Barrel pro Tag für 2019 erwartet. Das Rohölangebot überstieg die nachgefragte Menge in den ersten zwei Quartalen des Jahres 2019. Die USA fördern Rohöl unvermindert auf Rekordniveau, wobei die Lagerbestände seit Jahresbeginn fallen.6 Die US-amerikanische Rohölsorte "West Texas Intermediate" (WTI) bleibt auch weiterhin die preiswerteste Referenzrohölsorte.7 Zudem verschärfte sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran Ende Juni erneut. Der Iran droht, die Straße von Hormus für den internationalen Rohöltransport zu blockieren. Obwohl die Spannungen gegenwärtig stetig zunehmen, reagierten die Preise auf dem Rohölmarkt im Juli eher seitwärts. Dabei fiel der Preisabstand zwischen der europäischen Rohölsorte Brent und der Referenzsorte aus dem Nahen Osten, Dubai, auch im ersten Halbjahr 2019 sehr gering aus.8

Abbildung 1 (zurück zum Text)
Rohölpreise im ersten Halbjahr 2019
Rohölpreise im ersten Halbjahr 2019

Quellen: Macrobond; HWWI.

Der HWWI-Gesamtindex stieg in den ersten Monaten des Jahres 2019. Jedoch fiel der Index im Mai und vor allem im Juni (vgl. Abbildung 2). Für diese Entwicklung ist die weiterhin bestehende Unsicherheit hinsichtlich der geopolitischen und -wirtschaftlichen Situation verantwortlich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Prognose des weltweiten Wirtschaftswachstums in seinem Bericht vom Juli 2019 gegenüber April um 0,1 Prozentpunkte nach unten korrigiert. Für 2019 wird aktuell ein globales Wirtschaftswachstum von 3,2 % angenommen und für 2020 wird ein Wachstum von 3,5 % prognostiziert.9 Zuletzt fiel das Wirtschaftswachstum der USA von 3,1 % im ersten Quartal 2019 auf 2,1 % im zweiten Quartal.10 Vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden Weltkonjunktur notierte der HWWI-Rohstoffindex in US-Dollar11 im Juni 2019 bei 109,5 Punkten und lag damit im letzten Monat des ersten Halbjahres 2019 knapp 18,6 % unter dem Stand des Vorjahres.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
HWWI-Rohstoffpreisindex

US-Dollar-Basis

HWWI-Rohstoffpreisindex

1 NE-Metalle: Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink und Zinn.

Quelle: HWWI-Rohstoffpreisindex; Monatsdurchschnitt.

Zusätzlich belastet der Handelsstreit zwischen den USA und China die Märkte für Industrierohstoffe, da der anhaltende Konflikt die Nachfrage nach Stahl und Stahlprodukten beeinträchtigt. Vor allem die Preise für Stahlschrott sanken. Der Index für NE-Metalle12 erreichte einen vorläufigen Tiefstand im Januar und konnte sich im ersten Quartal 2019 etwas erholen. Danach fielen die Preise jedoch wieder deutlich und der Index erreichte mit 107,3 Punkten seinen niedrigsten Stand seit Januar 2017 (106,8 Punkten). Er notiert damit deutlich um 19,8 % unter dem Stand vom Juni 2018. Der Index für Industrierohstoffe konnte sich insgesamt im ersten Halbjahr 2019 etwas erholen und stieg von 117,6 Punkten im Januar um 8,1 % auf 127,1 Punkte im Juni 2019. Damit lag er jedoch noch um 2,7 % unter dem Stand von 130,6 Punkten im Juni 2018. Hauptursache für die Erholung ist der gestiegene Preis für Eisenerz nach dem Dammbruch von Brumadinho in Brasilien Ende Januar 2019. Die brasilianische Mine des Unternehmens Vale ist eine der bedeutendsten Förderstätten für Eisenerz der Welt. Das Unglück beeinträchtigt das weltweite Angebot von Eisenerz stark, die Preise für Eisenerz steigen seit Januar 2019 deutlich. Außerdem wurde die Produktion von Eisenerz in Australien durch den Tropensturm Veronika und durch ein Feuer am Exportterminal geschwächt.13

Der Index für Nahrungs- und Genussmittel fiel seit Anfang 2019 von 90,7 auf 85,6 Punkte im Mai. Meldungen über gute Ernten, beispielsweise bei Kaffee, ließen die Preise sinken.14 Im Juni notierte der Index bei 91,5 Punkten und damit 4,3 % unter dem Stand vom Juni 2018 mit 95,6 Punkten. Ebenfalls führten hohe Ernteerträge sowie hohe Lagerbestände zu sinkenden Preisen für Kokos- und Palmöl. Weiterhin belasten ökologische Diskussionen über den Anbau von Palmöl die Nachfrage. Die EU erwägt, den Import von Palmöl zu sanktionieren.15 Darüber hinaus tangiert der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Märkte für Nahrungs- und Genussmittel.

Die Rohstoffpreise wurden im ersten Halbjahr 2019 durch die globale Unsicherheit belastet. Zum Anfang des Jahres 2019 konnten steigende Preise beobachtet werden. Die Rohölpreise stiegen aufgrund der Förderbeschränkungen der OPEC an. Sie fielen jedoch im zweiten Quartal. Die Sorgen vor den Folgen eines eskalierenden Handelskonflikts zwischen China und den USA beeinträchtigen weiterhin die Erwartungen an das Wachstum der Weltwirtschaft und damit die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen. Insbesondere die Ankündigung des US-Präsidenten, nach den wiederholt erfolglosen Gesprächen mit China auf zusätzliche Produkte im Wert von 300 Mio. US-$ Strafzölle zu verhängen, führten zu einer weiteren Eintrübung der Aussichten.16

Katrin Knauf

knauf@hwwi.org


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