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99. Jahrgang, 2019, Heft 2 · S. 155-156

Konjunkturschlaglicht

Unsicherheit belastet Rohstoffpreisentwicklung

Katrin Knauf

Der HWWI-Gesamtindex für Rohstoffe1 fiel im Dezember 2018 auf 113 Punkte und lag damit knapp 5 % unter dem Stand vom Dezember 2017 (vgl. Abbildung 1). Im Jahresdurchschnitt stiegen jedoch die Rohstoffpreise 2018 um 24 % gegenüber dem Jahr 2017. Dabei verteuerten sich im Jahresdurchschnitt die Energierohstoffe um 28 % und die Industrierohstoffe um 6 %. Dagegen verbilligten sich die Preise für Nahrungs- und Genussmittel um 5 %.2

Unsicherheiten hinsichtlich der Einführung von tarifären Handelshemmnissen prägten das erste Halbjahr 2018. Trotz allem war ein Ansteigen der Rohstoffpreise in den ersten Monaten des Jahres 2018 zu beobachten.3 Die Auswirkungen der protektionistischen Handelspolitik der USA und die darauffolgenden Reaktionen, vor allem von Seiten Chinas, ließen die Erwartungen an das Wachstum der globalen Konjunktur im zweiten Halbjahr sinken.4 So verringerte sich das chinesische Wirtschaftswachstum im dritten Quartal 2018 auf die geringste Rate seit der Finanzkrise.5 Infolgedessen sind seit Herbst 2018 fallende Rohstoffpreise zu beobachten.

Abbildung 1 (zurück zum Text)
HWWI-Rohstoffpreisindex in US-Dollar
HWWI-Rohstoffpreisindex in US-Dollar

Quelle: HWWI-Rohstoffpreisindex, Monatsdurchschnitt.

Besonders am Rohölmarkt sinken seit Oktober 2018 die Preise (vgl. Abbildung 2). Im Dezember 2018 fiel der Preis für ein Barrel Rohöl im Monatsdurchschnitt auf 55 US-$. Er ging von Oktober bis Dezember um knapp 30 % zurück. Dieser Wert konnte zuletzt im Oktober des Jahres 2017 beobachtet werden. Am 5. November 2018 traten die angekündigten US-amerikanischen Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Diese Sanktionen sollen die Exporte von iranischem Erdgas verhindern und es dem Iran erschweren, Einnahmen aus dem Rohölgeschäft zu erzielen. Jedoch fielen die Preise für Rohöl, da auf der Nachfrageseite zunehmend die protektionistische Handelspolitik der USA die Weltwirtschaft belastet. Die Rohstoffnachfrage, vor allem nach Rohöl, sank infolge geringerer Erwartungen an das Wachstum der globalen Wirtschaft zum Ende 2018.

Abbildung 2 (zurück zum Text)
Entwicklung der Rohölpreise
Entwicklung der Rohölpreise

Quelle: Macrobond, HWWI.

Anfang Dezember 2018 trafen sich Mitglieder der Organisation erdölfördernder Länder (OPEC) in Wien, um über die Reduzierung der Fördermenge ab Januar 2019 zu beraten. Die OPEC zusammen mit weiteren verbündeten Staaten inklusive Russland (OPEC+) vereinbarte eine Reduzierung der Rohölproduktion um 1,2 Mio. Barrel pro Tag, um den Preisverfall auf dem Rohölmarkt zu stoppen.6 Der Preis für Rohöl fiel jedoch weiterhin, weil Unsicherheit den Markt beherrschte, ob diese Kürzungen ausreichen werden, um das Überangebot am Rohölmarkt zu beseitigen. Weiterhin warnte die Internationale Energieagentur (IEA) Mitte Dezember 2018 vor einem zu hohen Rohölangebot auf dem Weltmarkt. Die relativ niedrigen Rohölpreise der vorangegangenen Monate seien für den Aufbau von Lagerbeständen genutzt worden. Die USA fördern Rohöl unverändert auf Rekordniveau.7 Die US-amerikanische Rohölsorte "West Texas Intermediate" (WTI) bleibt auch weiterhin die preiswerteste Referenz­rohölsorte.8

Ein Kälteeinbruch zum Anfang des Jahres 2018 ließ die Spotmarktpreise für US-amerikanisches Erdgas kurzzeitig und außergewöhnlich kräftig ansteigen. Im Sommer stieg die Nachfrage nach Erdgas aufgrund der anhaltenden Hitzewelle auf der Nordhalbkugel.9 Der monatliche Durchschnittspreis für Erdgas lag im Dezember 2018 um knapp 22 % über dem vom Dezember 2017, bei Rohöl war es umgekehrt: Der Preis lag im Dezember 2018 um 10 % unter dem Stand vom Dezember 2017. Der Index für Energierohstoffe beendete das Jahr 2018 mit 114 Punkten.

Die Unsicherheit vor einer sich eintrübenden Weltkonjunktur belastet die Märkte für Industrierohstoffe ebenfalls. Der Handelsstreit zwischen den USA und China beeinträchtigt vor allem die Nachfrage nach Stahl und Stahlprodukten in den USA, da die von den USA erhobenen Zölle chinesische Produkte auf dem US-amerikanischen Absatzmarkt verteuern und die Nachfrage begrenzen. Seit Juli 2018 fallen die Preise, vor allem für NE-Metalle.10 Der Index für Industrierohstoffe fiel im Dezember auf 116 Punkte und erreichte damit seinen Jahrestiefstand.

Ernteausfälle aufgrund von Trockenheit und damit einhergehende Befürchtungen über Angebotsverknappungen ließen die Preise für Nahrungs- und Genussmittel in der ersten Hälfte des Jahres 2018 steigen. Seit Juni 2018 fallen die Preise für Nahrungs- und Genussmittel jedoch wieder. Meldungen über gute Ernten, beispielsweise bei Kaffee und Kakao, ließen die Preise fallen. Bei der Kaffeepreisentwicklung spiegelten sich darüber hinaus spekulative Erwartungen von Finanzmarktteilnehmern und die Wechselkursentwicklung zwischen brasilianischen Real und US-Dollar wider. Nach einem kurzen Kaffeepreisanstieg im Oktober und November sank der Preis für Kaffee im Dezember.11 Gute Ernten und hohe Lagerbestände ließen zuletzt die Preise für Kokos- und Palmöl ebenfalls fallen. Weiterhin beeinträchtigt der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Märkte für Nahrungs- und Genussmittel. China erhöhte als Gegenmaße zu den US-amerikanischen Strafzöllen unter anderem die Einfuhrzölle auf den Import von Mais und Sojaprodukten aus den USA. Die chinesische Nachfrage nach den von den Zöllen betroffenen Produkten sank. Der Index für Nahrungs- und Genussmittel fiel im Dezember auf 89 Punkte und erreichte damit ebenfalls seinen Jahrestiefstand.

Obwohl zu Beginn des Jahres 2018 optimistische Erwartungen bezüglich des globalen Wirtschaftswachstums herrschten, wurden diese Erwartungen im Laufe des Jahres nach unten korrigiert. Auch zum Anfang des Jahres 2019 setzt sich dieser Trend fort.12 Die Sorgen vor den Folgen eines eskalierenden Handelskonflikts zwischen China und den USA beeinträchtigen weiterhin die Erwartungen an das Wachstum der Weltwirtschaft und damit die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen. Weiterhin ungewiss ist der politische Weg Venezuelas. Nach der Wiederwahl des Präsidenten Maduro am 21. Mai 2018 verschärften die USA die Sanktionen gegen die Regierung, die Zentralbank und die Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela. Dieser politische Konflikt in dem Land mit den größten Erdölreserven der Welt spitzt sich gegenwärtig weiter zu. Im Januar 2019 zeichnete sich jedoch eine Erholung der Rohstoffpreise, allen voran der Rohölpreise ab. Die Produktionskürzungen der OPEC könnten die angebotene Menge soweit reduziert haben, dass die Nachfrager bereit sind, zu steigenden Preisen zu kaufen.

Katrin Knauf

knauf@hwwi.org


Kommentare zu diesem Artikel

Dr.Jaser Tadros schrieb am 27.02.2019 um 13:30 Uhr

Es ist nur sehr zu hoffen , dass die Oelpreise international weiterhin in der Tiefe - wie in den vorigen siebziger Jahren der Fall war- sinken werden und als Schlag gegen das Monopol der erdoelexportierenden Laender - an erster Stelle der Golfstaaten- Saudi-Arabien---etc.) ,bilden wird ,
und zu Gunsten der armen Entwicklungslaender ,in denen der arme Buerger sein Haushalt mit Diesel- und Heizungsmaterialien zu billigen Preisen selbst und seiner Familie versorgen kann .

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